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| 09:58 Uhr

Trainer Slomka muss gehen – Schalke setzt auf Interims-Duo

Keine Rückendeckung: „Es ist eine Situation entstanden, die sich in den nächsten Wochen sehr negativ auf die Mannschaft auswirken würde“ , kommentierte Schalke-Manager Andreas Müller die Entlassung von Mirko Slomka.
Keine Rückendeckung: „Es ist eine Situation entstanden, die sich in den nächsten Wochen sehr negativ auf die Mannschaft auswirken würde“ , kommentierte Schalke-Manager Andreas Müller die Entlassung von Mirko Slomka. FOTO: dpa
Im Endspurt der Bundesliga-Saison hat der FC Schalke 04 das Vertrauen in Mirko Slomka endgültig verloren und den Fußball-Trainer überraschend entlassen. Einen Tag nach der bitteren 1:5-Niederlage bei Werder Bremen zog der Tabellen-Dritte gestern die Reißleine, weil die Clubverantwortlichen das Saisonziel – die erneute Qualifikation für die Champions League – in Gefahr sahen. Von Ulli Brünger

"Zuletzt gab es auch bei mir eine Tendenz, die Zusammenarbeit mit Mirko nach dieser Saison zu beenden. Nach dem Spiel in Bremen ist bei mir die Entscheidung gereift, diesen Schritt vorzuziehen. Es ist eine Situation entstanden, die sich meiner festen Überzeugung nach in den nächsten Wochen sehr negativ auf die Mannschaft auswirken würde. Daher dieser schnelle Entschluss", begründete Schalke-Manager Andreas Müller die vierte Trainer-Entlassung der laufenden Saison. Morgen in der Partie gegen Energie Cottbus und in den verbleibenden Saisonspielen werden Mike Büskens und Youri Mulder den Revierclub als Interimslösung betreuen. Das Duo gehörte zu der Schalker Mannschaft, die 1997 den Uefa-Cup gewann. Büskens ist im Besitz einer Lizenz als Fußball-Lehrer und coacht seit 2005 die 2. Mannschaft des Vereins in der Oberliga. Er absolvierte insgesamt 257 Bundesligaspiele für den Club. Mulder, der dem Profikader von 1993 bis 2002 angehörte, war zuletzt als Fußball-Experte für den niederländischen Fernsehsender NOS tätig. Der Trainer für die neue Saison stehe noch nicht fest, sagte Müller.
Der Manager teilte den zu diesem Zeitpunkt überraschenden Entschluss dem 40 Jahre alten Slomka, der sich anschließend von der Mannschaft verabschiedete, gestern mit. Zuvor hatte sich der Vorstand mit Präsident Josef Schnusenberg, Geschäftsführer Peter Peters sowie Müller einstimmig gegen eine weitere Zusammenarbeit mit dem seit dem 4. Januar 2006 als Chef-Trainer tätigen Slomka ausgesprochen. Mit Slomka, der noch einen Vertrag bis 2009 besaß, wurde auch Co-Trainer Nestor El Maestro freigestellt.
Auch der Aufsichtsrat segnete die insgesamt 320. vorzeitige Trainer-Trennung der Bundesliga-Historie ab. "Ich trage die Entscheidung der sportlichen Führung mit", erklärte der Vorsitzende des Gremiums, Clemens Tönnies. "Ich bin mit Mirko befreundet. Aber wir haben keine sportliche Fortentwicklung gesehen. Daher mussten wir die Reißleine ziehen", sagte der Fleischfabrikant. Nun sei die "leidige Diskussion um den Trainer beendet".
Der mit seiner Familie in Hannover lebende Slomka war insgesamt fast vier Jahre auf Schalke tätig. Zunächst vom 4. Oktober 2004 an als Co-Trainer von Ralf Rangnick, dessen Nachfolge er dann auf Betreiben Müllers überraschend antrat. Als Chefcoach führte Slomka das Team 2006 in das Uefa-Cup-Halbfinale, verpasste mit der Elf 2007 knapp die deutsche Meisterschaft. Erst am vergangenen Mittwoch schied Schalke beim FC Barcelona im Viertelfinale der Champions League aus. Nach dem 1:5 in Bremen ahnte Slomka wohl bereits, was passieren würde. "Das war Wasser auf die Mühlen derer, die mich nicht mehr als Trainer bei Schalke 04 sehen wollen."
Müller, lange Zeit Slomkas Befürworter, fiel die Trennung dennoch schwer. "Mirko hat bei uns gute Arbeit geleistet, was durch die sportlichen Erfolge dokumentiert wird. Im Laufe dieser Saison haben wir jedoch den Eindruck gewonnen, dass sich die Mannschaft sportlich nicht entscheidend weiterentwickelt. Wir sind zu der Ansicht gekommen, dass dies mit einem neuen Trainer besser gelingen würde." Bereits vor Wochen kamen Zweifel auf an einer bis über das Saisonende hinaus währenden Zusammenarbeit mit Slomka, der einer der erfolgreichsten Trainer der Schalker Historie war. Erstmals öffentlich infrage gestellt wurde er nach drei Bundesliga-Niederlagen in Serie im Februar durch Präsident Schnusenberg. "Vielleicht brauchen wir auf Schalke wirklich mal einen Chefcoach, der großes internationales Standing hat", hatte der 67-Jährige gesagt. Damit begann vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Königsklasse beim FC Porto die schleichende Demontage. Wenig Verständnis zeigte Kevin Kuranyi. "Wir verlieren einen sehr guten Trainer, aber Schalke hatte zuletzt eine schwierige Phase", sagte der Torjäger. Jermaine Jones meinte: "Seit ich im Sommer hier meinen ersten Trainingstag hatte, wurde Slomka kritisiert. Das habe ich nicht so richtig verstanden. Wir müssen nun damit klarkommen und weiter arbeiten. Wir haben am Dienstag gegen Cottbus schon das nächste Spiel."