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Trainer-Lotterie beim FC Bayern

Die kurzfristige Nachfolge des geschassten Carlo Ancelotti (r.) wird erstmal dessen Stellvertreter Willy Sagnol (l.) übernehmen am Sonntag bei Hertha BSC.
Die kurzfristige Nachfolge des geschassten Carlo Ancelotti (r.) wird erstmal dessen Stellvertreter Willy Sagnol (l.) übernehmen am Sonntag bei Hertha BSC. FOTO: dpa
München. Tuchel? Nagelsmann? Scholl? Der FC Bayern könnte den Trainerposten schnell neu besetzen. Präsident Hoeneß hofft auf eine Lösung in der Länderspielpause. In Berlin wird erstmal Willy Sagnol einspringen. dpa/swr

Willy Sagnol legt beim FC Bayern München los - wenn auch nur als Interimschef. Und der bisherige Assistent des gefeuerten Cheftrainers Carlo Ancelotti soll sich beim deutschen Fußball-Meister voll und ganz auf seine Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren. Am Sonntag (15.30 Uhr) im Auswärtsspiel gegen Hertha BSC müssen vor allem die Profis unbedingt liefern, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach der Blitz-Trennung von Ancelotti angeordnet hatte. "Ich erwarte jetzt von der Mannschaft eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen, damit wir unsere Ziele für diese Saison erreichen."

Sagnol erhielt zunächst nur das Mandat für das Berlin-Spiel. In den Planspielen für eine neue Cheftrainer-Lösung spielt der 40 Jahre alte Franzose wohl eher eine untergeordnete Rolle. Präsident Uli Hoeneß sieht seinen Verein nicht unter Zeitdruck. Trotzdem kündigte er an, dass der Rekordmeister möglichst schon nach der anstehenden zweiwöchigen Länderspielpause "eine Lösung" haben wolle.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic sollte am Freitagnachmittag Auskunft zur Situation und dem weiteren Vorgehen beim Rekordmeister geben. Sagnol dagegen sollte sich nicht über das bevorstehende Spiel in Berlin äußern. Die Spieler wissen, dass gerade sie jetzt gefordert sind. "In Berlin müssen wir reagieren, da müssen wir gewinnen und sonst nichts. Wir sind schon drei Punkte hinter Dortmund", hatte Arjen Robben gesagt - allerdings schon bevor die Trennung von Ancelotti fix war.

Die Spekulationen um den Nachfolger laufen schon auf Hochtouren. Natürlich fällt dabei an erster Stelle der Name von Thomas Tuchel, der aktuell ohne Job ist. Etliche Kandidaten werden ins Spiel gebracht, auch unrealistische wie Mehmet Scholl. Und selbst aktuell vertraglich gebundene Trainer wie Hoffenheims Julian Nagelsmann, der als guter Zukunftstipp gilt, werden öffentlich mit Nachfragen konfrontiert. Am Freitag traf es Ralph Hasenhüttl vom Vizemeister RB Leipzig. "Das ist nicht mein Thema", antwortete der Österreicher. Er habe sich nicht eine Sekunde Gedanken darüber gemacht.

Ein interessanter Mann könnte auch der frühere Gladbach-Coach Lucien Favre sein, der bei OGC Nizza in Frankreich angestellt ist.

Hoeneß hatte die abrupte Trennung von Carlo Ancelotti nach dem 0:3-Debakel in der Champions League gegen Paris St. Germain in jedem Fall als alterntivlosen Schritt der Vereinsführung geschildert. Der italienische Coach hatte spätestens mit seiner Aufstellung bei dem Prestigeduell in Paris zu viele Topspieler gegen sich aufgebracht. "Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben", erklärte Hoeneß. Die permante Rotation und die immer häufiger kaum nachvollziehbare Personalauswahl verärgerte Akteure wie Thomas Müller, Mats Hummels, Jérôme Boateng, Franck Ribéry oder Arjen Robben. Spannend wird darum sein, auf wen Nothelfer Sagnol am Sonntag in Berlin setzen wird.