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Trainer-Dino Schröder will zum Abschied den DFB-Pokal

Harter Hund? Diktator? "Diese Legenden halten sich hartnäckig", meint Bernd Schröder.
Harter Hund? Diktator? "Diese Legenden halten sich hartnäckig", meint Bernd Schröder. FOTO: dpa
Potsdam. Nach 45 Jahren bei Turbine Potsdam soll für Trainer Bernd Schröder im Sommer 2016 Schluss sein. Der knurrige Trainer-Dino will sich unbedingt mit einem Titel von der Fußball-Bühne verabschieden. Im Pokalfinale hat er dazu schon am Freitag die erste große Chance. dpa/jam

24 Titel sind ihm nicht genug. Trainer-Dino Bernd Schröder will an diesem Freitag mit einem weiteren Coup auf der Bühne des Frauen-Fußballs sein Karriere-Ende einläuten. "Wir brauchen den Titel. Eigentlich sind wir mal wieder dran", sagte der kantige Potsdamer vor dem Pokalfinale seiner Turbinen in Köln gegen den VfL Wolfsburg (17.15 Uhr/ARD). Doch blauäugig geht der dienstälteste deutsche Fußball-Coach der Meisterklasse nicht in das Duell: "Wir sind der Außenseiter. Das Spiel wird durch die Psyche entschieden."

Der Trainer-Fuchs, der mitunter auch als ewiger Nörgler wahrgenommen wird, weil er nie mit seiner Meinung hinter dem Berg hält, kündigte die "Flucht nach vorne" an: "Ein 5:6 ist mir lieber als ein 0:1." In der Meisterschaft kassierte Spitzenreiter Wolfsburg nur eine Niederlage und ganze drei Gegentore. "Alle gegen uns", bemerkte Schröder nicht ohne Stolz.

In der Szene gilt der 72-jährige Trainer, der seit 45 Jahren im Verein ist, als "harter Hund" und bei manchen gar als "Diktator". "Ja, diese Legenden halten sich hartnäckig", räumt er mit einem Schmunzeln ein. Aussagen seiner Spielerinnen bestätigen, dass Schröder als Trainer bestimmt nicht jedermanns, oder besser jeder Frau, Freund ist. "Man muss als Spielerin schon etwas gestanden sein, um nicht gleich loszuheulen", berichtete Ex-Nationalspielerin Conny Pohlers, die 13 Jahre bei Turbine spielte. "Entweder man zieht mit, oder man ist nicht mehr lange hier", berichtete auch Tabea Kemme.

Doch der Erfolg gibt Schröder recht. Nach sechs Titeln mit der Betriebssportgemeinschaft Turbine in den 80ern erntete er nach der Wende mit seinen Damen reichlich Titel: sechsmal deutscher Meister, Champions-League-Sieger 2005 und 2010, drei Pokalsiege und sieben DFB-Hallenpokale zieren seine Bilanz.

Dass der unbequeme Schröder in den zurückliegenden 44 Jahren für seinen Verein ehrenamtlich arbeitete und keinen Pfennig oder Cent beanspruchte, dürfte auf dieser Spitzenebene einmalig sein. "Das glaubt mir kein Mensch", bemerkte Schröder. Bis zum 60. Lebensjahr arbeitete er im Hauptjob für Energieversorger, danach bezog er Frührente. Seit den 70er-Jahren bewohnt er mit seiner Frau eine bescheidene 62-Quadratmeter-Wohnung in der Platte von Potsdam-West. "Personenkult ist nicht mein Ding", sagte er dazu.