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| 02:38 Uhr

Tränen und Frust im Freiwasser

In Tränen aufgelöst war Finnia Wunram. Teamkollegin Leonie Beck erging es nicht besser.
In Tränen aufgelöst war Finnia Wunram. Teamkollegin Leonie Beck erging es nicht besser. FOTO: dpa
Balatonfüred/Budapest. Auch das vierte Rennen der Schwimm-WM in Ungarn verlief für die deutschen Athleten enttäuschend. Die Stimmung war entsprechend gedrückt. Holger Schmidt und Thomas Eßer

Nachdem er seine beiden in Tränen aufgelösten Schützlinge getröstet hatte, holte Stefan Lurz tief Luft und ließ seinem Unmut freien Lauf. "Auch persönlich geknickt" zeigte sich der Bundestrainer, nachdem sein Team im vierten WM-Rennen der Freiwasserschwimmer am Plattensee wieder ohne Medaille geblieben war. Und während er mit Finnia Wunram aus Magdeburg nach Rang elf noch halbwegs gnädig war, stellte er bei seinem Würzburger Schützling Leonie Beck angesichts von Platz 24 sogar die Zukunft als Freiwasserschwimmerin in Frage.

"Wenn jede kleine Entscheidung, die man treffen muss, gegen einen läuft, muss man sich am Ende des Jahres überlegen, ob Freiwasserschwimmen das Richtige ist", sagte Lurz über die etatmäßige Beckenschwimmerin, die bei den Olympischen Spielen 2016 über 800 Meter startete und unter Lurz in Würzburg trainiert: "Wenn man immer die ähnlichen Bilder sieht, muss man sich vielleicht ehrlich eingestehen: Ich kann es im Becken, aber ich komme mit der Situation im Freiwasser einfach nicht klar."

Das 5-Kilometer-Rennen am Mittwoch war erst Becks drittes außerhalb des Beckens. Nach einem starken Start büßte die 20-Jährige durch einen taktischen Anfängerfehler früh alle Chancen ein. "Bei der ersten Boje - ich weiß gar nicht, was sie da gemacht hat", sagte Lurz: "Sie hat zu früh innen aufgemacht, kam dann ins Gedränge. Da fehlen Rennen und Härte, da fehlt die Intuition."

Derweil qualifizierte sich Patrick Hausding im Wasserspringen vom Drei-Meter-Brett als Fünfter für das Finale und darf nach Bronze im Synchronspringen vom Turm mit Sascha Klein von einer weiteren Medaille träumen. Stephan Feck schied als 26. schon im Vorkampf aus.

Derweil war Beck zunächst zu frustriert, um etwas zu sagen. Sie rauschte an den Journalisten vorbei, kam dann aber zurück und analysierte mit leiser Stimme. "Ich habe mir nicht vorgestellt, dass es so schnell vorbei sein kann", sagte sie: "Ich habe mich ungeschickt angestellt. An einer Boje habe ich gefühlt tausend Plätze verloren. Und dann hinten im Gedränge, das ist einfach nix."

Auch Wunram ging mit ihrem Abschneiden selbstkritisch um. "Sie ist in Tränen aufgelöst", berichtete Lurz. Kurz zuvor, bei ihrer offiziellen Analyse, hatte die 21-Jährige mit einem Kloß im Hals noch so die Fassung gewahrt. "Frustriert bin ich nicht, enttäuscht schon. Ich habe mir mehr erhofft. Top 10 wäre schön gewesen."

Zum Thema:
Schwimm-Chefbundestrainer Henning Lambertz sieht seine Athleten vier Tage vor den ersten Beckenwettbewerben bei der WM in Budapest in guter Verfassung. "Alle sind gesund, alle fit", sagte er nach dem ersten Training der Schwimmer vor Ort in der Duna Aréna. Lambertz zeigte sich begeistert von den Bedingungen der neuen Arena in Budapest. "Wir finden hier wunderschöne und ganz tolle Sportstätten vor, was uns total freut", sagte er.