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| 02:40 Uhr

Torwart Andreas Wolff zermürbt die Spanier

Andreas Wolff entnervte die Spanier mit seinen Paraden geradezu. Ob vom Siebenmeter-Punkt oder aus dem Spiel heraus – bei Wolff war meist Schluss.
Andreas Wolff entnervte die Spanier mit seinen Paraden geradezu. Ob vom Siebenmeter-Punkt oder aus dem Spiel heraus – bei Wolff war meist Schluss. FOTO: dpa
Krakau. Es ist perfekt: Gold und Olympia-Qualifikation. Deutschlands Handballer sorgen für den größten Erfolg seit 2007. Alle spielen grandios, einer aber überragt sie noch: Torwart Andreas Wolff. Die Party in Berlin kann kommen. Martin Kloth

Sie tanzten vor dem Tor ihres überragenden Schlussmanns und sangen: "Oh, wie ist das schön." Deutschlands Handballer haben ihren sensationellen Auftritt bei der EM mit Gold gekrönt. Dank ihres schier unüberwindbaren Keepers Andreas Wolff und einer grandiosen Teamleistung setzte sich die junge Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson mit 24:17 (10:6) gegen den zweimaligen Weltmeister Spanien durch. "Das war eine unglaubliche Leistung. Diese Mannschaft hat heute Geschichte geschrieben mit ihren jungen Jahren", sagte DHB-Vizepräsident Bon Hanning. "EUROPAMEISTER!! Ihr seid der absolute Wahnsinn! Glückwunsch", twitterte Fußball-Weltmeister Bastian Schweinsteiger.

Weit vor dem Ende hüpften die Spieler an der Seitenlinie, Sigurdsson drückte jeden einzelnen seiner Handball-Helden. Teilweise in Sieger-T-Shirts mit goldener Aufschrift "badboys" kosteten die deutschen Spieler jede Sekunde aus.

Es ist der größte Erfolg für den Deutschen Handball-Bund seit dem WM-Titel 2007. Mit der Goldmedaille um den Hals und dem Direktticket für die Olympischen Spiele in Rio in der Tasche darf sich die DHB-Auswahl am heutigen Montag bei der Party in Berlin feiern lassen.

Heimspiel-Atmosphäre in Krakau

Dabei herrschte in der Tauron-Arena von Krakau schon Heimspiel-Atmosphäre. Als das deutsche Team den ersten Angriffsversuch der Spanier, die im ersten EM-Duell in Polen Deutschland noch 32:29 besiegt hatten, erfolgreich blockte und den Ball eroberte, brandete tosender Applaus unter den 15 000 Zuschauern aus. Erst recht beim 1:0 durch Linksaußen Rune Dahmke. Und in Deutschland drückte selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel die Daumen.

Worauf es ankam, um zum zweiten Mal nach 2004 den EM-Titel nach Deutschland zu holen, war klar. "Wir müssen eine sehr starke Abwehr haben", betonte Sigurdsson unmittelbar vor dem Anpfiff. Und seine Jungs, formiert in einer 6:0-Deckung, setzten das brillant um, erlaubten den Spaniern in den ersten sechs Minuten der Partie nicht mal einen einzigen Treffer. Erst per Siebenmeter überwanden die Iberer erstmals den überragenden Wolff.

Unbeeindruckt setzte die deutsche Mannschaft auch Sigurdssons zweite Forderung um: schnell Umschalten. Die Folge: eine 4:1-Führung in der neunten Minuten nach dem dritten Tor von Joker Kai Häfner. Der Nachrücker hatte schon den entscheidenden Treffer im Halbfinale zum 34:33 nach Verlängerung gegen Norwegen erzielt. Die Treffer zeigten Wirkung bei den Spaniern. Die Blicke wurden schon etwas verzweifelt. Egal, was sie versuchten, letztlich kamen sie entweder am deutschen Abwehrblock oder am grandios aufgelegten Torwart nicht vorbei. Von den Rängen hallten bereits "Andy-Wolff"-Sprechchöre.

Und der 24-jährige Keeper der HSG Wetzlar zeigte weiter, warum er wie Rechtsaußen Tobias Reichmann ins EM-Allstar-Team gewählt wurde. "Andy hält überragend. Wir haben uns sehr gut auf die Spanier eingestellt. Und wenn mal einer durchkommt, hat er ihn", sagte der von Wolff im DHB-Tor verdrängte Carsten Lichtlein. Erst nach elf Minuten gelang den Spaniern das erste Feldtor.

Mickrige sechs Treffer ließen Wolff und seine Vorderleute den Spaniern zu: Das beziehungsweise noch weniger gab es bei allen vorangegangenen 47 EM-Spielen in Polen nur einmal (Frankreich - Weißrussland zur Pause 20:5). In einem EM-Finale gab es das aber noch nie. "Da steht eine deutsche Mauer", meinte Ex-Handballstar und TV-Experte Stefan Kretzschmar.

Paradenbilanz bei 56 Prozent

Und sie bröckelte auch nach der Pause nicht. Wolff, danach zum besten Spieler der Partie gewählt, schraubte seine Paradenbilanz zwischenzeitig auf 56 Prozent hoch. Selbst der zweite verworfene Siebenmeter von Reichmann kurz nach der Pause war zu verschmerzen. Denn auch die Spanier trafen nicht aus sieben Metern, Wolff schien sie regelrecht zermürbt zu haben: 15 Minuten vor Ende der Partie führte Deutschland mit sieben Toren (16:9). Auf den Rängen fieberten auch die verletzten Leistungsträger Steffen Weinhold, Kapitän des Teams, und Christian Dissinger mit.

Doch selbst wenn die Spanier ihrerseits, meist durch Siebenmeter mal trafen. Die von Sigurdsson perfekt eingestellt Deutschen hatten stets die richtig Antwort. So wie Deutschlands erfolgreichster Werfer, Kai Häfner, als er mit seinem siebten Treffer wieder eine Sieben-Tore-Führung herstellte. Auf acht kam er insgesamt. Wie im Rausch setzten sie die Demütigung der hilflosen Spanier fort.