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Torte, Sekt und gute Laune

Als Alexei Procopzov mit dem 1111. Saisontor in der letzten Spielminute den Schlusspunkt unter eine grandiose Serie des LHC Cottbus setzte, da war die Feier in der mit 800 Zuschauern gut besetzten Lausitz-Arena bereits in vollem Gange. Schon vor Spielende knallten auf der LHC-Ersatzbank die Sektkorken, und die Fans hatten sich längst zu stehenden Ovationen von ihren Sitzen erhoben, um den Aufstieg der Lausitzer in die 2. Handball-Bundesliga zu feiern. Von Thomas Juschus UND <br> GEORG ZIELONKOWSKI


 „Am 1. September fängt Handball
in Cottbus
richtig an.“
 LHC-Trainer Dietmar Rösicke


Obwohl die Meisterschaft in der Regionalliga Nordost schon lange vor dem finalen 41:19-Heimsieg gegen die HSG Kropp/Tetenhusen unter Dach und Fach war, schäumte nach der Schlusssirene nicht nur der Sekt über - auch die Emotionen bahnten sich bei den LHC-Spielern ihren Weg: Daniel Grobelny mit T-Shirt „Aufstiegsteam“ deckte seine Mannschaftskollegen mit einer Sektdusche ein. Jörg Reimann und Alexander Knispel bissen in die Meistertorte. Die Tschechen Rudi Varak und Michael Galia zogen genüsslich auf dem pitschnassen Spielfeld an ihren dicken Zigarren und Cheftrainer Dietmar Rösicke bekam zwei Liter-Gläser-Bier über den Kopf geschüttet, während die Mannschaft zusammen mit den Spielerfrauen und Familienmitgliedern - alle im LHC-Trikot - im Kreis tanzte und die Zuschauer „Oh, wie ist das schön“ skandierten. Vom Oberrang fielen bunte Luftballons. Als Thomas Ludewig, Präsidiumsmitglied des Nordostdeutschen Handball-Verbandes (NOHV), Minuten später den Meisterwimpel und die Goldmedaillen überreichte, erreichte die Stimmung erneut fast den Siedepunkt.
„Die Medaille ist super, dafür haben wir das ganze Jahr gearbeitet. Richtig geil“ , jubilierte Junioren- Nationalspieler Toni Podpolinski. „Die Meisterschaft ist schon was besonderes für mich. Das ist nach Dukla Prag erst der zweite Aufstieg für mich in meiner Karriere“ , sagte Torwart Michael Galia und küsste wiederholt seine Medaille. Der 34-Jährige wird den LHC wohl verlassen, hat zwei besser dotierte Angebote aus der 2. Bundesliga Süd und der Regionalliga Süd. „Ein perfekter Abschluss“ , freute sich Kreisläufer Jörg Reimann, der den Verein ebenfalls verlässt, sich aber die feucht-fröhliche Aufstiegsfete im Cottbuser Lok-Schuppen nicht entgehen ließ. Gestern feierte der Aufsteiger dann etwas verkatert bei einer Kahnfahrt in Burg weiter.
Der übermüdete LHC-Cheftrainer Dietmar Rösicke - die im Februar geborene Tochter Amanda raubt ihm im Moment den Schlaf - kostete den Moment ebenfalls aus: „Ich denke vor allem an die Anfänge hier beim LHC zurück. Da habe ich manchmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Deshalb bedeutet dieser Aufstieg schon eine Menge“ , sagte Rösicke, und richtete dann den Blick voraus: „Am 1. September fängt Handball in Cottbus richtig an.“
Rund 800 Handball-Fans in der Lausitz-Arena erlebten zuvor ein ausgesprochen einseitiges Spiel, das klar von den Hausherren diktiert wurde. Zwar spielten die Gäste über lange Strecken der Partie flott mit, doch war deren Fehlerquote entschieden zu hoch, um den dominanten Cottbusern beizukommen. Da der LHC zudem eine aggressive Deckung aufbot, kamen die Norddeutschen beizeiten unter die Räder. So wuchs deren Rückstand zwischen der 14. und 19.Minute von einem 6:9 auf ein 6:13 an. Noch schlimmer dann die Serie zu Beginn des zweiten Spielabschnitts, als die HSG kein Bein aufs Parkett bekam. Den 19:10-Pausenstand baute die Rösicke- Truppe im Handumdrehen auf 27:10 aus. Nicht zuletzt, weil Marco Simolka im LHC-Tor einen prächtigen Tag erwischte und ein ums andere Mal großartig parierte.
So blieb für die Zuschauer nur eine Frage offen: Würde der Aufsteiger zum zweiten Mal bei einem Heimspiel in dieser Saison imstande sein, die 40-Tore-Grenze zu knacken? In den Schlussminuten beantwortete eine nun völlig entfesselte Mannschaft diese Frage auf ihre Weise: Erstmals gab es 41 Treffer zu bejubeln.

LHC Cottbus: Galia, Simolka - Reichmann (4 Tore), Möbius (1), Michling, Reimann (8/1), Knispel (3), Podpolinski (5), Procopzov (5),Chukrow (5), Varak (2), Robert, Sillanpää (5), Grobelny (3); Zuschauer: 800; Schiedsrichter: Herfert, Jurisch (Berlin).