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Timo Boll – und was dann?

Timo Boll schied im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Ma Long (China) aus.
Timo Boll schied im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Ma Long (China) aus. FOTO: dpa
Düsseldorf. Die Heim-WM in Düsseldorf war für das deutsche Tischtennis unter dem Strich ein Erfolg. Doch trotz einer ersehnten Medaille wird ein Nachwuchsproblem sichtbar. dpa/jal

Es war so laut wie in einem Fußball-Stadion, als Timo Boll die Düsseldorfer Messehalle verließ. 8000 Zuschauer jubelten dem erfolgreichsten deutschen Tischtennis-Spieler am Sonntag zu, nachdem er dem Weltranglisten-Ersten Ma Long (China) mit 36 Jahren in einem WM-Viertelfinale noch einmal alles abverlangt hatte.

Olympiasieger Ma Long wurde am Montag dann zum zweiten Mal nacheinander Tischtennis-Weltmeister im Herreneinzel. Zum Abschluss der WM in Düsseldorf gewann der 28-Jährige am Montag das hochklassige und dramatische Endspiel gegen seinen acht Jahre jüngeren Landsmann Fan Zhendong vor 8000 Zuschauern mit 7:11, 11:6, 11:3, 11:8, 5:11, 7:11, 12:10.

Die WM in Düsseldorf ist Geschichte, die erst 23 Jahre alte Petrissa Solja gewann im Mixed sogar die ersehnte deutsche Medaille. Und trotzdem wird es Momente wie diesen mit Boll im deutschen Tischtennis in absehbarer Zeit wohl nicht mehr viele geben. "Ein kleines Nachwuchsproblem im deutschen Tischtennis ist da. Denn irgendwann werden wir nach einem Timo Boll oder Dimitrij Ovtcharov eine große Lücke füllen müssen", sagte Sportdirektor Richard Prause ganz offen.

Zu den Erkenntnissen dieser stimmungsvollen Heim-WM gehört eben auch: Am Ende gingen wieder fast alle Titel nach China. Und während in Asien weiter reihenweise Talente wie das erst 13-jährige Wunderkind Tomokazu Harimoto aus Japan heranwachsen, kommt im deutschen Team hinter dem ewigen Boll und dem schon im Achtelfinale gescheiterten Ovtcharov zu wenig nach.

"Ich bin mit mir im Reinen. Ich habe ein sehr gutes Turnier gespielt", sagte Boll selbst dazu. "Aber diese WM hat wieder gezeigt: Unsere Konkurrenz vor allem in Asien ist sehr, sehr stark. Auch wir haben eine gute Basis, aber es kann sich niemand leisten, auf dem Sofa zu liegen. Es hilft nur, weiter hart zu arbeiten." Ganz gleich, aus welcher Perspektive man diese Heim-WM betrachtet, aus der rein sportlichen oder bezogen auf die Frage, welche Wirkung sie auf die Zuschauer oder den Sportnachwuchs erzielt hat: Das Fazit ist immer ein "Ja, aber...". "Für einen großen Boom wird es nicht reichen. Aber wir haben Werbung für unseren Sport gemacht", sagte Boll.