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| 12:34 Uhr

"Tennis und Poker sind sehr ähnlich"

Boris Becker bei der EPT in Berlin.
Boris Becker bei der EPT in Berlin. FOTO: Reiner Jäckle
Boris Becker spielt vom 2. bis 7. März bei der European Poker Tour in Berlin um ein Rekordpreisgeld. PokerStars garantiert für den Sieger eine Million Euro. Vor dem Start redete er im exklusiven Interview über das Spiel, Ähnlichkeiten zum Tennis und Frauen am Tisch. Südkurier

Herr Becker, Sie sitzen in letzter Zeit immer öfter am Pokertisch. Was bedeutet das Kartenspiel für Sie?

Es ist in der Tat seit zwei Jahren so, dass ich auf der Profi-Tour mitspiele. Ich habe vor zwei Jahren im April in Monte Carlo mein erstes Profi-Turnier gespielt und kam da zur Überraschung aller gleich ins Geld. Und seit dem bin ich leidenschaftlicher Pokerspieler und bei PokerStars in der Mannschaft.

Sie starten zum ersten Mal bei der EPT in Deutschland. Wie fühlen Sie sich vor dem Turnier?

Es ist ein bisschen hektisch. Man will ja schon hier auf heimischen Boden vernünftig spielen und nicht gleich in der ersten oder zweiten Runde rausfliegen. Aber das kann eben durchaus sein bei diesem Spiel. Ich freue mich, ich bin gespannt und ich bin gut vorbereitet und hoffe, dass ich so lange wie möglich im Turnier bleiben werde.

Wie kommt es, dass eine Tennis-Legende den Sprung zum erfolgreichen Pokerspieler schafft?

Ich habe zehn Jahre lang nicht nur Tennis gespielt. Ich habe meinen Weg in andere Berufungen gemacht, mich da etabliert und fühle mich da auch wohl, aber in meinem Kern ist eben nach wie vor der Spieler Becker. Durch das Pokerspiel habe ich ihn wieder entdeckt und kann ihn ausleben. Und das gefällt mir gut und macht mir großen Spaß.

Gibt es bei Poker Parallelen zum Tennis?

Vieles ist ähnlich. Tennis ist sicherlich körperlicher, aber von der Einstellung her, von der Psyche, von der Disziplin und vom Spielverhalten kann man Poker und Tennis durchaus vergleichen.

Was heißt das ganz konkret?

Dass man in den schwierigen Phasen cool bleibt und nicht zu emotional wird. Beim Poker setzt man dann falsch, zuviel oder zu wenig. Außerdem muss man realisieren, dass eine Hand das Turnier nicht entscheidet, gerade nicht in den ersten Tagen. Trotzdem gibt es Situation, in der man All In gehen muss. Das Geheimnis ist die Balance eben genügend zu riskieren, aber trotzdem überlegt zu riskieren. Es geht auch nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung, man muss ein bisschen Kopfrechnen, dann kann man richtig einsetzen. Das heißt aber immer noch nicht, dass man garantiert gewinnt.

Ist das nicht eine große Umstellung für einen Tennisspieler, der auf dem Platz viel automatisiert und nicht so viel rechnet?

Das ist falsch. Ich komme aus der Branche und kenne meine Kollegen wie Roger Federer. Tennis ist sehr wohl auch ein Wahrscheinlichkeitsspiel. Man rechnet die Prozente aus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich den Ball gewinne, wenn ich ihn da hin spiele. Das heißt aber nicht, dass ich den Punkt garantiert gewinne. Das ist permanent der Fall. Die Top-Tennisspieler denken und rechnen so. Also ist Poker dem Tennis viel ähnlicher als man offensichtlich denkt?

Richtig. Roger Federer ist ein überaus intelligenter junger Mann. Er wäre garantiert auch ein guter Stratege im Pokerspiel.

Viele Pokerstars sind durch das Spiel berühmt und vor allem reich geworden. Sie waren bevor Sie begonnen haben Poker zu spielen reich. Hat das einen Einfluss auf Ihr Spiel?

Ich verdiene nicht meinen Lebensunterhalt mit Poker. Trotzdem weiß ich, dass es um sehr viel Geld geht und ich habe natürlich lieber mehr Geld in der Tasche als weniger. Mir macht das Spiel vor allem großen Spaß, es ist eine Herausforderung und es gibt mir das Gefühl, als wäre ich noch 25, weil ich ja oft mit vielen jungen spiele. Poker ist eben ein altersloses Spiel.

Sie haben mal gesagt, dass sie prinzipiell sehr ungern gegen Frauen spielen. Ist das immer noch so?

Das ist so, weil ich sie nicht so gut einschätzen und lesen kann. Ich tu mich da bei Männern wesentlich leichter.

War das erste Spiel gegen Ihre Ehefrau Lilly bei Stefan Raab ein Paradebeispiel?

Sicherlich. In Berlin gibt es da zum Beispiel Sandra Naujoks. Sie hat schon einen ganz speziellen Status in einer Männerwelt.

Was macht Sie so besonders?

Sie kann ihre Strategie oft wechseln. Die kann man sehr schwierig lesen. Sie spielt da mal eine Stunde tight und defensiv und dann wieder offensiv. Sie wechselt oft ihren Spielrhythmus, das macht sie auch so gut.

Im Tennis sind Sie für viele ein Idol. Haben Sie Idole im Poker?

Ja, die Weltelite. Ob das ein Daniel Negreanu ist oder Phil Ivey und wie sie alle heißen. Das sind Spieler gegen die ich schon gespielt habe und die das Spiel unheimlich gut können. Das ist schon eine andere Liga, in der ich vielleicht irgendwann einmal auch dazu gehöre, aber das ist noch ein langer Weg.

Sie haben in Las Vegas Ihren bislang größten Erfolg gefeiert, als Sie ein Preisgeld von 40.000 Euro gewannen. Steigt da das Adrenalin, wenn man so weit kommt?

Es steigt, wenn man in den so genannten Bubble kommt, wenn man kurz vor dem Preisgeld ist. Das ist eine merkwürdige Szene. Da steht dann jeder auf, klatscht einen ab und schaut, was die anderen machen.

Gibt es spezielle Hände, von denen Sie nachts schon geträumt haben?

Ich habe schlechte Erfahrungen mit Doppel-Ass gemacht. Das ist eine Hand, mit der ich schon sehr viel Chips und Geld verloren habe.

Wie werden Sie in Berlin bei der European Poker Tour spielen?

Man kann sich die schönste Strategie zurecht legen. Das ist abhängig von Karten, Position, vom Tisch, einfach von sehr vielen Faktoren. Aber grundsätzlich versuche ich langsam zu spielen und nicht all zu viel am Anfang, denn es ist ein langer Ritt bis zum Wochenende. Da muss man erst mal das Etappenziel erster Tag schaffen. Es kann alles in einer halben Stunde vorbei sein, ohne schlecht gespielt zu haben. Man muss sich eben disziplinieren.

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