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Talenteschuppen Leipzig: Jung und lernwillig

Ein Kandidat für die erste Elf: Konrad Laimer wurde Meister mit Salzburg und zum besten Spieler der österreichischen Liga gewählt.
Ein Kandidat für die erste Elf: Konrad Laimer wurde Meister mit Salzburg und zum besten Spieler der österreichischen Liga gewählt. FOTO: Imago/img1
Leipzig. RB Leipzig setzt auch im zweiten Bundesliga-Jahr auf die Jugend. Die sechs Neuzugänge haben das Potenzial, Leistungsträger zu werden. Zumindest zwei von ihnen könnten beim Liga-Start schon in der Startelf stehen. Sandra Degenhardt

Die Bewerbungskriterien beim Fußball-Bundesligisten RB Leipzig sind klar definiert. Jung, talentiert, lernwillig - sonst fällt man beim Casting des Champions-League-Starters durch. "Neue Spieler müssen ins System passen, Schnelligkeit in den Beinen und im Kopf haben. Mentalität ist der Schlüssel. Sie müssen sich immer verbessern wollen", sagt Sportdirektor Ralf Rangnick. Geholt wurden für die neue Saison mit der Dreifachbelastung aus Bundesliga, Königsklasse und DFB-Pokal sechs Neue für rund 40 Millionen Euro.

Trainer Ralph Hasenhüttl ist überzeugt, dass das Six-Pack sein Team insgesamt besser macht. "Weil wir in der Breite besser aufgestellt sind, was die Qualität angeht. Ich glaube, dass wir mit jedem noch sehr viel Freude haben werden", sagte der 50-Jährige.

Mit viel Videostudium hat der Österreicher vor allem den Feldspielern Konrad Laimer, Jean-Kevin Augustin, Ibrahima Konaté und Bruma das RB-System des Hochgeschwindigkeits-Fußballs nahe gebracht. Ihnen ihre Stärken aufgezeigt und die Positionen, wo er sie haben will. Ihre Stärken haben alle vier am Ball. Aber Hasenhüttl will eines nicht: Dass Spieler "mit dem Ball irgendwo glänzen wollen, aber gegen den Ball nicht in der Lage sind, unserem Spiel zu helfen".

Defizite gebe es noch beim Positionsspiel und der Arbeit gegen den Ball. "Aber das wäre ja verwunderlich, wenn das schon so funktionieren würde wie bei Spielern, die schon länger hier sind", sagte Hasenhüttl. Für ihn ist wichtig: Bei allen sei die Bereitschaft da, sich in diesem Punkt sehr schnell zu entwickeln und zu lernen. Auch Kapitän Willi Orban plädierte dafür, den Neuen Zeit zu geben. "Das sind gute Jungs. Allerdings werden sie Zeit brauchen, um sich an unsere Art, zu spielen, an unser System zu gewöhnen und die Automatismen zu verinnerlichen. Daher darf man nicht zu hohe Erwartungen an sie haben, muss ihnen Zeit geben", sagte er der "Freien Presse".

Der Leipziger Six-Pack im Kurzporträt und seine Startchancen:

Konrad Laimer: Der erst 20-jährige Österreicher wurde in der vergangenen Saison in Österreich mit Red Bull Salzburg Meister und Pokalsieger - und auch zum besten Spieler der Liga gewählt. Er ist laufstark, schnell im Umschaltspiel und gut in der Balleroberung, ein ähnlicher Abräumer wie Diego Demme und sein Landsmann Stefan Ilsanker. Beim Pokal-Erstrundensieg am Wochenende in Dorfmerkingen wurde er noch vor der Halbzeit rot-gelb-gefährdet ausgewechselt. Da Diego Demme aber noch nicht fit ist, könnte er zum Bundesliga-Start auch gegen Schalke auflaufen.

Jean-Kevin Augustin: Der auch erst 20-jährige Franzose kam für rund 13 Millionen Euro. Er ist schnell, dribbel- und charakterstark - bei Paris St. Germain bekam er nicht genügend Spielzeit. Hasenhüttl traut ihm trotz der großen Konkurrenz im Offensivbereich durch die gesetzten Timo Werner und Yussuf Poulsen alles zu. In der Vorbereitung traf er mehrfach, beim DFB-Pokalsieg fehlte er erkältet. Kein Mann für die Startelf auf Schalke.

Ibrahima Konaté: Erst im Sommer bestand der 18 Jahre alte Innenverteidiger das Abitur, dann die Führerscheinprüfung. Gilt als Rohdiamant. Der ehemalige U17-Nationalspieler Frankreichs wurde von mehreren französischen Erstligisten wie Lyon gejagt. Körperlich robust, verfügt der 1,92 Meter große Konaté laut Sportdirektor Ralf Rangnick über enorme Fähigkeiten. In der Innenverteidigung muss sich Konaté gegen Willi Orban, Marvin Compper und Dayot Upamecano durchsetzen. Einsatzchance beim FC Schalke 04 eher gering.

Bruma: Schnell, technisch stark und ein extremer Zug zum Tor mit der nötigen Torgefahr - das sind die Qualitäten des 22-jährigen Portugiesen. Die Sachsen sollen an Galatasaray Istanbul rund zwölf Millionen Euro für den offensiven Wirbelwind überwiesen haben. Der Offensivspieler erzielte in der Vorsaison elf Tore, bereitete sechs vor. Er spielt am liebsten auf der linken Außenbahn. Dort wird Top-Scorer Emil Forsberg sein Hauptkonkurrent. Da der aber wegen einer Angina noch Antiobiotika einnehmen muss und noch nicht zu 100 Prozent fit ist, könnte Bruma am Samstag gegen Schalke 04 schon in der Leipziger Startelf stehen.

Yvon Mvogo und Philipp Köhn: Die beiden Neuen im Torhüter-Team. Der 23-jährige Mvogo, der auch schwarzer Panther oder schwarze Katze genannt wird, hat im Kampf um die Nummer eins gegen Peter Gulacsi erstmal das Nachsehen. Coach Hasenhüttl legte sich auf den Ungarn als Stammkeeper fest. Und da auch er von Wechseln in den verschiedenen Wettbewerben nichts hält, muss der sprachbegabte Schweizer Mvogo wohl auf eine Verletzung oder schwere Patzer seines Kontrahenten hoffen, um zum Zug zu kommen. Der erst 18-jährige Köhn gilt als Nachwuchstalent. Er kam vom VfB Stuttgart.

Meldet auch Ansprüche an: Der portugiesische Neuzugang Bruma könnte Emil Forsberg beim Auftakt gegen Schalke vertreten.
Meldet auch Ansprüche an: Der portugiesische Neuzugang Bruma könnte Emil Forsberg beim Auftakt gegen Schalke vertreten. FOTO: dpa