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| 13:18 Uhr

Fussball
Ströbitz hat die wackerste Wand der Lausitz

Die Defensive von Wacker Ströbitz ist schwer zu bezwingen.
Die Defensive von Wacker Ströbitz ist schwer zu bezwingen. FOTO: Steffen Beyer
Cottbus. Keine Mannschaft lässt so wenige Gegentore zu wie Wacker Ströbitz. Das hat mit fleißigen Verteidigern zu tun - aber auch mit der Vereins-DNA beim Siebtligisten. Von Steven Wiesner

„Die Mauer muss weg!“, war hierzulande ein berühmter Spruch in der Wendezeit. Und zumindest jene, die Deutschland bis 1989 geteilt hat, steht auch nicht mehr. Im Westen von Cottbus gibt es neuerdings aber wieder eine. Hier haben die Fußballer vom SV Wacker zwar kein Wall aus Stein, Leim und Zement errichtet, aber eines aus taktischer Ordnung und Disziplin. Der Siebtligist nämlich hat in der laufenden Saison so wenige Gegentore zugelassen wie keine andere Mannschaft in der Lausitz. Vier Gegentore nach 16 Punktspielen ergeben einen Schnitt von 0,25 Gegentoren pro Partie und sind sogar sachsen- und brandenburgweit Rekord. Einzig Schwarzheide II hat noch ein Tor weniger kassiert – bis dato aber auch sieben Spiele weniger bestritten, was einen höheren Schnitt zur Folge hat.

„Beachtlich“ nennt Wacker-Trainer Tino Kandlbinder die Serie seiner Elf. Wie beachtlich sie ist, zeigt auch die Tatsache, dass mit BW Vetschau (0:5) und dem VfB Cottbus (0:7) zwei Ligakonkurrenten allein am vergangenen Wochenende öfter nach einem Gegentreffer anstoßen mussten als Wacker in der gesamten bisherigen Saison. „Das hat mit allen zu tun, die auf dem Platz stehen“, sagt Kandlbinder. „Die Jungs verstehen sich fast schon blind auf dem Platz.“ 13 von 16 Spielen beendeten seine Jungs mit diesem blinden Verständnis, großer defensiver Disziplin „und auch etwas Glück“ (Kandlbinder) ohne Gegentor. Das letzte datiert vom 21. Oktober und liegt 761 Minuten zurück. Das sind mehr als zwölfeinhalb Stunden.

Tino Kandlbinder: „Gegen manche von meinen Jungs würde ich nicht spielen wollen.“
Tino Kandlbinder: „Gegen manche von meinen Jungs würde ich nicht spielen wollen.“ FOTO: Tobias Voigt / FuPa Brandenburg

Noch weiter liegt das letzte Gegentor von Torhüter und Kapitän André Thoms zurück. Der 36-jährige Ex-Profi von Energie Cottbus, der beim 1:3 gegen den Karlsruher SC am 3. Oktober 2003 sein einziges Spiel in der 2. Bundesliga bestritten hat, stand am Tag des letzten Ströbitzer Gegentreffers nicht zwischen den Pfosten. Er kassierte im August sein einziges Gegentor. Kurios: Weil beim jüngsten Erfolg gegen Wildau ein Verteidiger über Thoms‘ Abschlag sebelte und Toby Joe Weber danach zum 2:0 traf, hat der Keeper genauso viele Vorlagen wie Gegentore in seiner Statistik stehen.

Thoms will den Ruhm aber nicht für sich alleine: „Meine Vorderleute machen schon viel Drecksarbeit. Am Ende gewinnt nicht die Truppe, die am schönsten spielt, sondern die, die sich am meisten hilft.“ Vor allem Steven Semke, der noch vor ein paar Jahren ein Rotationsspieler in der Offensive war, hat sich zu einer festen Größe in der Innenverteidigung entwickelt. „Der ist schon eine richtige Kante geworden“, staunt auch Coach Kandlbinder und ergänzt: „Gegen manche von meinen Jungs würde ich nicht spielen wollen.“

Andre Thoms: „Meine Vorderleute machen schon viel Drecksarbeit.“
Andre Thoms: „Meine Vorderleute machen schon viel Drecksarbeit.“ FOTO: FuPa Brandenburg

Ein gen Null tendierender Gegentorschnitt hat aber nicht nur mit fleißigen Verteidigern zu tun – sondern auch mit ein bisschen Vereins-DNA. Kein Zufall ist, dass auch die zweite Mannschaft von Wacker in ihrer Liga die beste Abwehr stellt. Ein Phänomen, das es in Brandenburg (GW Ahrensfelde) und Sachsen (Bischofswerdaer FV) noch bei weiteren Vereinen zu bestaunen gibt. „Es kann da schon gewisse Verschmelzungen geben“, bestätigt Kandlbinder. „Es gibt Spieler, die in beiden Mannschaften zum Einsatz kommen und Spielstil und Mentalität hineintragen.“ So hat auch Reserve-Trainer Marko Mrosek vor Jahren noch für die erste Mannschaft gespielt – unter Kandlbinder.

Bereits in den letzten drei Jahren stellte Wacker die sicherste Defensive der Landesliga mit 20, 20 und 22 Gegentoren. 2015 blieb Ströbitz sogar in zwölf aufeinanderfolgenden Spielen und damit mehr als 1000 Minuten ohne Gegentor. Bestmarken, die nochmal unterboten werden könnten. Und dann wollen die Ströbitzer endlich auch die Phrase mit Leben füllen, nach der man Titel mit der Defensive gewinnt. Denn zuletzt landete Ströbitz dreimal auf dem Vizerang. Aber dieser Tabellenplatz muss ja nicht für immer einzementiert werden.

Die wenigsten Gegentore der Lausitz
Die wenigsten Gegentore der Lausitz FOTO: LR