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Stresstest der besonderen Art

Klaas-Jan Huntelaar (r.) und die Schalker wähnen sich im Vorteil und könnten beim BVB erstmals seit Oktober 2012 wieder gewinnen.
Klaas-Jan Huntelaar (r.) und die Schalker wähnen sich im Vorteil und könnten beim BVB erstmals seit Oktober 2012 wieder gewinnen. FOTO: dpa
Dortmund. Für die Fans ist es seit jeher das wichtigste Spiel des Jahres, für die Spieler diesmal ein Stresstest der besonderen Art. Das als "Mutter aller Derbys" bezeichnete Duell zwischen dem BVB und Schalke könnte den weiteren Saisonverlauf stark beeinflussen. Heinz Büse und Ulli Brünger

Der BVB aus dem Tritt, Schalke im Aufwind - das traditionell brisante Revierderby an diesem Samstag (18.30 Uhr) startet unter ungewohnten Vorzeichen. Anders als in vergangenen Jahren gilt die zuletzt wenig überzeugende und von Personalproblemen geplagte Borussia nicht als Favorit. Zwar rangiert sie in der Tabelle noch immer komfortable sieben Punkte vor dem Erzrivalen, sieht aber nach zuletzt drei Bundesliga-Partien ohne Sieg Handlungsbedarf.

"Das Derby kommt zur richtigen Zeit. Wir wollen ein paar Dinge geraderücken", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc dem "Kicker". Ungeachtet dieser kniffligen sportlichen Konstellation verspürt auch Trainer Thomas Tuchel ein besonderes Kribbeln: "Von der Anspannung her fühlt es sich an wie ein Pokal-Finale. Ich glaube, dass es das Derby in Deutschland ist."

Psychologischer Vorteil

Von dem 171. Kräftemessen der Traditionsclubs könnte eine Initialzündung ausgehen. Nach zuletzt sechs Pflichtspielen mit fünf Siegen und einem Remis wähnen sich die "Königsblauen" in einem psychologischen Vorteil. "Wir haben jetzt ein paar Partien hintereinander gewonnen, das ist gut für die Seele", kommentierte Weltmeister Benedikt Höwedes. Das schürt die Hoffnung auf den ersten Sieg beim ungeliebten Nachbarn seit dem 20. Oktober 2012.

Im Wissen um die große Bedeutung der Partie wich Schalke-Coach Markus Weinzierl vor seiner Derby-Premiere von den üblichen Gepflogenheiten ab. Anders als zuletzt fand das Abschlusstraining wieder öffentlich statt. Das soll für einen besonderen Schulterschluss zwischen Team und Fans sorgen. "Alle sollen spüren, wie wichtig das Derby ist", kommentierte Weinzierl seine Maßnahme.

Bei einer ähnlichen Aktion im vorigen November hatten beachtliche 3000 Anhänger die Profis auf das am nächsten Tag anstehende Derby eingestimmt. Der Nutzen dieser Maßnahme hielt sich jedoch in Grenzen: Die Partie ging mit 2:3 verloren.

Von solchen Ideen hält sein Gegenüber Tuchel wenig. Der Dortmunder Coach bereitete sein Team lieber hinter verschlossenen Toren auf die knifflige Aufgabe vor. Zu seiner Erleichterung scheint sich die Personallage zumindest ein wenig zu entspannen. Marc Bartra und Christian Pulisic kehren zurück. Zudem stiegen Raphael Guerreiro und André Schürrle am Donnerstag wieder ins Teamtraining ein. Zumindest Schürrle steht vor einem Comeback: "Bei ihm sieht es aus, als ob die wenigen Trainingseinheiten reichen, um im Kader zu sein", sagte Tuchel.

Fans stacheln BVB-Profis an

Bei allem Druck überwiegt in Dortmund die Vorfreude. "Wenn du den Menschen hier in die Augen schaust, dann spürst du sofort selbst großen Ehrgeiz, das Derby zu gewinnen. Die Fans sprechen dich an und sagen: ,Los, komm! Wir müssen dieses Derby gewinnen. Wir wollen den Derbysieg!'", sagte Torjäger Aubameyang in einem Interview mit "bundesliga.de". Noch muss der Torjäger aber wegen einer Wadenprellung um seinen Einsatz bangen. "Es wird eng", klagte Tuchel.