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Radsport
Schäfer will auch mit weniger Haut den Titel

Stefan Schäfer und sein Schrittmacher Peter Bäuerlein aus Nürnberg sind ein eingespieltes Team.  l
Stefan Schäfer und sein Schrittmacher Peter Bäuerlein aus Nürnberg sind ein eingespieltes Team. l FOTO: Arne Mill / LR
Berlin . Der Cottbuser geht als Favorit in die EM-Qualifikation der Steher am Freitag. Viel wird davon abhängen, wie er seinen Sturz verkraftet. Von Frank Noack

Es wird laut am Freitagabend im Velodrom, wenn die Steher-Fahrer ihre Qualifikationsrennen austragen. Am Samstagabend soll es dann laut und goldig werden, denn das deutsche Team um den Titelverteidiger Stefan Schäfer aus Cottbus hat ein klares Ziel für diese Bahnrad-Europameisterschaft formuliert. „Natürlich, wir wollen den Titel behalten“, sagt Mario Vonhof als Beauftragter für den Stehersport im Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

Dass Vonhof – der früher selbst hinter den röhrenden Stehermotorrädern gefahren ist – auch bei dieser Heim-EM nicht als Bundestrainer, sondern unter dieser etwas sperrigen Amtsbezeichnung firmiert, hängt mit dem bescheidenen Stellenwert dieser Spezialdisziplin des Radsports innerhalb des deutschen Verbandes zusammen. Für Vonhof und sein kleines Team ist es schon ein großer Erfolg, dass die Steher ihr Championat nicht separat, sondern im Rahmen der regulären Europameisterschaft austragen dürfen: „Nachdem der Steher-Sport in den vergangenen Jahren etwas stiefmütterlich behandelt wurde, freuen wir uns natürlich sehr, dass wir nach Paris 2016 in Berlin zum zweiten Mal Teil der großen Europameisterschaft sind.“

Die heimliche Steher-Hauptstadt liegt in der Lausitz, genauer gesagt in Forst. Kein Wunder also, dass mit Titelverteidiger Stefan Schäfer und Franz Schiewer (beide RK Endspurt Cottbus) gleich zwei Fahrer aus dem dreiköpfigen BDR-Team in der Rosenstadt geboren wurden. Vor allem Schäfer hat sich in den vergangenen Jahren zum Dominator der Steher-Szene aufgeschwungen, Schiewer fuhr im vergangenen Jahr bei der EM auf den Silberrang. Die Titelverteidigung ist das große Ziel. Darauf ist die Taktik ausgerichtet. Vonhof vergleicht die Aufgabe mit einem Straßenrennen: „Der Titel zählt! Die anderen beiden Fahrer müssen dafür mitarbeiten. Es gibt einen Kapitän und es gibt Helfer.“

Der Kapitän dürfte erneut Stefan Schäfer heißen, der mit seinem Nürnberger Schrittmacher Peter Bäuerlein ein eingespieltes Gespann bildet. Franz Schiewer fährt hinter Gerd Gessler aus Erfurt. Dazu kommt der erfahrene Thomas Steger mit Thomas Ruder, die als loyale Teamplayer gelten.

Allerdings wurden die taktischen Planspiele im deutschen Team in den vergangenen Tagen auf eine schmerzhafte Probe gestellt. Denn am Donnerstag der vergangenen Woche stürzte ausgerechnet Titelverteidiger Stefan Schäfer beim Training vor einem Rennen in Mailand ziemlich schwer. Er zog sich dabei Hautabschürfungen und Prellung im Gesäßbereich zu. Am Mittwochabend stieg er beim Training im Velodrom erstmals wieder auf ein Steherrad nach dem Sturz: „Ich habe zwar noch ein paar Schmerzen, aber insgesamt läuft es gut.“ Auch Mario Vonhof ist optimistisch. „Alle drei Rennfahrer sind super drauf. Der eine hat zwar etwas Haut weniger, ansonsten sehen sie alle gut aus“, ergänzt er mit Blick auf den lädierten Titelverteidiger.

Frank Schneider, der den Steher-Sport in Forst seit Jahren als Stadionsprecher begleitet, sieht das deutsche Team in der Rolle des Gejagten. „Die Niederländer haben eine sehr starke Mannschaft und mit Reinier Honig einen Kapitän, den ich auf Augenhöhe mit Schäfer sehe. Auch Altmeister Giuseppe Atzeni aus der Schweiz dürfte mit der kleinen Übersetzung auf der Berliner Bahn sehr gut klarkommen“, nennt Schneider seine Favoriten.

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spo Bahn-EM Berlin 4c FOTO: Bahn-EM Berlin / Bahn-EM-Berlin