ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:33 Uhr

Radsport
Sprinter Levy probiert sich als Ausdauerfahrer

Maximilian Levy (vorn) will mit dem LKT-Team zur deutschen Meisterschaft.
Maximilian Levy (vorn) will mit dem LKT-Team zur deutschen Meisterschaft. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Dieses Experiment wird für Diskussionen in der Radsport-Szene sorgen: Sprinter Maximilian Levy probiert sich derzeit als Ausdauerfahrer im Vierer des LKT-Team. Ziel ist die deutsche Meisterschaft. Von Frank Noack

Wo ist eigentlich Maximilian Levy? Der 30-jährige Topsprinter aus Cottbuser hatte sich nach der Bahnrad-Weltmeisterschaft im März in Apeldoorn erst einmal von der Bildfläche verabschiedet, um eine ausgiebige Trainingsphase einzulegen. Jetzt kehrt Levy zurück, aber nicht als Sprinter – sondern als Ausdauerfahrer in der Vierermannschaft des LKT-Team Brandenburg unter der Leitung von Trainer Heiko Salzwedel.

Mit der RUNDSCHAU hat der vierfache Weltmeister im Kurzzeitbereich und  amtierende Keirin-Europameister erstmals über das spannende Experiment 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung gesprochen. „Ja, es stimmt. Ich habe jetzt viele Jahre als Sprinter trainiert und möchte einfach neue Reize setzen. Beim LKT-Team habe ich mit dem Vierer und Heiko Salzwedel als Trainer ideale Bedingungen“, erklärt Levy. Das erste gemeinsame Ziel sind die deutschen Meisterschaften im Juli in Dudenhofen. Dort soll Maximilian Levy den LKT-Vierer als Anfahrer auf Touren bringen und damit den Grundstein für einen Platz auf dem Podium legen.

Beim LKT-Team Brandenburg stieß der Sprinter mit seinem Wunsch nach neuen Trainingsreizen auf offene Ohren. Zumal ihn mit Teammanager Steffen Blochwitz schon seit Jahren ein guter persönlicher Kontakt verbindet. Dass LKT mit dem weltweit erfolgreichen Medaillenschmied Heiko Salzwedel einen Toptrainer in die Lausitz zurückgeholt hat, war eine zusätzliche Motivation für den Sprinter. „2012 nach den Olympischen Spielen gab es schon einmal die Überlegung, in den Ausdauerbereich zu wechseln. Ein Jahr später sind wir dann aber Weltmeister im Teamsprint geworden, sodass ich den Plan wieder verworfen habe“, blickt Levy zurück.

Die ersten Bahn-Tests mit dem Vierer in Frankfurt (Oder) und in Cottbus verliefen vielversprechend. „Wenn so ein erfahrener Radsport-Recke wie Max mit seinem Gefühl für die Bahn und die Geschwindigkeit in unsere Mannschaft kommt, ist das natürlich ein Riesengewinn“, freut sich Teammanager Steffen Blochwitz.

Zumal der LKT-Vierer mit Maximilian Levy als Anfahrer eine ganz andere Taktik verfolgt als sie in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung bislang üblich ist. Denn normalerweise wechseln sich die vier Fahrer in der Führung ab, gehen nach etwa einer Runde wieder in den Windschatten und bestreiten die 4000 Meter so lange wie möglich gemeinsam. Levy dagegen soll als Anfahrer mindestens drei Runden führen und mit seiner Explosivität aus dem Sprintbereich das Team möglichst schnell auf eine hohe Geschwindigkeit bringen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Windschatten geht er nochmal für etwa anderthalb Runden in die Führungsposition. Bei etwa der Hälfte der Vier-Kilometer-Distanz ist sein Job beendet. Das heißt im Klartext: Er verlässt den Vierer. „Bis dahin muss ich alles rausgehauen haben. Ich werde sicher nicht nach vier Kilometern mit den anderen Jungs jubelnd über die Ziellinie fahren können“, fasst Levy seine Aufgabe zusammen.

Maximilian Levy (l.) trainierte in dieser Woche mit LKT in Cottbus.
Maximilian Levy (l.) trainierte in dieser Woche mit LKT in Cottbus. FOTO: Michael Helbig

Ein weiterer Vorteil: Weil der Anfahrer viel länger als üblich in der Führung bleibt, gibt es weniger Wechsel. „Das führt im Idealfall zu einem Zeitgewinn von etwa einer Zehntelsekunde pro eingesparten Wechsel. Außerdem sind Wechsel auch immer eine Fehlerquelle“, analysiert Trainer Heiko Salzwedel.

Maximilian Levy mag sich noch nicht festlegen, ob es für den Sprinter ein dauerhafter Ausflug in den Ausdauerbereich wird. Beim Sprintercup am 23. und 24. Juni sowie beim Großen Preis von Deutschland am 29. und 30. Juni in Cottbus wird er wie gewohnt im Kurzzeitbereich starten. Mit Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel ist zudem vereinbart, dass er im Oktober den Weltcup in Paris fährt.

Levy: „Eigentlich sehe ich mich weiter als Sprinter. Wir ­werden uns nach der deutschen Meisterschaft mit dem LKT-Team zusammensetzen und schauen, ob es für beide Seiten Sinn macht, das Experiment mit mir im Vierer ­weiterzuverfolgen.“