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| 19:24 Uhr

Leichtathletik
Ein Lausitzer „Sport-Workaholic“

Sportveranstaltungen für Groß und Klein organisieren – das ist das Metier von Hans-Joachim Weidner aus Hohenbocka.
Sportveranstaltungen für Groß und Klein organisieren – das ist das Metier von Hans-Joachim Weidner aus Hohenbocka. FOTO: Michael Helbig
Hohenbocka. Hans-Joachim Weidner ist der Vater des Spreewald-Marathons. Am Dienstag wird der einstige Top-Athlet 60 Jahre alt. Von Roland Strahl

Spricht man von großen Sportereignissen in Brandenburg, so fällt unweigerlich der Name Hans-Joachim Weidner. An diesem Dienstag wird der Marketingexperte aus dem Südbrandenburger Örtchen Hohenbocka 60 Jahre alt.

Weidners Paradepferd ist zweifellos Brandenburgs größte Breitensportveranstaltung, der Spreewaldmarathon, der in jedem Jahr neue Teilnahmerrekorde feiert. Bei der 15. Auflage 2017 waren es an den drei Tagen 12 216 Teilnehmer, die auf 33 Strecken im Laufen, Walken, Skaten, Radeln, Wandern und Paddeln an den Start gingen. Zudem zählte das „Lausitzer Seenland 100“, die größte Breitensportveranstaltung im Lausitzer Seenland, im vergangenen Jahr bei ihrer zwölften Austragung mehr als 2400 Sportler.

Das allerdings sind nur zwei von insgesamt sieben großen Sportveranstaltungen, die unter dem Dach der „Lausitzer Sportevents“ von Januar bis August laufen und 2017 mehr als 22 000 Teilnehmer aus 14 Ländern zählten, unter ihnen Weltmeister und Olympiasieger.

 Der Vater dieser Erfolgsgeschichte, der mehrfache Familienvater Hansi Weidner, wie ihn seine Freunde nennen, ist im Sport groß geworden. Mit neun Jahren fuhr er sein erstes Radrennen in Schipkau, zuerst bei der BSG Chemie Annahütte und später beim SC Cottbus in der Sektion Radsport. Dort hat er die Entwicklung der goldenen Ära um Heßlich, Thoms, Drogan, Hartnick, Winkler und Salzwedel miterlebt und gehörte zu den Besten. Die Kaderpolitik – Weidner hatte einen Großvater im Westen – stoppte sein Ziel, Olympiasieger zu werden. So wurde später der Ausdauerlaufsport seine Leidenschaft. Bis zu seinem Achillessehnenriss und einer misslungenen Knieoperation war Hans-Joachim Weidner zwischen 1978 und 1998 in der Lausitz läuferisch kaum zu bezwingen. In seinem stärksten Laufjahr 1987 rangierte Weidner auf Platz 4 der DDR-Rangliste hinter den damaligen Weltklasseathleten Werner Schildhauer, Jörg Kunze (beide Europameister) und dem zweifachen Olympiasieger im Marathonlauf Waldemar Cierpinski. Weidner lief mit 20,34 Kilometern eine wahnsinnige Distanz in einem Stundenlauf und schraubte seine Bestzeit über 15 Kilometer auf 48:05 Minuten.

Einher ging für den Lausitzer auch immer die Organisation des Sports. Die Anerkennung für die geleistete Arbeit war der Motor, wie er selber sagt. Als Organisator des schon zu DDR-Zeiten existierenden „Lausitz Marathon“ in Schipkau schaffte es der Sportenthusiast 1989 sogar, diesen Lauf als DDR-Meisterschaftslauf zu bekommen. Mehr als 1000 Teilnehmer liefen damals die 42,195 Kilometer, die kurz vor dem Start noch von der Stasi gestoppt werden sollte, da Erich Honecker unter der zu laufenden Autobahnbrücke fuhr.

„Die sportliche Vielfalt, gepaart mit Erfolg, wie der Hallenmarathon, der Schneeglöckchen-Lauf, der Lausitz Marathon, der Spreewald Marathon, das Lausitzer Seenland 100 und die Panoramatour in der Sächsischen Schweiz sind kaum zu übertreffen. Nur reine Läufe oder Radrennen organisieren können viele, aber an so etwas traut sich kaum jemand heran. Es ist mit viel Arbeit verbunden“, erzählt der nun 60-jährige „Sport-Workaholic“.

Und er weiß ganz genau, was die große Sportlerfamilie will, vom Anfänger bis hin zum Weltklasseathleten. Immer wieder allerdings ärgert es den Sportfachmann, dass die touristische Fernwirkung von den Orten und Institutionen verkannt werde und dass Anfeindungen gegen Sportveranstaltungen dieser Art, auch durch bürokratische Hürden, zunähmen.

Dabei sieht Achim Weidner den Spreewaldmarathon auch bei 20 000 Sportlern als machbar an. „Dies gelingt aber nur mit der Schaffung von wunderschönen Emotionen – vor, während und nach der Veranstaltung, am Start und am Ziel“, verdeutlicht er. „Um dies umzusetzen, wird Geld benötigt.“ Dass manch‘ „Profiteur“ nicht gewillt sei, sich an den Kosten solcher Events zu beteiligen, ärgert Weidner. 513 Helfer und 29 Sprecher seien im vergangenen Jahr immerhin im Spreewald zugange gewesen. Im Umkreis von 20 Kilometern seien keine Übernachtungen mehr zu bekommen gewesen.

Mittlerweile hat der 60-Jährige 232 Veranstaltungen und Jahresserien als Chef organisiert. 260 000 Sportler waren bei Weidners Veranstaltungen bisher am Start. Nimmt man die verschiedenen Serien hinzu, werden es wohl 400 000 Sportler sein. Und die große Sportlerfamilie ist begeistert. Erst jüngst lobte die mehrffache Olympiasiegerin Claudia Pechstein die Weidner-Events, wo sie sich schon mehrfach die Ausdauerhärte für ihre Erfolge holte.

Nach 40 Jahren Wirken in der Sporteventorganisation ist aber auch für Achim Weidner ein Ende abzusehen. „Es wird höchste Zeit, kürzer zu treten“, konstatiert er selber. Doch die viele Arbeit sei künftig nur durch ein größeres hauptamtliches Team zu leisten, schätzt er ein. Die Planung geht erst einmal bis 2022. Die 16. Auflage des Spreewaldmarathon steigt in diesem Jahr vom 20. bis 22. April.

Zunächst einmal feiert Hans-Joachim Weidner an diesem Dienstag aber seinen 60. Geburtstag. Und dann wird dem Jubilar noch eine große Ehre zuteil. Der Lausitzer ist zum Neujahrsempfang von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeladen.