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| 18:37 Uhr

Para Leichtathletik-EM
Sportlerkarriere dank E-Mail

Mathias Schulze legte am Mittwoch noch eine Trainingseinheit im Cottbuser Leichtathletikstadion ein.
Mathias Schulze legte am Mittwoch noch eine Trainingseinheit im Cottbuser Leichtathletikstadion ein. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus/Berlin. Kugelstoßvizeweltmeister Mathias Schulze tritt bei Para Leichtathletik EM in Berlin an. Von Stephan Meyer

Schon seit Mittwochnachmittag ist Mathias Schulze in Berlin. Der Kugelstoßer nimmt dort an den Para Leichtathletik Europameisterschaften teil, die am Montag beginnen. Für viele Athleten sind die Wettkämpfe im eigenen Land etwas ganz besonderes, so auch für ihn. „Das wird vor 20 Jahren nicht wieder passieren“, sagt der 34-Jährige. Schulze, der mit einer Dysmelie, einer Fehlbildung seiner linken Hand geboren wurde, ist einer von 40 Athleten, der zum Aufgebot von Bundestrainer Willi Gernemann gehört. Seit 1. August ist er Mitglied des Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein (BPRSV) aus Cottbus.

„Die Hitze der letzten Tage hat mir ganz schön zu schaffen gemacht“, erzählt der Athlet. Dennoch fühlt er sich gut vorbereitet. Laut seiner Kraftwerte sei er so stark wie nie. Seine Ambition für die EM ist ganz klar eine Medaille. Doch das Niveau bei den Mitbewerbern sei hoch. „Eigentlich können alle Teilnehmer etwas reißen“, sagt er. Die größten Konkurrenten kämen aus der Ukraine und Litauen. Aber der Kugelstoßer ist zuversichtlich, dass er 14, 15 Meter stoßen wird. Mathias Schulzes bisher größter Erfolg waren die World Para Athletics Championships in London 2017. Mit 15,31 Meter wurde er Vizeweltmeister und bester Europäer in seiner Disziplin.

Im BPRSV ist Schulze ein neues Gesicht. Der gebürtige Magdeburger lebte noch bis vor kurzem in Leipzig und war dort Mitglied des SC DHfK. Der Liebe wegen hat es ihn nach Cottbus gezogen. „Meine Frau ist Wendin und wir wollten einfach näher am Spreewald sein“, so Schulze. Der Umstand, dass Cottbus eines der besten Para Sportzentren hat, spielte ihm in die Karten. „Ich bin hier in Cottbus bestens versorgt, hier ist alles optimal für mich“, so seine Einschätzung. Im Verein ist er nicht einfach nur Mitglied, sondern übernimmt demnächst selbst Verantwortung. Ab 1. September ist er Koordinator für den Bereich Jugendleistungssport. Unter anderem wird er sich der Talentsichtung annehmen, will sich aber auch eigene Projekte suchen. Momentan steht er kurz vor dem Ende seines Bachelor-Studiums der Bildungswissenschaften.

Mit dem Kugelstoßen begann Schulze offiziell 2005, da war er 22. Vorher hatte er sich dem Fußball gewidmet. Aber schon im Schulsport habe er Rekorde mit der Kugel gebrochen. Seine erfolgreiche Sportlerkarriere verdankt er ein bisschen auch dem Internet, gesteht er. „Ich hatte einfach dem früheren Bundestrainer Ralf Otto eine E-Mail geschrieben“, erzählt der Athlet, dessen Ambitionen für Kugel und Diskus am größten waren. Die Mail habe Otto überzeugt, sich das damals junge Talent näher anzuschauen.

Nachdem Schulze bei den Paralympics in London und Rio keine Medaille ergattern konnte, ist sein großes Ziel 2020 mit Edelmetall von den Paralympics in Tokio zurückzukehren. Im Beruflichen möchte er bis dahin seinen Teil dazu beitragen, dass der Behindertensport in Cottbus weiterhin so erfolgreich da steht, wie er es ohnehin schon ist. Privat will er erst einmal in Cottbus und im Spreewald Fuß fassen.

Seit 1. August ist Schulze beim BPRSV.
Seit 1. August ist Schulze beim BPRSV. FOTO: Frank Hammerschmidt