ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

„Sportler des Jahres“ in Baden-Baden
Sport-Deutschland verneigt sich vor Kristina Vogel

 Tränen der Rührung bei der ehemaligen Radsportlerin Kristina Vogel: Die Zweitplatzierte bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres bekam außerdem den „Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport“.
Tränen der Rührung bei der ehemaligen Radsportlerin Kristina Vogel: Die Zweitplatzierte bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres bekam außerdem den „Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport“. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Baden-Baden. Als Zweitplatzierte wird die einstige Ausnahme-Bahnradsportlerin bei der Gala „Sportler des Jahres“ wie eine Siegerin gefeiert. dpa

Gerührt wischte sich Kristina Vogel die Tränen aus den Augen. Dass Wimbledonsiegerin Angelique Kerber und die gesamte deutsche Sportelite ihre Bewunderung darüber ausdrückten, wie bemerkenswert sie mit ihrem Schicksal im Rollstuhl umgeht, hatte die ehemalige Ausnahme-Bahnradsportlerin ergriffen. Auch bei der Gala für die „Sportler des Jahres“ beeindruckte die 28-Jährige mit ihrem Lebensmut und ihrem Optimismus trotz ihres tragischen Unfalls und wurde als Zweitplatzierte wie eine Siegerin gefeiert.

„Ich denke, heute gehört dir die Bühne. Du bist ein Vorbild für so viele Menschen. Ich ziehe wirklich alle meine Hüte, Respekt vor deiner Leistung“, sagte Kerber, die „Sportlerin des Jahres“ 2018, am Sonntagabend in Baden-Baden. Der ehemaligen Weltranglisten-Ersten bedeutete die zweite Auszeichnung mehr als die von 2016, weil sie viele vor ihrem dritten Grand-Slam-Coup schon abgeschrieben hatten.

Ihre Worte an Vogel jedoch kamen von Herzen, das verriet auch ihre emotionale Stimme. Die 30-Jährige lenkte den Fokus von sich selbst und den weiteren Gewinnern – Ironman-Champion Patrick Lange sowie den Olympia-Zweiten als erstem geehrten Eishockey-Team – noch intensiver auf Vogel. „Es geht am Ende des Tages um mehr als um den Erfolg“, sagte Kerber: „Bleib so, wie du bist, bleib genauso positiv.“

 Ringer Frank Stäbler (v.l.), der Nordische Kombinierer Eric Frenzel und Radsportler Maximilian Levy hatten Kristina Vogel auf die Bühne getragen.
Ringer Frank Stäbler (v.l.), der Nordische Kombinierer Eric Frenzel und Radsportler Maximilian Levy hatten Kristina Vogel auf die Bühne getragen. FOTO: dpa / Patrick Seeger

Die elfmalige Weltmeisterin und Doppel-Olympiasiegerin Vogel war eigentlich schon glücklich gewesen, fit genug für den Besuch des Kurhauses und den Gala-Abend zu sein. Nur knapp hinter Kerber schnitt die Erfurterin dann bei der Wahl unter Sportjournalisten als Zweite ab. Zudem wurde sie – wie 2014 auch die Cottbuserin Antje Möldner-Schmidt – mit dem „Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport“ ausgezeichnet. Ringer Frank Stäbler, Kombinierer Eric Frenzel und Radkollege Maximilian Levy aus Cottbus trugen sie auf die Bühne. „Man wird ja nicht so oft auf Händen getragen von Männern“, scherzte Vogel und meinte zum Zuspruch später ernsthaft: „Es ist schön, dass mit mir auch die Sportfamilie ein Stück weit zusammengerückt ist.“

Trotz der enttäuschenden Weltmeisterschaft in Russland war auch Fußball-Bundestrainer Joachim Löw unter den Gästen und berichtete von dem Eindruck, den Vogel während eines Besuchs des Nationalteams im Oktober hinterließ: „Manuel Neuer als Kapitän und auch andere Spieler waren ganz begeistert von den Persönlichkeiten und von dem Input, den sie bekommen haben“.

Vogel verflucht ihr neues Leben als Querschnittsgelähmte nicht, zu dem sie der folgenschwere Zusammenprall auf der Radrennbahn in Cottbus am 26. Juni gezwungen hat. Sie sagt stattdessen Sätze wie: „Ich bin immer noch ich, nur eben anders.“ Sie freut sich über die Aufmerksamkeit und schmiedet neue Pläne. „Es kann gar nicht genug hervorgehoben werden, was Kristina Vogel für den Sport geleistet hat und was für ein unglaubliches Vorbild sie ist“, sagte Triathlet Lange. „Das gehört heute Abend, glaube ich, an erste Stelle.“

Auch der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, zeigte sich beeindruckt: „Es ist unglaublich, mit welcher inneren Stärke sie an die neuen Dinge herangeht. Es ist ein schönes Symbol dafür, wie solche Topsportler lernen, immer wieder aus dem Modus Niederlage relativ schnell umzuschalten.“

Kerber fliegt nun am zweiten Weihnachtstag für die ersten Turniere des Jahres nach Australien und hat sich den French-Open-Titel als ehrgeiziges Ziel gesetzt. Und während Lange dafür trainiert, zum dritten Mal nacheinander auf Hawaii zu triumphieren und die Eishockey-Profis nach Spielen am Sonntag teils am Dienstag schon wieder ran müssen, realisiert Vogel die „Maschinerie“ des Sports. Ihr neues Leben zwingt sie, zunächst langsamer zu machen. Dennoch hat sie sich unter anderem schon einen Tandem-Fallschirmsprung vorgenommen: „Ich war vorher verrückt und bin es jetzt auch“, sagte Vogel und richtete sich an ihre Eltern und an ihren Lebensgefährten: „Also Mama, Papa und Michael – es wird sich nicht viel ändern.“

 Als Sportler des Jahres 2018 wurde Triathlet Patrick Lange geehrt.
Als Sportler des Jahres 2018 wurde Triathlet Patrick Lange geehrt. FOTO: dpa / Patrick Seeger
 Tennisspielerin Angelique Kerber ist die Sportlerin des Jahres.
Tennisspielerin Angelique Kerber ist die Sportlerin des Jahres. FOTO: dpa / Patrick Seeger