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| 18:23 Uhr

Reitsport und Radsport
Spektakuläre Siege beim Forster Sattelfest

FOTO: Frank Hammerschmidt
Forst. Das 11. Forster Sattelfest begeistert die Zuschauer und bietet Spitzensport: André Thieme siegt im Springreiten der Klasse S***. Stefan Schäfer vom RK Endspurt Cottbus gewinnt bei den Steher-Radrennen. Trotzdem pausiert das Sattelfest 2019. Von Andrea Hilscher

Perfektes Wetter für alle Sattelsportler: Sowohl die Steher als auch die Reiter konnten am Wochenende in Forst Höchstleistungen zeigen. Bei Temperaturen um die 23 Grad, leichtem Wind und blauem Himmel gab es für alle Sportler im Stadion perfekte Bedingungen.

Neben rund 90 Reitern und ihren Pferden werden lieferten sich acht Steherfahrer mit ihren Schrittmachern hochkarätige Wettkämpfe. Und nicht nur die Zahl der Nennungen hat sich gegenüber 2015 verdoppelt, auch die Zuschauerzahlen stimmten in diesem Jahr: Allein an den ersten beiden Tagen konnten sich die Veranstalter des PSV über rund eintausend Besucher freuen, am Sonntag war die Hütte dann richtig voll.

Die Besucher bekamen einiges zu sehen. Bei den Stehern waren mit Stefan Schäfer, Franz Schiewer, Marcel Kuban und Martin Gründer diesmal sogar vier Lokalmatadoren im Rund unterwegs. Martin Gründer, der im Juli sein erstes Steherrennen in Forst fuhr, hatte mit René Gierth sogar einen PSV-Schrittmacher. Harte Konkurrenz kam aus den Niederlanden und aus der Tschechischen Republik.

Beim Rundenrekordfahren fieberte das Publikum begeistert mit den Fahren, die mehrfach ihre eigene Bestzeit knacken konnten. Unschlagbar, wie erwartet, der Europameister Franz Schiewer, der den Rundenrekord auf 19,23 Sekunden hochschrauben konnte. Ihm folgte Reinier Honig (19,49 Sekunden) auf Rang zwei.

Die Zwei lieferten sich zu Beginn des Großen Herbstpreises der Steher packende Zweikämpfe, die allerdings Kraft kosteten. Immer wieder fiel Franz Schiewer weit zurück, auch Stefan Schäfer musste sich mehrfach vom achten Platz auf die vorderen Ränge kämpfen. Die beiden Forster wurden nicht nur vom heimischen Publikum angefeuert, auch die Kollegen der beiden Polizisten aus Cottbus fieberten am Rande der Bahn mit.

Der Forster Martin Gründer verlor durch Reifenprobleme schnell jede Chance auf einen Sieg. Reinier Honig und Robert Retschke fuhren taktisch klug, setzten sich immer wieder an die Spitze des Feldes. Vize-Europameister Honig wollte als „fliegender Holländer“ Revanche für Erfurt, zeigte sich in absoluter Bestform. Er hielt sich energisch an der Spitze und hatte so immer genügend Luft zum Fahren. Kurz vor Schluss dann der Schock: Sowohl Schiewer, der sich mühsam auf den zweiten Platz vorgekämpft hatte, als auch Honig verloren beide die Rolle. Auf den allerletzten Metern zogen Stefan Schäfer und André Dippel an den haushohen Favoriten vorbei und holten sich im tobenden Stadion den Überraschungssieg. Franz Schiewer landete auf Rang zwei, Reinier Honig musste sich mit dem dritten Platz zufrieden geben.

Ruth und Werner Lahsen aus Cottbus gehören seit Jahren zu den Stammgästen bei den Forster Steherrennen. „Dieses Jahr war es durch das gute Wetter besonders spannend, die Fahrer konnten wirklich alles geben.“ Julias Werner aus Spremberg hat sich von den deutschen Erfolgen bei der Europameisterschaft nach Forst locken lassen. „Ich hatte das alles im Internet verfolgt, jetzt wollte ich mir das mal live ansehen. Und bin begeistert.“

Ebenso erstklassig war das Starterfeld bei den Reitern. Der dreifache Derbysieger und Nationalkader André Thieme war mit vier Pferden angereist, der mehrfache Landesmeister Berlin-Brandenburgs, Max-Hilmar Borchert, die Top-Reiter Volker Lehrfeld, Robert Bruhns und Michael Kölz zeigten, dass ihre Sportpartner auch zum Ende der grünen Saison noch Spitzenleistungen abrufen können.

André Thieme, erst letzte Woche im Nationenpreis im kanadischen Calgary erfolgreich, zeigte sich Sonntagfrüh ausgesprochen zufrieden: „Die Bedingungen für uns Reiter sind im Parcours und drumherum sehr gut. Der Boden lässt sich in diesem Jahr sehr gut reiten, für mich hat sich der Besuch mit mehreren Platzierungen wirklich gelohnt.“ Zögernd schob der Mecklenburger nach: „Einen Sieg habe ich mir allerdings noch vorgenommen.“

Noch zufriedener war zunächst Max-Hilmar Borchert, der am Freitag und am Samstag in fast allen Springen der Klasse M und S die Nase vorn hatte. Am Sonntag aber holten dann alle Reiter ihre besten Pferde aus dem Stall und schon im Springen der Klasse S** trennte sich die Spreu vom Weizen. Nach einem schwierigen Umlauf kamen letztlich 14 Reiter ins Stechen, für das Parcoursbauer Ralf Stehr sich einen schnellen Kurs ausgedacht hatte.

Zunächst legte die Brandenburgerin Laura Strehmel vor und führte das Feld auf ihrer Stute Levinia an, dann aber legte der Mecklenburger Benjamin Wulschner auf Alfonso eine Runde hin, die stilistisch zu wünschen übrig ließ. Die Zeit von 34,82 Sekunden wurde zwar von Michael Kölz geschlagen, der Sachse aber kam mit vier Fehlerpunkten nach Hause. Wulschner gewann und konnte zuversichtlich in den mit 12.000 Euro dotierten Großen Preis der Sparkasse Spree-Neiße starten.

In dem Springen der Klasse S*** wurden die Karten wieder völlig neu gemischt. Fünf von 23 Reitern schafften es ins Stechen. Laura Strehmel startete hier als erste mit einer schnellen Nullrunde, die zunächst kaum schlagbar schien. André Thieme allerdings machte wahr, was er schon angekündigt hatte: Er wollte den Sieg und er bekam ihn. Der Oldenburger Contadur trug ihn in nur 36.19 Sekunden fehlerfrei ins Ziel und verwies damit Christoph Maack auf Dyleen auf den zweiten Rang. Laura Strehmel freute sich letztlich über den dritten Platz. Sieger der Herzen wurde der fünftplatzierte Danny Schröder: Sein Nachwuchspferd Crawallo BS hatte zum ersten Mal ein Dreisterne-S vor der Brust und bewies im Umlauf wie im Stechen Nervenstärke.

Trotz des erfolgreichen Turnierwochenendes wird es im kommenden Jahr kein Sattelfest geben. Hagen Ridzkowski, Turnierleiter und Vizepräsident des PSV: „Zeitgleich findet in Drebkau die Weltmeisterschaft der Zweispänner statt. Es wäre schade, wenn sich Zuschauer und Sponsoren zwischen den beiden Großveranstaltungen aufsplitten müssten.“

Das Sattelfest wird daher ein Jahr pausieren, für 2020 hofft Ridzkowski darauf, nahtlos an bewährte Traditionen anknüpfen zu können. In der Zwischenzeit soll das Stadion baulich aufgewertet werden, unter anderem der Bahnbelag und die Flutlichtanlage stehen auf der Agenda.