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| 15:44 Uhr

Berlin
Kluge fliegt mit dem Sieg in die Sonne

 Roger Kluge (r.) und Theo Reinhardt haben die Berliner Sixdays gewonnen.
Roger Kluge (r.) und Theo Reinhardt haben die Berliner Sixdays gewonnen. FOTO: Sixdays Berlin / Still Photography
Berlin. Nach dem Erfolg beim Sechstagerennen in Berlin wechselt der Cottbuser Roger Kluge nun wieder auf die Straße. Dabei muss er auch gewaltige Temperatur-Unterschiede bewältigen. Von Frank Noack

In den vergangenen Nächten ist bei Roger Kluge erst mächtig viel Schweiß und am späten Dienstagabend auf dem Siegerpodest dann der Sekt geflossen. Gemeinsam mit seinem Partner Theo Reinhardt holte sich Kluge nach einem furiosen Finale den Sieg beim Berliner Sechstagerennen.

Die aktuellen Weltmeister im Zweiermannschaftsfahren wurden der Favoritenrolle bei ihrem Heimspiel auf dem Velodrom an der Landsberger Allee also gerecht. Sie düpierten die Konkurrenz mit einer furiosen Schlussattacke 13 Runden vor dem Ende und fuhren noch einen Rundengewinn heraus. „Wir haben uns in den Zwischensprints zurückgehalten und alles auf diesen Rundengewinn gesetzt. Diese Taktik ist perfekt aufgegangen“, erklärt Kluge.

Der Erfolg der Lokalmatadore vor den Dänen Marc Hester und Jesper Morkov sowie Andreas Müller und Andreas Graf (Österreich) ist auch ein Sieg für die Lausitz. Mit seiner Familie lebt der in Eisenhüttenstadt geborene Kluge inzwischen zwar in Berlin, ist aber weiterhin Mitglied beim RK Endspurt Cottbus.

Schweißtreibend werden auch die nächsten Wochen für Roger Kluge. Denn er wechselt jetzt wieder von der Bahn auf die Straße und wird demnächst in deutlich wärmeren Gefilden trainieren sowie Rennen für seinen neuen Rennstall Lotto-Soudal fahren. Kluge hat sich an den Wechsel zwischen Bahn und Straße mittlerweile gewöhnt und beschreibt: „Das sind zwei Schubladen. Mal ziehe ich die eine auf, mal die andere.“

Auch mit den gewaltigen Temperatur-Unterschieden kann er sich ganz gut arrangieren. Zum Sechstagerennen in Berlin reiste er direkt aus Australien an, wo drückende Hitze und bis zu 40 Grad herrschten. Nach den Temperaturen rund um den Gefrierpunkt hier in Deutschland geht es für Kluge jetzt wieder zurück in die Sonne. Erst zum Trainingslager auf Mallorca, dann zur Rundfahrt in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei etwa 25 Grad. „Das ist zumindest nicht ganz so heiß wie in Australien“, schmunzelt der Radprofi.

Um solche Temperatur-Unterschiede möglichst gut zu bewältigen, gibt es viele gute Ratschläge in der Radsport-Szene. Zum Beispiel im aufgeheizten Badezimmer trainieren. Oder noch besser – in der Sauna. Um „den Körper so richtig zu stressen“, wie Kluge die Herausforderung für den Organismus nennt. Er selbst kommt ganz ohne diese Simulation der Hitze klar. „Der Kopf spielt eine wichtige Rolle. Ich nehme die Sachen so, wie sie kommen, die Hitze und auch die Kälte.“

Ende Februar steht für Roger Kluge dann bereits der nächste Wetterwechsel an. Direkt nach der Rundfahrt in den Emiraten wollen er und Theo Reinhardt bei der Weltmeisterschaft in Pruszkow (Polen) ihr Regenbogentrikot verteidigen.

Das große Saisonziel auf der Straße ist dann im Juli die Tour de France. Zweimal hat der ehemalige Cottbuser bereits an der Frankreich-Rundfahrt teilgenommen. Nach mehreren Enttäuschungen in den vergangenen Jahren sind seine Chancen auf das begehrte Ticket durch den Wechsel von Mitchelton-Scott zu Lotto-Soudal deutlich gestiegen. Denn sein neuer Arbeitgeber aus Belgien hat neben Kluge auch Caleb Ewan als Teamkapitän von Mitchelton-Scott geholt.

Topsprinter Ewan soll mit Hilfe von Kluge die prestigeträchtigen Etappensiege einfahren. Der Job von Kluge ist es, seinen Kapitän als sogenannter Anfahrer des Sprints auf den letzten Metern in die bestmögliche Position zu bringen. „Ich muss akzeptieren, dass ich nicht schnell genug bin, um selbst die Zielsprints zu fahren. Aber auch als Anfahrer fühle ich mich richtig wohl“, betont Kluge.

Im Frühjahr stehen dann die Klassiker Paris – Nizza und Mailand – San Remo für das schnelle Duo im Rennkalender. Die Tickets für die Tour de France werden dort zwar noch nicht vergeben, aber es ist das erste große Kräftemessen von Ewan und Kluge mit der Konkurrenz.