ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:43 Uhr

Sinnsuche am "Bierkönig"

Nach dem Blitz-Comeback im Januar bei den Sixdays will Maximilian Levy es dieses Mal etwas ruhiger angehen.
Nach dem Blitz-Comeback im Januar bei den Sixdays will Maximilian Levy es dieses Mal etwas ruhiger angehen. FOTO: dpa
Cottbus. "Ich melde mich dann aus dem ,Bierkönig‘." So scherzt der Cottbuser Bahnradsprinter Maximilian Levy vor seinem Abflug nach Mallorca. Jan Lehmann

Doch auch wenn man es dem 29-Jährigen nach den vielen Verletzungssorgen nicht einmal verdenken könnte: Levy wird auf der Ferieninsel natürlich nicht durch die Großraum-Discos ziehen, sondern höchstens mit dem Rennrad an ihnen vorbeifahren.

Der vierfache Weltmeister reist an diesem Dienstag ins spanische Radsportlerparadies, um sechs Wochen nach seiner neuerlichen Schlüsselbein-Operation wieder mit dem Radtraining zu beginnen. Levy ist dabei alleine und ohne konkreten Trainingsplan unterwegs. Er sagt: "Ich muss erst wieder reinkommen, mein Tempo und meinen Rhythmus finden."

Es ist also eine Art Sinnsuche bei "Rund um den Bierkönig". Der 29-Jährige will ausloten, ob sein Körper und auch sein Kopf nach so vielen Rückschlägen überhaupt noch einmal bereit sind, sich in die Mühlen des Hochleistungssports zu begeben. Seit dem fatalen Sturz im Februar 2014 im kolumbianischen Cali, als sich Levy damals zum zweiten Mal das Schlüsselbein brach, ist der Cottbuser quasi ein Dauerpatient. Nach vielen Problemen, einer schweren Entzündung und mehreren Operationen schaffte er es zwar 2016 doch noch zu den Olympischen Spielen. Doch in Rio de Janeiro war ihm anzumerken, dass die Monate zuvor zu viel Kraft gekostet hatten. Aus der erhofften vierten Olympia-Medaille wurde nichts.

Trotzdem wollte Levy nach den Spielen noch einmal durchstarten. Er war sogar bestens in Form - doch dann stürzte er erneut schwer - dieses Mal in Frankfurt (Oder). Der nächste Schlüsselbeinbruch, das nächste Comeback. Dass der 29-Jährige nur zwölf Tage nach der nötigen Operation schon bei den Berliner Sixdays beim Sprinterturnier startete - und dieses sogar gewann, ist eine Geschichte, mit der man am Tresen im "Bierkönig" wohl jede Menge Freibier abräumen könnte.

Doch das bittere Ende kam noch, als Levys Körper die an der Schulter eingesetzte Titanplatte abstieß. Eine allergische Reaktion, die nächste Operation und viel Antibiotika. Eine harte Zeit für Körper und Kopf, obwohl Levy es selbst nicht ausspricht: In diesen Tagen schwebte das Karriereende über dem Cottbuser. "Ich habe aber noch Bock auf Fahrradfahren", sagt Levy aber trotzig vor der Abreise nach Mallorca. Der Fahrer vom RSC Cottbus bereut auch sein Blitz-Comeback bei den Sixdays nicht. Im Gegenteil: "Die allergische Reaktion wäre so oder so gekommen. Da bin ich froh, dass ich wenigstens dieses schöne Erlebnis noch mitgenommen habe."

Wenn es nach Levy geht, soll es nicht sein letzter Jubel im Berliner Velodrom gewesen sein. Dass dort im Oktober die Bahnrad-EM stattfindet - also nur wenige hundert Meter von seinem Geburtsort entfernt - ist für den zweifachen Familienvater eine große Motivation. Und so wird er bei seinen Touren quer über Mallorca vermutlich nicht an das Bier vom Ballermann denken - sondern wohl eher an die mögliche Sektdusche an der Storkower Straße.

Zum Thema:
Die WM Mitte April in Hongkong wäre die zwölfte in Folge für Maximilian Levy gewesen. Doch der Cottbuser verpasst die Titelkämpfe. Mit Emma Hinze, Eric Engler oder Erik Balzer könnten allerdings andere Fahrer vom RSC Cottbus die Lausitzer Farben in Hongkong vertreten.