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Sensationeller Gold-Coup durch Debütantin Wicker

Anja Wicker erlebte am Dienstag in Sotschi "das perfekte Rennen" und holte Biathlon-Gold.
Anja Wicker erlebte am Dienstag in Sotschi "das perfekte Rennen" und holte Biathlon-Gold. FOTO: dpa
Krasnaja Poljana. Anja Wicker hat am vierten Wettkampftag der Paralympics in Sotschi alle überrascht: Die Debütantin gewann Biathlon-Gold. Die Alpin-Wettbewerbe wurden von Nebel und Regen beeinträchtigt. dpa/jam

Anja Wicker war nach ihrem sensationellen Gold-Coup bei den Paralympics in Sotschi vollkommen überwältigt. "Da brauche ich erst die Medaille in der Hand, bevor ich glaube, was los ist", sagte die Stuttgarterin. Am Dienstagabend war es dann so weit: Auf der Medal Plaza von Rosa Chutor bekam sie das Goldstück für ihren Biathlon-Sieg im 10-Kilometer-Rennen mit dem Ski-Schlitten überreicht. "Das ist wirklich eine Sensation. Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet", bekannte die 22 Jahre alte Debütantin, "ich habe nicht einmal eine Medaille erwartet. Und nun ist es Gold. Das war das perfekte Rennen."

Trotz des Waschküchen-Wetters, das bei den Alpinen für einige Absagen geführt hatte, blieb die WM-Zweite erstmals und als Einzige ohne Fehler bei vier Schießeinlagen und fuhr nach 32:54,4 Minuten ins Ziel. Mit ihrem Erfolg bescherte sie der deutschen Mannschaft die vierte Goldmedaille.

Totale Schnulze

Verblüfft war nicht nur die Sportmanagement-Studentin, sondern auch Bundestrainer Ralf Rombach. "Wir sind total überrascht, das ist der Hammer. So ein Drehbuch kann man gar nicht schreiben, das wäre eine totale Schnulze", meinte der Coach.

Die Überraschungssiegerin studiert an der Universität Tübingen. Dabei sind die äußeren Umstände dort für sie ungünstig, denn sie ist von Geburt an durch eine Fehlbildung des unteren Rumpfes und dabei insbesondere der Wirbelsäule behindert. Wegen extrem verkürzter Beine kann sie sich nicht ohne Rollstuhl oder Ski-Schlitten fortbewegen. Doch die Uni ist nicht barrierefrei. "Die Hörsäle sind meist eine Etage höher und es sind keine Aufzüge vorhanden. Man ist auf Mithilfe angewiesen. Aber Sportstudenten sind da meist recht locker", berichtete sie.

Weniger glanzvoll verlief die Rückkehr von Andrea Eskau in die Loipe. Zwei Tage nach ihrem Asthmaanfall hatte die Biathlon-Siegerin im Sprint Probleme mit dem Gewehr und gab nach vier Fehlern beim dritten Schießen auf. "Es macht keinen Sinn mehr", erklärte sie den Ausstieg. Nach insgesamt fünf Schießfehlern sah die 42-jährige querschnittgelähmte Athletin vom USC Magdeburg keine Chance mehr auf eine Medaille.