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Turnier der Meister
Gold für Deutschland - und ein bisschen Gold für Cottbus

Turnier der Meister 2017 - Samstag FOTO: Von Frank Hammerschmidt
Cottbus. Der deutsche Weltcup-Sieg von Elisabeth Seitz aus Heidelberg und der 15. Erfolg von Turn-Legende Oksana Chusovitina haben den ersten Finaltag beim Turnier der Meister in Cottbus gekrönt. Eine Gold-Medaille hatte auch Lausitz-Aroma. Von Jan Lehmann

Elisabeth Seitz strahlte überglücklich. Schon direkt nach der geglückten Landung vom Stufenbarren war der 24-Jährigen wohl klar: Mit dieser Übung würde sie in die Medaillenränge greifen. Am Ende konnte die beste deutsche Mehrkämpferin sogar über Gold in Cottbus jubeln. Ihr zweiter Titel in der Lausitz, nachdem Seitz schon 2012 am Stufenbarren gewonnen hatte.

Ihren sogar schon 15. Titel konnte derweil Turnlegende Oksana Chusovitina feiern. 1550 Zuschauer in der ausverkauften Halle erlebten am Samstag beim Weltcup einen historischen Triumph: Erst zeigte die 42-jährige Usbekin ihre ganze Klasse am Gerät, dann verteilte sie Luftküsse ans begeisterte Publikum. Mit 14.283 Punkten holte sich Chusovitina bei ihrer 18. Teilnahme ihren 15. Sieg beim Traditionsturnier – eine Marke für die Ewigkeit. Die Usbekin verriet gegenüber der RUNDSCHAU ihr jugendliches Geheimnis: „Ich liebe diesen Sport einfach.“

Elisabeteh Seitz
Elisabeteh Seitz FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Nationalmannschaftsturnerin Kim Bui, die in diesem Jahr als Expertin am Hallenmikrofon im Einsatz ist, bekundete: „Das war absolut genial. Toll, dass Oskana das in diesem Alter noch macht. Viele Turnerinnen in der Halle könnten ja ihre Kinder sein.“ Michelle Timm aus Berlin verpasste als Vierte knapp das Podest.

Ebenfalls knapp an den Medaillenrängen turnte auch Marcel Nguyen vorbei. An den Ringen landete er auf Rang fünf. Dort gewann der Ukrainer Igor Radivilov. Diese Goldmedaille hatte als zumindest Lausitz-Aroma, denn der 25-Jährige ist als Gaststarter beim SC Cottbus hier in der Region bestens bekannt.

Igor Radivilov wiederholte an den Ringen seinen Vorjahreserfolg. Der Gaststarter des SC Cottbus bekam viel Beifall in seiner zweiten Heimat.
Igor Radivilov wiederholte an den Ringen seinen Vorjahreserfolg. Der Gaststarter des SC Cottbus bekam viel Beifall in seiner zweiten Heimat. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Das Publikum in der Lausitz-Arena zeigte sich begeistert von teils hochklassigen Übungen. Jeder Platz in der Halle war besetzt, die Organisatoren hatten sogar Stehplatztickets nachgedruckt. Weltklasse-Turnen in Cottbus, das funktioniert. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte als Schirmherr: „Cottbus ist die Turnhauptstadt Deutschlands.“ Und Arved Hartlich, Präsident des austragenden SC Cottbus, betonte: „Diese Kulisse ist Wahnsinn. Ich kann mich nicht erinnern, so eine Stimmung in der Lausitz-Arena schon einmal erlebt zu haben.“

Zu Beginn der Finals hatte der Slowene Rok Klavora am Boden seinen ersten Titel beim Turnier der Meister geholt. Der 29-Jährige war bereits zum zwölften Mal beim Traditionsturnier dabei, Ausdauer zahlt sich halt auch im Turnen aus. Kurios: Bram Verhofstad (Niederlande) und Kirill Pokopev (Russland) hatten wie Klavora im Finale 14.133 Punkte erturnt. Doch Klavora hatte den besten E-Wert, also die am besten benotete Ausführung der drei Athleten. Am Pauschenpferd war der Chinese Junwen Wang mit 15.200 Punkten nicht zu schlagen.

Michelle Timm konnte sich mit Bundestrainerin Ulla Koch über den vierten Rang am Sprung freuen.
Michelle Timm konnte sich mit Bundestrainerin Ulla Koch über den vierten Rang am Sprung freuen. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank

Am Sonntag haben die deutschen Turner sieben weitere Endkampf-Chancen. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer und Reck-Spezialist Andreas Bretschneider. Der könnte das Turnier am Sonntag mit einer weiteren Rekordmarke krönen. Die Veranstalter teilen mit: Es gibt nur noch wenige Restkarten.

Turnier der Meister 2017 - Samstag FOTO: Von Frank Hammerschmidt