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| 01:09 Uhr

Schon drei Haftbefehle im Wettskandal

Berlin/Düsseldorf.. Im Wettskandal um den geständigen Schiedsrichter Robert Hoyzer ist mit Jürgen Jansen ein weiterer Unparteiischer in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses geraten.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat wenige Stunden vor dem Bundesliga-Spiel gestern zwischen Werder Bremen und Hansa Rostock den Essener Schiedsrichter "rein vorsorglich" zurückgezogen und durch Lutz Wagner (Hofheim) ersetzt. Vehement bestritten hat Hertha BSC die angebliche Verstrickung von drei seiner Spieler in die Affäre. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat in der Nacht zum Samstag Haftbefehle gegen drei Beschuldigte erwirkt.
Ausschlaggebend für die Entscheidung von DFB-Schiedsrichterobmann Volker Roth waren "Hinweise, in denen der Name von Jürgen Jansen ohne konkrete Beweise" vorkomme. Einen Tatverdacht gebe es nicht.
Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" sind neben drei Schiedsrichtern acht Spieler aus den Clubs Chemnitzer FC und Dynamo Dresden sowie einem dritten namentlich nicht genannten Verein möglicherweise in den Wettskandal verwickelt. Dynamo Dresden bezeichnete in einer ersten Stellungnahme den Zeitungsbericht als reine Spekulation. Hoyzer hat dem Bericht zu Folge in einer Vernehmung eingeräumt, von Bekannten aus dem Umfeld einer kroatischen Wett-Mafia in Berlin knapp 70 000 Euro erhalten zu haben. Er habe vier Spiele manipuliert und dafür Beträge zwischen 5000 und 15 000 Euro erhalten.

Hertha: Keine Konsequenzen
Dabei soll es sich neben dem DFB-Pokalspiel SC Paderborn - Hamburger SV um die Regionalligaspiele Eintracht Braunschweig - FC St. Pauli (5. Juni 2004), FC St. Pauli - VfL Osnabrück (14. August 2004) und das Zweitligaspiel LR Ahlen - Wacker Burghausen (22. Oktober 2004) handeln. Zudem hat Hoyzer angeblich einem Schiedsrichter-Kollegen im Auftrag der Wett-Mafia ein paar hundert Euro zugesteckt.
Hertha BSC will keine Konsequenzen aus einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" ziehen, nach dem drei Spieler zu den Gästen des Charlottenburger "Café King", das als Zockerlokal gilt, gehört hätten. Wenige Stunden vor gestrigen Partie gegen Bayern München bestätigte Hertha-Sprecher Hans-Georg Felder noch einmal, dass die betreffenden Profis Josip Simunic, Alexander Madlung und Nando Rafael dabei sein werden: "Zwei von ihnen werden spielen, alle drei sind im Aufgebot." Die drei Spieler hatten eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass sie mit dem Wettskandal nichts zu tun hätten.

Beschuldigte schweigen
Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte am Samstagabend Haftbefehle gegen drei Beschuldigte des Wettskandals erwirkt. Ein Bereitschaftsgericht am Amtsgericht Tiergarten ordnete die Untersuchungshaft wegen "gewerbs- und bandenmäßigen Betruges" an.
128 Einsatzkräfte der Berliner Polizei und des Landeskriminalamtes Berlin waren zeitgleich an vier Orten in der Hauptstadt im Einsatz. Die drei Beschuldigten haben sich laut Staatsanwaltschaft zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen bislang nicht geäußert.
Der deutsche Fußball drängt auf eine rasche Aufklärung des Wettskandals und erwartet schnelle Einsicht in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft.
Die Politik will die illegalen Sportwetten in Deutschland stärker bekämpfen. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer haben einen entsprechenden Auftrag an die Innenminister erteilt, bestätigte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". (dpa/vdb)