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| 02:39 Uhr

Schmutzige Scheidung – aber wie?

Hasan Ismaik
Hasan Ismaik FOTO: dpa
München. Wie soll 1860 München mit solch einem Auftrag umgehen? Nach dem deutlichen Mitglieder-Votum gegen Investor Ismaik stehen die Bosse vor schwierigen Tagen. Ismaik bleibt stur und setzt auf das Gericht. Manuel Schwarz / dpa

Viele Fans feiern die Emanzipation ihrer "Löwen" von Hasan Ismaik - den Vereinsbossen beim TSV 1860 München aber schwant Übles. Kurz nach dem sportlich verheißungsvollen Saisonstart in der Fußball-Regionalliga haben sich die Münchner mit einem krachenden Votum gegen Geldgeber Ismaik - mal wieder - in eine prekäre Lage manövriert. Innerhalb eines halben Jahres soll sich der Verein vom jordanischen Geldgeber trennen, so lautete der reißerische Antrag, den die Sechziger bei ihrer Mitgliederversammlung am Sonntag mit großer Mehrheit annahmen. "Wir wissen noch nicht genau, was das für Konsequenzen haben wird", sagte Präsident Robert Reisinger der "TZ".

Formal wurde das Präsidium durch die Mitglieder aufgefordert, nach Zustimmung des Verwaltungsrats den Kooperationsvertrag mit Ismaiks Firma HAM International binnen sechs Monaten zu kündigen. Inwieweit das Votum bindend ist und welche konkreten Folgen daraus entstehen, das werden wohl nun Anwälte und notfalls Gerichte klären müssen.

Davon geht auch Ismaik aus, der von "Münchner Merkur" und "TZ" am Montag mit den Worten zitiert wurde: "Ich besitze 60 Prozent der Anteile, die finale Entscheidung wird ein Gericht treffen." Das Misstrauensvotum scheint ihn nicht zu beeindrucken - er sträubt sich weiter gegen einen Rückzug. "Meine Antwort auf alle Vorgänge auf der Mitgliederversammlung lautet: Der Club steht nicht zum Verkauf."

An der Grünwalder Straße steht also eine schmutzige Scheidung bevor. Der arabische Unternehmer war 2011 bei den "Löwen" eingestiegen, hatte den Traditionsclub mit etlichen Millionen vor der Insolvenz bewahrt und seitdem weiteres Geld zur Verfügung gestellt. Adäquaten Erfolg gab es aber nicht - im Gegenteil: Nach sechs Chaosjahren inklusive vieler Trainer- und Manager-Wechsel endete die Talfahrt im Zweitliga-Abstieg.

Weil Ismaik 1860 dann rund zehn Millionen Euro verwehrte, mussten die "Löwen" gar in die 4. Liga. Dafür - und überhaupt die vergangenen Jahren - soll Ismaik nun büßen, das wurde aus der Rede von Ulla Hoppen klar. Als Vereinsmitglied hatte sie den Antrag gegen Hasan Ismaik eingebracht, welcher ein "Vertragsbrüchiger" sei, darüber hinaus cholerisch und erpresserisch. 331 der nach fast zehn Stunden Versammlung noch anwesenden Mitglieder stimmten für den Antrag. 56 waren dagegen, darunter auch Reisinger. Immerhin wurde der Passus, wonach Ismaik "unverzüglich" gekündigt werden soll, noch gestrichen.

Aber wie kündigt man überhaupt einem Mehrheitseigner wie Ismaik? Wie es nun mit 1860 und dem Geldgeber aus Abu Dhabi weitergeht, scheint offen. "Ich habe Kopfschmerzen dabei", hatte Präsident Reisinger schon vor der Abstimmung gesagt. Die Wogen dieses Sonntagabends waren von München bis nach Singapur geschwappt, wo Uli Hoeneß mal wieder zum kriselnden Stadtrivalen befragt wurde.

"Solange dieses Hickhack um den Herrn Ismaik nicht beendet ist, wird Sechzig nicht weiterkommen", sagte der Präsident des FC Bayern und ließ sich einen kleinen Wink nicht entgehen. Er erinnerte an Berichte, wonach der Münchner Geschäftsmann Gerhard Mey aus der Fahrzeugindustrie an ein Engagement bei 1860 denke. "Als ich vor einigen Wochen gelesen haben, dass der Gesellschafter von Webasto offensichtlich Interesse hat, da einzusteigen, wenn der Ismaik da aufhören würde, da habe ich mir gedacht, hoppla, das wäre mal eine Sache, die man ernst nehmen sollte", sagte Hoeneß.

Über einen Kauf von Ismaiks Anteilen an Mey wird ebenso spekuliert wie über eine Kapitalerhöhung. Den Gesprächen über die Zukunft hat die Mitgliederentscheidung allem Anschein nach nicht geholfen. "Das wird die Verhandlungen nicht leichter machen", klagte Reisinger.

Zum Thema:
1860 München muss wegen der Fan-Randale in der Zweitliga-Relegation eine Heimpartie unter Ausschluss der Öffentlichkeit abhalten. Der DFB verurteilte den Traditionsclub am Montag zu einem "Geisterspiel". Die Begegnung der Regionalliga gegen die Amateure des 1. FC Nürnberg am 1. August wird demnach im Grünwalder Stadion ohne Zuschauer stattfinden. Die Strafe fällt so hart aus, weil es laut DFB auch bei fünf anderen Spielen Fan-Randale gab. (dpa)