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Schäfer will Gold und Paris genießen

Lausitzer Goldjunge:Stefan Schäfer.
Lausitzer Goldjunge:Stefan Schäfer. FOTO: dpa
Saint-Quentin-en-Yvelines. Für den deutschen Steher-Meister Stefan Schäfer ist bei der Bahnrad-EM ein "lang ersehnter Wunsch" in Erfüllung gegangen. "Seit der EM 2014 war der Titel mein Ziel", sagte der glückliche Forster nach seinem Erfolg in Paris. Der 30-Jährige hatte im Velodrom von Saint-Quentin en-Yvelines das erste deutsche Steher-Gold seit 2008 gewonnen. pm/noc

Es war kurz vor Mitternacht im Velodrom von Saint-Quentin en-Yvelines, als Stefan Schäfer aus Forst die rechte Faust gen Hallendach ballte und triumphierend hinter seinem Schrittmacher Peter Bäuerlein über die Ziellinie rollte. Erstmals seit 2008 durch den Leipziger Timo Scholz holte der 30-Jährige wieder den Europameistertitel der Steher nach Deutschland. Im Finale vor den Toren von Paris siegte der drei fache deutsche Meister nach 60 Minuten vor seinem rundengleichen Nationalmannschaftskollegen Franz Schiewer (Forst) mit Schrittmacher Gerhard Gessler. Platz drei und damit die Bronzemedaille ging an den Schweizer Giuseppe Atzeni.

Schäfers Gruß galt vor allem Tochter Awa Sophie, bald zwei Jahre alt, die mit einem Teddy bären im Arm, Nuckel und übergroßen pinken Kopfhörern zusammen mit Mutter Jana und Familie, Freunden sowie Sponsoren aus Forst und Cottbus das Rennen verfolgte. Mehr als ein Dutzend "Fans" hatten sich am Dienstag via Flieger auf den Weg nach Paris gemacht, um Schäfer dort zu unterstützen - und dürften nach der Goldfahrt die lange Anreise nicht bereut haben. Eine große Sause fiel aber aus. "Bis ich hier fertig bin, pennen alle", sagte Schäfer weit nach Mitternacht, der vor der Rückkehr ins Hotel erst noch zur obligatorischen Doping-Probe musste. Immerhin bleibt der Reisetross bis Montag zum Sightseeing an der Seine.

Schäfer, der sich als Vorlauf-Dritter für das Finale qualifiziert hatte, kontrollierte das Finale fast nach Belieben. "Das Rennen war hart, aber wir waren immer Herr der Lage", sagte Schäfer, der sich dabei auf die langjährige Erfahrung von Peter Bäuerlein verlassen konnte. Der stand schon beim letzten deutschen EM-Sieg auf dem Motorrad. "Natürlich ist es eine Teamarbeit, aber Peter muss das Rennen im Blick haben und die Entscheidungen treffen", sagte Schäfer, der sich auch auf die Unterstützung von Schiewer/Gessler und dem dritten deutschen Gespann Thomas Steger (Nürnberg)/Thomas Ruder verlassen konnte. "Wir haben super zusammengearbeitet."

Mit dem Sieg hat sich Schäfer einen sportlichen Traum erfüllt. "Ja, der Titel war ein lang ersehnter Wunsch", gesteht der Polizeikommissar-Anwärter der Landespolizei Brandenburgs. 2013 war der gebürtige Forster nach einer langen Nationalmannschafts-Karriere auf der Bahn in seiner Heimatstadt Forst zu den Stehern gewechselt. 2014 holte er gleich den deutschen Meistertitel und wurde Zweiter bei der Europameisterschaft in Forst. "Seit der EM 2014 war der Titel mein Ziel", so Schäfer. Nachdem 2015 die EM ausfiel, musste das Mitglied von Endspurt 09 Cottbus bis Paris warten, um sich Gold und den wertvollsten Titel seiner Karriere zu sichern. Ist seine Laufbahn damit vollendet? "Ja, schon ein bisschen. Aber nicht beendet." Zunächst will Schäfer erstmal in Paris den Gewinn der Goldmedaille genießen.