| 02:40 Uhr

Schäfer gewinnt Länderkampf in Forst

Stefan Schäfer ließ die Steher-Fans in Forst auch am Sonntagnachmittag wieder jubeln. Der Europameister setzte sich gemeinsam mit Schrittmacher Peter Bäuerlein durch.
Stefan Schäfer ließ die Steher-Fans in Forst auch am Sonntagnachmittag wieder jubeln. Der Europameister setzte sich gemeinsam mit Schrittmacher Peter Bäuerlein durch. FOTO: Hammerschmidt
Forst. Lokalmatador setzt sich nach hartem Kampf bei der Premiere des Europa-Kriteriums der Steher gegen das Team Niederlande durch. Frank Noack

Das war ein hart erkämpfter Heimsieg des amtierenden Europameisters und vierfachen deutschen Meisters Stefan Schäfer! Der Favorit sicherte sich den Erfolg beim erstmals ausgetragenen Europa-Kriterium der Steher in Forst mit einem mächtigen Sprint in der letzten Runde. Erst auf der Zielgeraden flog er doch noch am Niederländer Patrick Kos vorbei. Franz Schiewer belegte Rang drei. "Viel länger hätte dieses Rennen nicht gehen dürfen. Ich musste hier wirklich alles geben", sagt Schäfer als Premieren-Sieger.

"Das Europa-Kriterium ist eine ganz besondere Veranstaltung. Wir hoffen, dass wir damit den Nerv der Zuschauer treffen", hatte Präsident Gerd Suschowk vom gastgebenden PSV Forst vor dem ersten Startschuss am Sonntagnachmittag die Fans im Rad- und Reitstadion begrüßt. Und der besondere Charakter dieses Länderkampfs auf Rädern zeigte sich bereits im ersten von zwei Läufen. Franz Schiewer führte zwar lange das Feld an, dahinter musste Stefan Schäfer aber immer wieder in das Rad-an-Rad-Duell mit den Niederländern Patrick Kos und Frank Jeroen Kaldenbach. Normalerweise fährt bei den Stehern jeder Sportler weitgehend auf eigene Rechnung. Ganz anders ging es diesmal in Forst bei der EM-Generalprobe zu, denn ähnlich wie bei den kontinentalen Titelkämpfen war es vor allem ein Duell der Nationen. In Anlehnung an die Länderkämpfe, die es auf der 400 Meter langen Zementbahn der Rosenstadt Ende der 1990er-Jahre schon gegeben hatte, wollten die Veranstalter des PSV Forst eigentlich insgesamt vier Länderteams präsentieren. Frankreich und die Schweiz mussten jedoch absagen. Für die Eidgenossen war lediglich Peter Jörg am Start, der mit dem Ausgang des Europa-Kriteriums aber nichts zu tun hatte.

Stattdessen lieferten die Niederländer dem deutschen Team einen harten Kampf. Im ersten Lauf über 30 Kilometer setzte sich Patrick Kos knapp vor Schäfer und Schiewer durch. Auch im zweiten Lauf über 40 Kilometer gab es immer wieder die Duelle der Männer in den schwarz-rot-goldenen Trikots gegen Oranje. "Ein Länderkampf ist kein Kindergeburtstag", teilte Stadionsprecher Frank Schneider den begeisterten Fans zur Sicherheit noch einmal mit, bevor Schäfer zum finalen Siegspurt ansetzte.

Mit Spannung wurde auch das sogenannte Sichtungsrennen erwartet, für das Mario Vonhof als Beauftragter für Steher- und Dernysport im Bund Deutscher Radfahrer die Bezeichnung "B-Rennen" ausdrücklich abgelehnt hatte. Immerhin sind für die Europameisterschaft im Herbst in Berlin neben den so gut wie gesetzten Schäfer und Schiewer noch zwei Tickets zu vergeben (siehe "Info"). Im Vorfeld hatte Vonhof von seinen EM-Bewerbern um den Cottbuser Nico Heßlich vor allem Aktivitäten in diesem 40 Kilometer langen Sichtungsrennen gefordert. Dabei fuhr der 24-jährige Leipziger Daniel Harnisch einen Start-Ziel-Sieg heraus. Er unterstrich damit seine glänzende Perspektive im Stehersport und verwies Robert Retschke (Aachen) souverän auf Rang zwei. Nico Heßlich musste sich mit Rang drei begnügen. "Das wird keine einfache Entscheidung. Mit Stefan Schäfer und Franz Schiewer habe ich die beiden besten Fahrer Europas zur Verfügung. Sie fahren derzeit in einer eigenen Liga", betont Vonhof. "Jetzt geht es darum, zwei geeignete Helfer zu finden. Natürlich habe ich Daniel Harnisch auf der Rechnung, aber auch Nico Heßlich und Robert Retschke." Sehr gute Chancen dürfte zudem Thomas Steger haben, der seine mannschaftsdienliche Fahrweise schon oft unter Beweis gestellt hat. Er gilt in der Szene als Edelhelfer.

Das nächste Stelldichein der Steher-Elite gibt es in Cottbus, wenn am 4. und 5. August die International Cyclings Days des RK Endspurt 09 stattfinden. Organisator Eberhard Pöschke gab am Rande des Rennens in Forst bekannt, dass dann natürlich auch Schäfer und Schiewer als Endspurt-Vereinsmitglieder am Start sein werden.

Zum Thema:
Die Steher-Europameisterschaft findet am 20. und 21. Oktober im Berliner Velodrom statt und wird erstmals wieder im Rahmen der Bahnrad-EM ausgetragen.Das deutsche Team hat dabei voraussichtlich vier Startplätze: drei als Mannschaft sowie einen personengebundenen Platz für Stefan Schäfer. Der Titelvertei diger und Franz Schiewer sind Favoriten auf eines der vier Tickets.Mario Vonhof (Foto), Beauftragter für Steher- und Dernysport im Bund Deutscher Radfahrer, will die Sportler in den nächsten zwei Wochen darüber informieren, wen er vorschlägt. Denkbar, so Vonhof, sei aber auch ein weiteres Quali-Rennen auf der Bahn in Berlin.