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Sammer denkt zum 50. an sich – und Dynamo

Matthias Sammer arbeitet als TV-Experte bei Eurosport. Eine Rückkehr als Trainer schließt er aber nicht aus.
Matthias Sammer arbeitet als TV-Experte bei Eurosport. Eine Rückkehr als Trainer schließt er aber nicht aus. FOTO: dpa
München. Als Spieler, Trainer und Sportdirektor feierte er große Erfolge. Nun tritt der Sachse kürzer und wünscht sich Dresden in der 1. Liga. Klaus Bergmann

Das wertvollste Geschenk hat Matthias Sammer schon vor seinem runden Geburtstag erhalten. Er fühlt sich wieder völlig gesund, nachdem im Frühjahr 2016 die Nachricht von einer schweren Erkrankung die Fußball-Öffentlichkeit aufgeschreckt hatte. Der große Einschnitt, den eine "winzige Durchblutungsstörung im Gehirn" darstellte, hat das Leben des aktuellen TV-Experten verändert. "Ich lebe anders", be stätigt Sammer, der an diesem Dienstag 50 Jahre alt wird.

Der Fußball spielt die Hauptrolle im Leben des Dresdners, auch wenn er seinen Fulltime-Job als Sportvorstand des FC Bayern aufgab. "Ich würde es vermissen, wenn der Fußball als Teil meines Lebens nicht mehr stattfinden könnte", gesteht Sammer, dessen "Lieblingsthema" stets Leistung hieß. Der Erfolg trieb ihn rund um die Uhr an.

Sammer war schon als Spieler extrem. Er wurde DDR-Meister mit Dynamo Dresden. Er gewann die Champions League mit Borussia Dortmund. Er war Führungskraft im EM-Team von 1996. Nach der Profi-Laufbahn ging es weiter: Mit 34 Jahren wurde er beim BVB jüngster Meistertrainer der Bundesliga-Geschichte. In seine Zeit als DFB-Sportdirektor fielen Titelgewinne im Nachwuchs. Und in München feierte er im ersten Jahr mit dem FC Bayern 2013 das Triple.

Sammer eckte auch an. Er kann anstrengend sein, sogar nervig. Beim FC Bayern war er der ständige Mahner. In seiner neuen Rolle als TV-Experte beim Bundesligasender Eurosport riet ihm Uli Hoeneß nach den ersten kritischen Anmerkungen "dringend, relativ wenig über Bayern zu reden". Dabei ist genau das Sammers neuer Job.

"Im Moment will ich das sein", sagt er jetzt. Aber mit 50 - körperlich wieder fit und belastbar - hält er sich für die Zukunft alles offen. Nochmal Trainer bei einem Topclub? Oder Sportdirektor? "Ich schließe nichts aus", lautet die Antwort. Konkrete Pläne schmiedet er nicht, eine Lehre aus 2016. Die Erkrankung sei "ein Auslöser" gewesen, die eigene Lebensweise zu hinterfragen. Sie zwang ihn, "schwierige Themen offen anzugehen und nicht im Verdrängungsmodus".

Der Vater von drei Kindern kam vor einem Jahr zum Entschluss, den hohen Rhythmus im Bundesliga-Business nicht mehr weiterführen zu wollen. "Ich habe mir Zeit genommen zu reflektieren." Sammer spricht von einer hochinteressanten Phase seines Lebens. Ein runder Geburtstag führt natürlich auch zum Innenhalten. "Habe ich Angst, mit 50 zu spüren, dass das Leben endlich ist?" Seine einfache Antwort lautet: "50 ist eigentlich nur eine Zahl." Sammer tut viel für seine Gesundheit, auch wenn sein linkes Knie ihn dabei einschränkt. Eine Infektion, die 1997 nach einer Routine-OP auftrat, führte im Alter von 32 zum frühen Karriereende. Radfahren, Walking, Yoga - damit hält er sich körperlich in Form.

Sammer ist in Bayern heimisch geworden, auch wenn Dresden für ihn die Heimat bleiben wird. Dort hat er zu DDR-Zeiten seine Fußball-Karriere als Jugendlicher unter seinem Vater Klaus begonnen. "Dresden waren 22 Jahren meines Lebens. Jeder weiß, die Kindheitsprägungen sind die stärksten. Die lodern in mir."

So oft wie möglich schaut er sich Zweitligaspiele von Dynamo an. Er beobachtet erfreut, dass es mit seinem ehemaligen Mitspieler und heutigen Sportdirektor Ralf Minge sowie Trainer Uwe Neuhaus aufwärts geht. Und so äußert Sammer doch noch einen Geburtstags-Wunsch: "Dynamo Dresden in der Bundesliga, das wäre schon noch ein Traum von mir."

Bei Dynamo Dresden war Sammer eines der letzten großen Talente des DDR-Fußballs.
Bei Dynamo Dresden war Sammer eines der letzten großen Talente des DDR-Fußballs. FOTO: dpa
Beim VfB Stuttgart und später in Mailand sowie Dortmund wurde der Stratege zu einem Top-Star.
Beim VfB Stuttgart und später in Mailand sowie Dortmund wurde der Stratege zu einem Top-Star. FOTO: dpa
Der EM-Titel 1996 in England war die Krönung seiner Nationalmannschafts-Karriere.
Der EM-Titel 1996 in England war die Krönung seiner Nationalmannschafts-Karriere. FOTO: dpa