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| 17:45 Uhr

Radsport
Salzwedel: „Das Levy-Experiment ist spannend“

Erfolgstrainer Heiko Salzwedel (M.) steht seit dieser Saison bei LKT unter Vertrag.
Erfolgstrainer Heiko Salzwedel (M.) steht seit dieser Saison bei LKT unter Vertrag. FOTO: Mario Stiehl
Cottbus. Heiko Salzwedel (61) ist eine Trainer-Legende im Bahnradsport. Im RUNDSCHAU-Interview spricht er über das Projekt, Sprinter Maximilian Levy in den Bahnvierer des LKT-Team zu integrieren. Von Frank Noack

Heiko Salzwedel, wie sind Sie als Trainer auf die Idee gekommen, Maximilian Levy in den LKT-Vierer für die 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung einzubauen?

Salzwedel Weil ein Sprinter den Vierer viel schneller auf eine hohe Geschwindigkeit bringen kann als ein Ausdauerfahrer. Im Teamsprint wird die erste Runde mit etwa 17 Sekunden gefahren. In der Mannschaftsverfolgung sind 20 Sekunden üblich. Natürlich müssen die anderen drei Fahrer das hohe Anfangstempo mitgehen können.

Wo liegen die Vorteile des Sprinters?

Salzwedel Er bringt ein höheres Kraftniveau als ein Ausdauerfahrer mit, weil er die Kraft über Jahre aufbaut hat. Das kann man nicht von heute auf morgen trainieren. Außerdem hat Maximilian Levy ein feines Gefühl für die Tempogestaltung.

Der Plan ist, dass Maximilian Levy nicht nur schneller, sondern auch viel länger als üblich anfährt.

Salzwedel Normalerweise ist der Anfahrer eine Runde in der Führung. Max soll mindestens drei, vielleicht sogar dreieinhalb Runden führen, sich kurz ausruhen und dann nochmal anderthalb Runden führen. Dadurch haben wir weniger Wechsel. Das führt im Idealfall zu einem Zeitgewinn von etwa einer Zehntelsekunde pro eingesparten Wechsel. Außerdem sind Wechsel auch immer eine Fehlerquelle.

Das hört sich nach einer Taktik-­Revolution an!

Salzwedel 2015 habe ich damit beim britischen Verband experimentiert. Bei Olympia 2016 war es dafür noch zu früh. In der zurückliegenden Saison hat das britische KGF-Team mit dieser Taktik den Weltcup in Minsk gewonnen. Aber man braucht natürlich den richtigen Anfahrer ­dafür – zum Beispiel Max Levy.

Welche Chancen sehen Sie für das LKT-Team?

Salzwedel Das Experiment ist sehr spannend. Es macht extrem viel Spaß, mit den Jungs zu arbeiten. Aber wir sind derzeit noch in der Phase des Testens. Dadurch, dass Max nach etwa der Hälfte der Distanz ausscheidet, gehen wir natürlich auch ein Risiko ein. Die anderen drei Jungs müssen das Rennen dann allein nach Hause fahren.

Sprinter Maximilian Levy versucht sich derzeit als Ausdauerfahrer.
Sprinter Maximilian Levy versucht sich derzeit als Ausdauerfahrer. FOTO: Michael Helbig