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Rydlewicz wirbt vor Cup-Hit für den BFC

BFC-Trainer Rene Rydlewicz.
BFC-Trainer Rene Rydlewicz. FOTO: dpa
Berlin. Der BFC Dynamo und seine gewaltbereiten Fans – dieses schlechte Image klebt am früheren DDR-Rekordmeister wie ein lästiges Pflaster. Sehr zum Unwillen von Trainer René Rydlewicz: "Beim BFC geht die Schublade auf, doch das entspricht nicht der Realität", sagt der frühere Bundesliga-Profi. Matthias Bossaller

Die bislang letzten Ausschreitungen habe es vor sechs Jahren gegen Kaiserslautern gegeben. "Seitdem haben uns unsere Fans friedlich unterstützt."

Rydlewicz möchte ein anderes Bild des BFC vermitteln. Der Zeitpunkt hierfür ist passend: Am Montag (18.30 Uhr) präsentiert sich der Club im Pokal-Erstrunden-Spiel gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 seit längerer Zeit mal wieder einer breiten Öffentlichkeit. "Wir wollen den Verein so zeigen, wie er wirklich ist", erklärt er.

Ein wichtiger Punkt, der in den Medien kaum Berücksichtigung finde, sei die vorbildliche Jugendarbeit des Clubs. "Wir haben 36 Jugendteams. Bei uns spielen mehr als 750 Kinder Fußball, und wir besitzen einen Migrations-Hintergrund von 60 Prozent", berichtet Rydlewicz. "Der Verein ist sympathisch. Wenn ein sozialer Ehrenpreis vergeben würde, müsste der BFC dabei sein", betont der 44-Jährige, der seit etwas mehr als einem Jahr die Weinroten trainiert.

Das Pokal-Match gegen Schalke kann Rydlewicz kaum erwarten. "Das wird ein Fußball-Fest. Jeder kleine Fußballer wächst für solche Spiele auf", meint der Ex-Profi, der 1993 mit Bayer Leverkusen den nationalen Cup als Spieler gewann.

Der Verein rechnet gegen Schalke mit rund 14 000 Zuschauern. Ein Besucher-Rekord in der Nachwende-Zeit steht schon vor dem Anpfiff im Jahn-Sportpark fest: Mehr als 12 000 Tickets sind verkauft. Die Bestmarke von 10 104 Besuchern stammt aus dem Pokal-Erstrundenspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern aus der Saison 2011/2012.

Auch wenn der gebürtige Lausitzer Rydlewicz sein Team als krassen Außenseiter sieht, rechnet er sich etwas aus: "Für uns spricht gar nichts, doch ich traue meinen Jungs alles zu." BFC-Sportdirektor Angelo Vier hat sogar einen Faktor ausgemacht, der ein Vorteil sein könnte. "Wir haben schon zwei Pflichtspiele absolviert, Schalke noch gar keins. Vielleicht kann das für uns sprechen", meint der zweimalige Torschützen-König der 2. Bundesliga. Freilich müssten die BFC-Spieler "120 Prozent erreichen und Schalke einen Scheißtag".

Wie für jeden unterklassigen Verein stellt auch für den BFC der Pokal eine angenehme Abwechslung dar. Der Fokus liegt freilich auf der Regionalliga. Und dort zählt das mit elf Neuzugängen runderneuerte Team zum Kreis der Aufstiegskandidaten. Der bekannteste Spieler ist der frühere Hertha-Profi Solomon Okoronkwo. "Wir haben eine gute Mannschaft, der wir das zutrauen", sagt Rydlewicz.

Auf seiner ersten Station als Cheftrainer fühlt sich Rydlewicz sehr wohl. Für ihn ist es auch eine Rückkehr zum BFC Dynamo. Beim früheren Lieblings-Club des Stasi-Chefs Erich Mielke avancierte er mit 16 Jahren zum jüngsten Spieler der DDR-Oberliga. "Ich wollte schon als Kind zum BFC, das war der erfolgreichste Verein. Spieler wie Thomas Doll, Frank Rohde oder Rainer Ernst waren meine Kindheitshelden."