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| 02:43 Uhr

Rosberg startet mit Sieg in die Turbo-Ära

Ging ab wie sonst was: Mercedes-Pilot Nico Rosberg (r.) feiert einen souveränen Auftaktsieg im Silberpfeil.
Ging ab wie sonst was: Mercedes-Pilot Nico Rosberg (r.) feiert einen souveränen Auftaktsieg im Silberpfeil. FOTO: dpa
Melbourne. Das erste Formel-1-Saisonrennen endet für Titelverteidiger Vettel viel zu früh. Am späten Abend wird dann auch noch Platz zwei von Kollege Ricciardo aberkannt. Rosberg dagegen steuert seinen Silberpfeil zum Sieg und nährt die Titelhoffnungen bei Mercedes. Jens Marx

Ni co Rosberg und sein Mercedes-Team hatten die ersten Flaschen Sieger-Schampus längst geleert, da besiegelten die Rennrichter von Melbourne um kurz vor Mitternacht den Komplett-Fehlstart von Rivale Red Bull. Titelverteidiger Sebastian Vettel hatte bei Rosbergs souveränem Erfolg zum Saisonauftakt der Formel 1 am Sonntag wegen erneuter Motorenprobleme nur fünf Runden geschafft, fünf Stunden später wurde dann auch noch sein zweitplatzierter Teamkollege Daniel Ricciardo disqualifiziert. Der Grund: eine regelwidrig hohe Benzindurchflussmenge beim Red Bull des Australiers. Das Weltmeister-Team kündigte umgehend Berufung an, der frustrierte Vettel hatte den Albert Park schon längst verlassen.

Rosberg waren solche Sorgen sowieso egal. "Mein Silberpfeil ging ab wie sonst was", schwärmte er nach seinem vierten Karrieresieg. Er wisse jetzt, dass er vorerst in jedem Rennen sehr wahrscheinlich die Möglichkeit habe, um die Pole und den Rennsieg zu fahren, sagte der 28-Jährige. Rosberg wirkte in einer improvisierten Presserunde im Mercedes-Motorhome weiterhin beseelt von seiner eindrucksvollen Fahrt zur ersten WM-Führung seiner Karriere.

Nebenan bei Red Bull herrschte dagegen Katerstimmung. Mit seinem zweiten Platz vor dem sensationell starken dänischen Debütanten Kevin Magnussen und dessen McLaren-Kollege Jenson Button schien Ricciardo die Ehre des Branchenführers in seinem ersten Renneinsatz für Red Bull gerettet zu haben. Doch die Rennkommissare kannten auch für den Lokalmatadoren keine Gnade und nahmen ihn aus der Wertung. Vettel hatte nach nicht mal zehn Minuten seinen Wagen frustriert in der Box abstellen müssen. "Wir haben aus noch unerklärlichen Gründen viel Leistung verloren", erklärte Vettel. Zum ersten Mal kam er seit seinem Aufstieg von Toro Rosso zu Red Bull in einem Auftaktrennen nicht mal ins Ziel.

Zudem musste Vettel seinen Rekord als jüngster Punktesammler in der Formel-1-Geschichte dem russischen Debütanten Daniil Kwjat im Toro Rosso überlassen. "Für mich war es eher ein bescheidenes Wochenende", sagte Vettel, der sich schon mit Startplatz zwölf hatte abfinden müssen. Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko betonte aber: "Wir wissen, was noch im Auto und im Motor steckt."

Zum Auftakt der neuen Turbo-Ära hatten auch andere ihre Probleme. Lewis Hamilton hatte von seiner Pole Position nicht lange etwas. Wegen eines defekten Zylinders am Triebwerk musste er schon am Start Mercedes-Kollege Rosberg und Ricciardo passieren lassen. In der vierten Runde gab der Brite auf. Da machte sich auch bei Rosberg leichte Sorge breit. "Ich habe jede Runde ein bisschen gezittert und reingehört in den Motor", sagte er. Am Ende aber jubelte der 28-Jährige via Boxenfunk: "Unglaublich, was ihr da für ein Auto gebaut habt."

Daimler-Chef Dieter Zetsche widmete den Australien-Erfolg - der 100. eines Mercedes-Motors - umgehend Rekordchampion Michael Schumacher, der nach seinem Ski-Unfall weiter im Koma liegt. "Er ist für immer ein Teil der Mercedes-Familie und unsere Gedanken sind in diesem Moment bei ihm", sagte Zetsche.

In einem turbulenten Rennen rückte Force-India-Rückkehrer Nico Hülkenberg nachträglich noch auf den sechsten Rang vor. Adrian Sutil beendete seinen ersten Grand Prix im Sauber als Elfter - von 14 Autos, die es beim Renneinstand der neuen hoch komplizierten Antriebsstränge mit einem Sechszylinder-Turbomotor und dem Hybridsystem ERS überhaupt bis in Ziel schafften. Selbst nach Ricciardos Ausschluss reichte es für Sutil nicht mal für einen Punkt. Verschont von irgendwelchen Problemen und unbeeindruckt auch von einer Safety-Car-Phase war Rosberg mit fast 25 Sekunden Vorsprung vor Ricciardo über die Ziellinie gerast. "Es ist so cool, jetzt so ein Geschoss unter mir zu haben", sagte er. Mit seiner s ouveränen Fahrt untermauerte er die Favoritenrolle, in die sich die Silberpfeile vor der Saison gefahren hatten.