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| 02:39 Uhr

Robert Harting führt WM-Team an

Der gebürtige Cottbuser Robert Harting holte sich am Wochenende in Erfurt den deutschen Meistertitel.
Der gebürtige Cottbuser Robert Harting holte sich am Wochenende in Erfurt den deutschen Meistertitel. FOTO: dpa
Darmstadt. Die Olympiasieger Robert Harting (Diskus) und Thomas Röhler (Speer) stehen an der Spitze des deutschen Aufgebots für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 4. bis 13. August in London. Andreas Schirmer

Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband bekanntgab, wurden insgesamt 71 Sportler (32 Männer und 39 Frauen) für die WM nominiert. Nicht berücksichtigt wurde Diskus-Olympiasieger Christoph Harting, der die WM-Norm nicht erfüllen konnte. Zu den Medaillenanwärtern gehört auch Johannes Vetter, der am Dienstag in Luzern den deutschen Speerwurf- Rekord auf 94,44 Meter verbesserte.

Bei der WM in Peking 2015 gewannen die DLV-Asse acht Medaillen (2 x Gold/3 x Silber/3 x Bronze) und sorgten mit 113 Nationenpunkten für das beste Ergebnis bei einer WM seit 1999 in Sevilla. Nur drei Medaillen holten die deutschen Leichtathleten bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio durch Röhler, Christoph Harting und Diskuswerfer Daniel Jasinski. Der Olympia-Dritte gehört nicht zum Aufgebot. Aussichten auf einen der drei vorderen Plätze haben auch Dreisprung-Europameister Max Heß oder Kugelstoß-Vizeweltmeister David Storl, der zuletzt mit einer Saisonbestleistung von 21,53 Metern in Biberach ansteigende WM-Form zeigte. Bei den Frauen ruhen die Hoffnungen auf Siebenkämpferin Carolin Schäfer, Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz, Hindernis-Europameisterin Gesa Felicitas Krause sowie auf der deutschen Frauen-Sprintstaffel um Gina Lückenkemper.

Für Gesprächsstoff sorgt derzeit aber vor allem der phänomenale Rekordwurf von Johannes Vetter auf 94,44 Meter. "Die 90,75 und 91,06 Meter sind erklärbar, die 93,06 Meter weniger und zu den 94,44 Meter fallen mir keine Worte ein", sagte der 24 Jahre alte Olympia-Vierte. "So richtig wusste ich nicht, was in mir steckt. Es ist wie mit einer Wundertüte."

Das Feuerwerk seiner 90-Meter-Würfe in den regnerischen Himmel erlebte er wie im Rausch. "Nach dem 90-Meter-Wurf hörte ich eine innere Stimme, die sagte: Mach' weiter", berichtete Vetter. Als sein Speer wenig später jenseits der 93 Meter landete, hatten sein Trainer Boris Obergföll und auch er Tränen in den Augen. "Und im vierten Versuch habe ich dann alles auf eine Karte gesetzt, es steckte so viel Adrenalin in mir", sagte der Athlet der LG Offenburg. Mit einem fulminanten Hechtsprung kurz vor die Abwurflinie hatte er dem Speer noch einen Extra-Anschub für den Rekordflug mitgegeben.

"Das ist genial für unsere Sportart, was da aktuell passiert", sagte sein Freund und Konkurrent Thomas Röhler aus Jena, der den deutschen Rekord erst am 5. Mai in Doha auf 93,90 Meter verbessert hatte - und schnell wieder los wurde. "Wir schreiben gerade weltweit Geschichte. Das ist eine tolle Sache, wie wir uns hochpushen."

Schon in der Nacht nach seinem großen Wurf hat sich Vetter Gedanken über den Erfolgsdruck gemacht. "Was erwarten nun die Menschen und die Leichtathletik von mir", fragte er sich und weiß: "Das war außergewöhnlich in Luzern. 94 Meter wirft man nicht jeden Tag." Schließlich stand die Bestleistung des gebürtigen Dresdners vor seinem Wechsel zu Bundestrainer Obergföll im Oktober 2014 noch bei 79,75 Metern.