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Arjen Robben tritt zurück
Robben macht das Licht aus

Nach 96 Länderspielen und 37 Toren ist Schluss: Arjen Robben hat seine Nationalmannschaftskarriere für beendet erklärt.
Nach 96 Länderspielen und 37 Toren ist Schluss: Arjen Robben hat seine Nationalmannschaftskarriere für beendet erklärt. FOTO: dpa
Amsterdam. Zwei Tore des Bayern-Stars gegen Schweden sind zu wenig. Nach WM 2002 und EM 2016 verpasst die Niederlande das nächste Turnier. Der Neuanfang muss ohne den Kapitän gelingen. Thomas Wolfer / dpa/swr

Ein letztes Mal warf Arjen Robben den Fans auf seiner Ehrenrunde Handküsse zu, dann verabschiedete er sich aus der niederländischen Nationalmannschaft. "Ich bin jetzt 33 Jahre alt. Ich werde mich jetzt voll auf meinen Verein konzentrieren. Das ist ein guter Moment, um Abschied zu nehmen", sagte der Mittelfeld-Star von Bayern München nach dem 2:0-Sieg im finalen Qualifikationsspiel am Dienstagabend. Die letzten drei Punkte für die Holländer waren letztlich nur Makulatur - für die Teilnahme an den Playoffs hätten sie einen Sieg mit sieben Toren Differenz benötigt.

Nur zu gerne hätte Robben seine Oranje-Laufbahn erst nach der Fußball-WM 2018 beendet, doch die Niederländer scheiterten schon in der Qualifikation kläglich. Bereits vor dem letzten Gruppenspiel war die Chance der Elftal auf das WM-Ticket nur noch theoretisch. Trotzdem gab Robben in Amsterdam noch einmal alles und überragte beim 2:0 (2:0) gegen Schweden nicht nur wegen seiner beiden Tore (16./Handelfmeter/21. Minute). "Einmal mehr war Robben eine Rose in der Wüste. Einer der besten Fußballer, die es jemals in den Niederlanden gab", lobte die Tageszeitung "De Volkskrant". Das "NRC Handelsblad" sagte Oranje ohne den Mittelfeldstrategen, der als Letzter aus der "Goldenen Generation" ging, eine schwere Zukunft voraus: "Wenn Robben das Licht ausmacht, wird es sehr dunkel."

Für die Niederlande um Trainer Dick Advocaat bedeutet das erste WM-Aus seit 2002 einen Neuanfang. Mal wieder. Vor zwei Jahren qualifizierten sich unter anderen Nordirland, Albanien und Ungarn für die EM-Endrunde in Frankreich - nicht aber die Niederlande. In Russland werden nun Ägypten, der Iran und Panama mitspielen dürfen - nicht aber die Mannschaft um den abgetretenen Kapitän Robben, die in einer kaum übermächtigen Gruppe A hinter Schweden und Frankreich nur Dritter wurde.

Unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes kann sich Robben nun mit dem FC Bayern auf die Vereinsziele in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League konzentrieren. "Es war besonders, es war schwierig", meinte Robben nach seiner Abschiedsvorstellung: "Ich habe es genossen." Nach dem Abpfiff holte er seine beiden Söhne auf den Rasen, umarmte anschließend auch jeden seiner Mitspieler und kämpfte zwischenzeitlich mit den Tränen.

2010 wurde Robben in Südafrika mit den Holländern Vize-Weltmeister, 2014 verpasste er nur haarscharf ein weiteres WM-Finale und erzielte in 96 Länderspielen insgesamt 37 Tore. Robbens Entscheidung zum Rücktritt ist nur zu verständlich: Beim nächsten für ihn möglichen großen Turnier, der EM 2020, wäre er bereits 36 Jahre alt.

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Mit Arturo Vidal (Foto: dpa) hat in der Nacht zum Mittwoch noch ein zweiter Bayern-Profi den WM-Zug verpasst. Seine Chilenen unterlagen in Brasilien mit 0:3. In Chile wurde vom Ende der "goldenen Generation" gesprochen, die 2015 und 2016 die Copa América gewonnen und in diesem Jahr das Confedcup-Finale gegen Deutschland erreicht hatte (0:1). Der gelbgesperrte Vidal deutete ebenfalls seinen Rücktritt an: "Vielen Dank für alles", so Vidal. Er habe in jedem Spiel sein Leben gegeben. (dpa/swr)