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Rennstrecken-Guru frisiert den Lausitzring

Die im Jahr 2000 gebaute Rennstrecke galt lange Zeit als Beispiel für Steuergeld-Verschwendung im Land Brandenburg. Gegen diesen Ruf kämpfen die derzeitigen Betreiber seit Jahren an.
Die im Jahr 2000 gebaute Rennstrecke galt lange Zeit als Beispiel für Steuergeld-Verschwendung im Land Brandenburg. Gegen diesen Ruf kämpfen die derzeitigen Betreiber seit Jahren an. FOTO: dpa
Klettwitz. Am Lausitzring wird 2018 gebaut. Mit Hermann Tilke haben die Betreiber dafür einen Rennstrecken-Guru verpflichtet. Der Designer mit internationalem Ruf soll den EuroSpeedway frisch frisieren. Aber die Finanzierung ist noch nicht endgültig geklärt. Jan Lehmann

Austin, Abu Dhabi, Schanghai, Sotschi und jetzt eben Klettwitz in der Lausitz. Die Liste der weltweiten Rennstrecken, die der ehemalige Rennfahrer Hermann Tilke (62) aus Olpe (Nordrhein-Westfalen) entworfen, gebaut oder umgebaut hat, wird immer länger. Der Mann hat Weltruf, die futuristischen Bauten am Rande der neuen Rennstrecken in den Ölstaaten oder asiatischen Finanzmetropolen stammen meist auch aus seiner Hand. Beim Online-Fachmagazin Motorsport-Total.com nennt man ihn deshalb sogar "Rennstrecken-Papst".

Mit Tilkes Hilfe soll 2018 nun auch der Lausitzring in Klettwitz modernisiert werden. Ring-Chef Josef Meier und seine Mitstreiter haben dem Rennstrecken-Guru eine Wunschliste gegeben, anhand derer Tilke nun den EuroSpeedway frisieren soll. Das Gutachten dafür ist in Arbeit. Unter anderem soll das Layout der Rennstrecke so verändert werden, dass mehr Überholmanöver möglich sind und die Rennen somit noch spannender werden. Frank Poensgen, Bereichsleiter Verwaltung am Lausitzring, erklärt: "Es geht darum, die Strecke nach 17 Jahren wieder an die Anforderungen des modernen Rennsports anzupassen. Das ist dringend nötig, um als Rennstrecke überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben."

Allerdings dürfen die Motorsportfans in Klettwitz keine funkelnden Prunkbauten wie in Abu Dhabi oder Sotschi erwarten. Um es in der Autoschrauber-Sprache zu sagen: Das Geld am Ring reicht nicht dafür aus, einen komplett neuen Motorblock einzusetzen.

Stattdessen werden die Zündkerzen ausgetauscht, der Heckspoiler aufgestellt und die Karrosse etwas tiefergelegt. Doch bezogen auf eine Rennstrecke kostet das schon eine Menge Geld - nämlich mehrere Millionen Euro.

Allein die Erneuerung des Asphalts ist kostspielig. Nachdem zuletzt die Beschwerden der Piloten der Superbike-WM an dem Belag immer lauter geworden waren, steht dieses Thema aber ganz oben auf der Liste. Selbst Deutschlands Top-Pilot Stefan Bradl hatte zuletzt gemosert: "Sie sollten sich schleunigst daran machen, den Asphalt zu ändern."

Offen ist noch, wie groß die Umbauarbeiten im kommenden Jahr tatsächlich ausfallen. Die Pläne in den Schubladen der Betreiber sind groß, der Geldbeutel dagegen nicht ganz so. Frank Poensgen sagt offen: "Wir brauchen etwa zehn Millionen Euro, um die Strecke zukunftsfähig zu machen." Josef Meier, geschäftsführender Gesellschaft der EuroSpeedway Verwaltungs GmbH, erklärt: "Als mittelständisches Unternehmen mit etwa vier bis fünf Millionen Euro Umsatz im Jahr können wir das nicht allein stemmen."

In Klettwitz hofft man auf die Unterstützung vom Land Brandenburg und verweist auf eine Studie der BTU Cottbus-Senftenberg. Die besagt, dass 2016 durch Großveranstaltungen wie das Deutsche Tourenwagen Masters oder das Red Bull Air Race in der Region mehr als 30 Millionen Euro Umsatz gemacht worden sind.

Diese Zahlen sind beim brandenburgischen Wirtschaftsministerium in Potsdam bekannt. Und die langjährigen Gespräche zwischen Land und Streckenbetreiber scheinen zu fruchten. Sprecherin Claudia Lippert erklärt: "Es gibt im Ministerium natürlich ein Interesse daran, die Zukunftsfähigkeit der Strecke zu erhalten. Sie ist ein wichtiger Ankerpunkt für den Tourismus in der Region. Daher prüfen wir Möglichkeiten der Unterstützung." Allerdings warte man in Potsdam noch auf das endgültige Zukunftskonzept aus Klettwitz. Erst dann könne es eine Zusage für eine mögliche Beteiligung an den Kosten geben. Heißt also: Jetzt ist der Rennstrecken-Guru Tilke gefragt.

Zum Thema:
Der Eurospeedway Lausitz wurde im Jahr 2000 für 159 Millionen Euro auf einer ehemaligen Tagebaukippe bei Senftenberg gebaut - knapp 123 Millionen Euro waren staatliche Fördergelder. Später gab es weitere Zuschüsse vom Land Brandenburg in Millionenhöhe. Der Lausitzring bietet Grand-Prix-Kurs, Speedway und Teststrecke. Sein Hochgeschwindigkeitsoval ist in Kontinental-Europa einmalig. Allerdings wurde es zuletzt 2006 für ein Rennen genutzt.