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| 02:41 Uhr

Rekordsumme und späte Transfercoups

Düsseldorf. Altintop nach Darmstadt, Leitner zum FC Augsburg – kurz vor Toresschluss herrschte noch einmal hektische Betriebsamkeit. Gleich mehrere Clubs aus der Fußball-Bundesliga nutzten am Dienstag die letzten Stunden vor dem Ende der Winter-Wechselfrist zur Nachbesserung des Kaders. Heinz Büse

Vor allem beim Schlusslicht aus Darmstadt war der Handlungsbedarf groß. Mit der Verpflichtung von Hamit Altintop sorgten die Hessen für den meisten Gesprächsstoff. Darmstadts Trainer Torsten Frings freute sich über den Neuzugang: "Dass so ein Spieler zu Darmstadt 98 kommt, mit solch einer Vita, Erfahrung und Ausstrahlung, ist sicher etwas Besonderes. Wir freuen uns sehr, dass Hamit mit uns das vermeintlich Unmögliche schaffen will."

Nicht nur der 34 Jahre alte ehemalige Bayern- und Real Madrid-Profi kehrt überraschend nach Deutschland zurück. Auch den Augsburgern gelang mit dem einstigen Dortmunder Moritz Leitner (Lazio Rom) ein später Transfercoup. "Wenn wir als FC Augsburg die Chance haben, einen talentierten jungen deutschen Spieler, der bereits über einige Erfahrung verfügt und seine Stärken auch in der Bundesliga schon gezeigt hat, unter Vertrag nehmen zu können, müssen wir zuschlagen", sagte Manager Stefan Reuter.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Brasilianer Walace beim Hamburger SV bereits sein erstes Training absolviert. Der Mittelfeldspieler war am Tag zuvor bei 30 Grad in Porto Alegre aufgebrochen und Stunden später bei Schneetreiben in Hamburg gelandet. "Ich brauche schon ein paar Tage, um mich hier einzugewöhnen", kommentierte er das für ihn ungewohnte Weiß. Viel Zeit, sich an die großen Temperaturunterschiede zu gewöhnen, wird der Mittelfeldspieler jedoch nicht haben. Schließlich wird er beim Kampf seines Teams um den Klassenverbleib dringend gebraucht. In ihrer Not griffen die Hamburger im Winterschlussverkauf tief in die Vereinskasse.

Ähnlich spät verkündete Bayer Leverkusen die Verpflichtung von Leon Bailey. Für den 19 Jahre alten Jamaikaner vom belgischen Europa-League-Teilnehmer KRC Genk zahlte der momentan im Mittelmaß versinkende Werksclub geschätzte zwölf Millionen Euro. "Er ist ein außergewöhnlich schneller, sehr trickreicher Spieler, der unserer Offensive zusätzlichen Schwung verleiht", befand Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. "Die Art, wie hier Fußball gespielt wird, ist attraktiv. Das gefällt mir", sagte Bailey.

Die Transfers von Walace und Bailey passen ins Bild. Wie so oft besserten auch in diesem Winter vor allem jene Clubs nach, bei denen in der Hinrunde viele Wünsche offen blieben. Die jüngste Einkaufstour kostete mehr Geld denn je. Nach einer Erhebung der Deutschen Presse-Agentur investierten die Bundesligisten - ausgenommen der Leihgebühren - mehr als 90 Millionen Euro für neue Profis und übertrafen damit die zwei Jahre alte Bestmarke (65 Millionen Euro) deutlich. Dem standen Transfereinnahmen von rund 91 Millionen Euro gegenüber.

Nicht nur beim Umsatz, bei dem das Premiumprodukt des deutschen Sports in der vorigen Saison die Schallmauer von drei Milliarden Euro durchbrach, stehen die Zeichen auf Wachstum. Zählt man die Einkäufe im vergangenen Sommer hinzu, stieß die Bundesliga mit knapp über 600 Millionen Euro auch bei den Transferausgaben in neue Dimensionen vor. Die künftig höheren Einnahmen aus der TV-Vermarktung dürften dazu beitragen, dass sich der Trend noch verstärkt.