| 16:36 Uhr

Fußball
Wasserwerfer beim Derby in Leipzig

Wegen Pyrotechnik aus beiden Fanlagern stand das Regionalliga-Spiel zwischen Lok und Chemie vorm Abbruch.
Wegen Pyrotechnik aus beiden Fanlagern stand das Regionalliga-Spiel zwischen Lok und Chemie vorm Abbruch. FOTO: opokupix / Imago Sportdienstfoto GmBH
Leipzig. Das Regionalliga-Derby zwischen Lok Leipzig und Chemie Leipzig steht kurz vorm Abbruch. Doch ein Cottbuser Schiedsrichter behält den Überblick. Spielerisch gibt es kaum Höhepunkte. Von Jan Lehmann

Der 1. FC Lok Leipzig und Chemie Leipzig haben sich am Mittwoch in einem vorgezogenen Spiel der Regionalliga Nordost mit einem 0:0-Unentschieden getrennt.

Das prestigeträchtige Duell war vor allem von den Begleitumständen geprägt. Es ging schon kurios los: Weil der Bus der Gäste außerhalb des Stadions in einer Gartenkolonie parken musste, und die Chemie-Mannschaft nur zu Fuß zum Spielort kam, schimpfte Coach Dietmar Demuth schon vorm Anpfiff beim „MDR“: „Die Organisation ist amateurhaft, ein glatte Sechs. Das stört die Vorbereitung, unser Ablauf ist über den Haufen geworfen.“

Während der 90 Minuten boten beide Teams hauptsächlich Kampf und Krampf. Gastgeber Lok, bei dem mit Robert Zickert, Djamal Ziane, Robert Berger, Paul Schinke, Paul Maurer und Nils Gottschick sechs ehemalige Energie-Spieler auf dem Feld standen, wurde seiner Favoritenrolle kaum gerecht. Das Spiel musste in der zweiten Halbzeit zweimal unterbrochen werden, weil beide Fanlager Pyrotechnik aufs Spielfeld geworfen hatten. Die Polizei hatte zwischenzeitlich sogar einen Wasserwerfer an den Spielfeldrand beordert und kündigte an, den notfalls einzusetzen. Laut Stadionsprecher stand die Partie kurz vorm Abbruch. Doch Schiedsrichter Henry Müller aus Cottbus hielt die Emotionen im Zaum und brachte die Partie gut zu Ende.

Schon im Vorfeld des Spiel hatte es viel Theater gegeben. Grund dafür war der ehemalige Energie-Torhüter Julien Latendresse-Levesque, der im Sommer von Lok zu Chemie gewechselt war. Entgegen der Abmachung, dass er in beiden direkten Duellen nicht im Chemie-Tor stehen würde, stellte ihn Trainer Dietmar Demuth trotzdem auf. Er erklärte: „Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen. Mein zweiter Torwart ist die ganze Woche im Süden arbeiten, kann nicht trainieren. Latendresse ist jetzt ein Spieler von Chemie, damit hat es sich. Alles andere ist Kindergarten.“

Lok-Trainer Heiko Scholz erwiderte: „Das ist für mich heute kein Thema mehr. Das müssen die Leute mit sich ausmachen, ob das moralisch in Ordnung ist.“ Latendresse-Levesque vereitelte dann auch noch die größte Chance der Partie, als er den Schuss des Leipzigers Ryan Malone (72.) an das Lattenkreuz lenkte.