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| 02:40 Uhr

"Reden wir lieber über den Domi"

Dominik Stehle holte im zweiten Durchgang 17 Plätze auf.
Dominik Stehle holte im zweiten Durchgang 17 Plätze auf. FOTO: Imago/img1
Schladming. Felix Neureuther rang nach Worten. Hinter ihm lief in ohrenbetäubendem Lärm die Siegerehrung von Schladming, die er nach einem Einfädler verpasst hatte. dpa/noc

Statt endlich wieder für einen Sieg gefeiert zu werden, musste der Ski-Routinier seinen Patzer im Nachtslalom auf der Planai er klären. Neureuther grübelte, sprach von kleinen Fehlern, einem falsch angesetzten Schwung - er wollte sein Rennen schnell abhaken. "Reden wir lieber über den Domi", sagte Neureuther und lächelte.

Der Domi, das ist Dominik Stehle, und der hatte mit einem famosen vierten Platz für die aus deutscher Sicht zweite Geschichte dieses Abends gesorgt - die mit dem Happy End. "Wahnsinn", stammelte Stehle nach dem mit Abstand besten Ergebnis seiner doch schon etwas fortgeschrittenen Weltcup-Karriere. Nur zweimal war der 29-Jährige aus dem Allgäu bislang unter die Top 20 gefahren, ein 14. Rang jüngst in Adelboden war sein stärkstes Resultat. Doch dann kam Schladming. Und Stehle konnte vor mehr als 40 000 ekstatischen Fans gar nicht mehr aufhören mit dem Grinsen. "Es fällt mir einfach ein Stein vom Herzen", sagte Stehle, der im eindrucksvollen Skistadion von Schladming die Aufmerksamkeit genoss - auch im Wissen um die Schattenseiten seines Metiers. 2007 hatte seine Weltcup-Karriere in Kitzbühel begonnen, er schied im ersten Lauf aus. Bis Januar 2015 gelang ihm dann in 36 Rennen noch genau ein Rang in den Punkten - das Kreuzband im linken Knie riss er sich in der Zeit zweimal. "Es war ein langer Weg", sagte Herren-Bundestrainer Mathias Berthold zur DSV-Sensation. Der Stolz auf den Spätstarter war Berthold anzumerken, schließlich war es der Coach, der bei seinem Amtsantritt im deutschen Team 2014 auf den Rennfahrer aus Obermaiselstein gesetzt hatte. "Er hat aus Fehlern gelernt, und das zeichnet ihn aus", fand Berthold. Statt im Finale zu taktieren, sei Stehle auf Angriff gefahren. Der Lohn: Als 21. des ersten Laufes ging es 17 Plätze nach vorn. "Das gibt ihm sicher Selbstvertrauen", sagte Berthold und blickte auf den nächsten Torlauf am 13. Februar in Naeba voraus. "Ich bin schon gespannt auf Japan, da ist es relativ flach", sagte der Trainer. "Könnte sein, dass er für eine Überraschung gut ist."

Von solchen Prognosen konnte Stehle jahrelang nur träumen - wenn er nicht sogar ans Aufhören dachte ob der vielen Rückschläge. "Richtig geil! Das freut mich extrem. Der hat lange gekämpft, hatte Pech mit den zweiten Durchgängen. Heute hat er es super gemacht." Diesen Satz sagte Felix Neureuther, der beim Flutlicht-Spektakel eigentlich zum deutschen Hauptdarsteller auserkoren war.