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RB zwischen Stolz und Ärger

Nationalstürmer Timo Werner (l.) setzt sich in dieser Szene gegen Kamil Glik vom AS Monaco durch.
Nationalstürmer Timo Werner (l.) setzt sich in dieser Szene gegen Kamil Glik vom AS Monaco durch. FOTO: dpa
Leipzig. Die Gefühlswelten bei Timo Werner & Co. waren nach der historischen Champions-League-Nacht komplett durcheinander. Frank Kastner und Sandra Degenhardt

Vom "mulmigen Gefühl" des Kapitäns Willi Orban über die weichen Knie von Werner bis hin zur Einschätzung von Yussuf Poulsen, der von einem Superspiel sprach, war alles dabei. Der Ärger über die verpasste Möglichkeit für RB Leipzig, einen Vorjahres-Halbfinalisten in der Königsklasse zu bezwingen, überwog aber im Team von Trainer Ralph Hasenhüttl nach dem 1:1 (1:1) gegen die AS Monaco. "Ein bisschen enttäuscht sind wir. Es war nicht unser bestes Spiel und Monaco schlagbar", sagte Nationalstürmer Werner.

Diese kleine Portion Frust soll bei allem Stolz über die bestandene Feuertaufe schon am Samstag (18.30 Uhr/Sky) in der Fußball-Bundesliga Borussia Mönchengladbach zu spüren bekommen. Denn die Sachsen wissen nach ihrer würdigen Premiere in der Königsklasse auch: "Wir können mithalten", wie Werner befand. Bei der Hymne seien seine "Knie weich geworden." Seinen Mitspielern merkte man das in der ersten Hälfte an: "Da waren viele wacklige Beine dabei."

Dennoch lief es gut. Die Fakten sprachen für Leipzig: 57 Prozent Ballbesitz, 418 angekommene Pässe (Monaco 225) und 11,22 Kilometer Laufleistung (Monaco 10,57). Lediglich in der Zweikampfquote waren die erfahrenen Gäste, deren Startelf auf 153 CL-Einsätze kam (Leipzig mit sechs von Forsberg), knapp vorne. Nur 3039 Tage nach der Vereinsgründung schoss Emil Forsberg nach 33 Minuten den Premierentreffer. "Das erste Champions-League-Tor für Leipzig zu schießen, ist etwas Besonderes und macht mich sehr stolz. Leider haben wir direkt im Gegenzug den Ausgleich bekommen", sagte der schwedische Nationalspieler. Der Jubel war noch nicht abgeklungen, da glich Youri Tielemans aus. Und dennoch: Die Sachsen zeigten, dass mit dem Debütanten auch im Konzert der Großen zu rechnen ist. Die französische L'Equipe sprach von einem "wertvollen Punkt" für die Monegassen. Der TV-Sender "BFMTV" bemerkte: "Monaco geriet in Leipzig ins Schleudern."

Und künftig dürfte die Nervosität wohl keine große Rolle mehr spielen. Ehrfurcht vor Gegnern kennen die Sachsen ohnehin nicht. RB ist immer in der Lage, sich jedem Kontrahenten anzupassen und diesen vor Probleme zu stellen. Klar ist aber auch: Auf Champions-League-Niveau werden Fehler wie beim Ausgleich gnadenlos bestraft. "Das darf uns so nicht passieren", gab Abwehrchef Orban zu. Und wer weiß, was mit dem verletzt fehlenden Mittelfeld-Strategen Naby Keita (Adduktorenprobleme) möglich gewesen wäre. Zumal auch sein kongenialer Partner Forsberg noch nicht in Top-Form ist. "Naby mit seinen Qualitäten hat uns in vielen Bereichen gefehlt. Wir hätten mit ihm sicher noch mehr Zugriff auf unser Offensivspiel gehabt", resümierte Hasenhüttl. Neben der Erkenntnis, mithalten können, sah der Österreicher aber auch, was "uns noch fehlt. Und daran werden wir arbeiten", resümierte der 50-Jährige, der bei seiner Aufstellung nicht volles Risiko gegangen war. Das wird sich in Zukunft auch ändern. "Und dann sehe ich uns auch nicht gegen die Mannschaft chancenlos, die die Tabelle anführt." Auch Topstürmer Werner verdrängte das Gladbach-Spiel am Samstag und dachte schon an das zweite Gruppenspiel am 26. September bei Besiktas Istanbul, das zum Auftakt 3:1 beim FC Porto gewann und Erster der Gruppe G ist: "Ich glaube, ein Sieg in Istanbul wäre nicht verkehrt."