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Bundesliga
RB Leipzig entzaubert den BVB

Leipzigs Yussuf Poulsen und Bruma (r.) bejubeln den zweiten Treffer der Sachsen. RB gewann mit 3:2.
Leipzigs Yussuf Poulsen und Bruma (r.) bejubeln den zweiten Treffer der Sachsen. RB gewann mit 3:2. FOTO: dpa
Dortmund. Das Ende der imposanten Dortmunder Heimserie schlug Peter Bosz mächtig aufs Gemüt. Obwohl sich sein Team beim 2:3 (1:2) im Bundesliga-Spitzenspiel einen mitreißenden Schlagabtausch mit RB Leipzig lieferte, wollte der BVB-Coach partout nicht in die vielen Lobeshymnen der Fachwelt über das Offensiv-Spektakel einstimmen. Heinz Büse

Mit mürrischer Miene kommentierte der Niederländer die erste Liga-Niederlage der Borussia im eigenen Stadion seit zweieinhalb Jahren: "Spannung ja, guter Fußball nein. Zum Torwart zurückzuspielen, der einen langen Ball schlagen muss, ist nicht unsere Art."

Anders als bei seinem Leipziger Kollegen Ralph Hasenhüttl, der den Coup seines Teams emotional wie selten bejubelte, überwog bei Bosz eine negative Sicht der Dinge. Unbeeindruckt von der unterhaltsamen Dramaturgie mit fünf Toren, zwei Platzverweisen für Sokratis und (47.) und Ilsanker (56.) sowie zwei verwandelten Elfmetern von Jean-Kévin Augustin (49.) und Pierre-Emerick Aubameyang (64.) verwies er auf die vielen Fehler des bisher so souveränen Bundesliga-Spitzenreiters, dessen Vorsprung auf die Bayern nur noch zwei Punkte beträgt: "Wir haben nicht den freien Mann gefunden. Das funktioniert nur, wenn man mutig und schnell spielt."

Nach einem bisher leichten Auftaktprogramm wurden den BVB-Offensivkünstlern erstmals auch in der Bundesliga die Grenzen aufgezeigt - wie schon in den Champions-League-Spielen gegen Tottenham und Real Madrid (jeweils 1:3). Sportdirektor Michael Zorc machte aus seiner Enttäuschung ebenfalls keinen Hehl: "Unser Spiel war nicht so strukuriert wie sonst. Wir haben uns öfter abkochen lassen."

Kapitale Abwehrfehler insbesondere von Neuzugang Jeremy Toljan, der sowohl vor dem 1:1 durch Marcel Sabitzer (10.) als auch vor dem 1:2 durch Yussuf Poulsen (25.) patzte, nutzten die Leipziger eiskalt aus. "Wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Schon am Dienstag geht es weiter", sagte Mittelfeldspieler Julian Weigl mit Blick auf das Königsklassen-Duell bei Apoel Nikosia.

Erst in den kommenden Wochen wird sich erweisen, ob der BVB als wirklicher Titelaspirant taugt. Bis Ende November trifft der Revierclub in fünf Partien gleich vier Mal auf Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte. Besonders knifflig dürfte das kommende Heimspiel gegen den FC Bayern werden. "Wir müssen Leipzig so schnell wie möglich abhaken. Es ist passiert, deshalb müssen wir umso schneller nach vorne schauen", sagte Gonzalo Castro.

Die Sachsen tankten hingegen reichlich Selbstvertrauen für ihre Champions-League-Partie gegen Porto am Dienstag. "Wahnsinn, es war ein perfektes Samstagabend-Spiel", schwärmte der ehemalige Dortmunder Kevin Kampl.