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| 18:14 Uhr

Radsport
Auf dem Sprung zu den Profis

 Christian Koch, hier beim Zeitfahren der Deutschen Meisterschaften, konzentriert sich mittlerweile auf die Straße. Am Sonntag geht der Cottbuser bei den „European Games“ in Minsk an den Start.
Christian Koch, hier beim Zeitfahren der Deutschen Meisterschaften, konzentriert sich mittlerweile auf die Straße. Am Sonntag geht der Cottbuser bei den „European Games“ in Minsk an den Start. FOTO: www.frontalvision.com / Arne Mil / Arne Mill
Cottbus. Christian Koch galt und gilt als eines der größten Talente im Cottbuser Radsport-Nachwuchs. Der Weg zum Profi ist dem 22-Jährigen aus dem LKT Team Brandenburg bislang verwehrt geblieben. Jetzt bieten sich zwei große Chancen. Von Thomas Juschus

Heinrich Haussler, Roger Kluge, Nikias Arndt, Lennard Kämna, Max Kanter: Die Liste der in Cottbus ausgebildeten und aktiven Radprofis ist durchaus beachtlich. Christian Koch würde nur zu gern in dieser Aufzählung vorkommen. Seit 2015, also inzwischen in der fünften Saison, kämpft der 22-Jährige beim semi-professionellen LKT Team Brandenburg um den Sprung in die World-Tour. „Mein Ziel ist auf jeden Fall, Rad-Profi zu werden“, sagt Koch.

Nach einer eher enttäuschend verlaufenen Straßen-Saison 2018 schickt sich Koch in seinem ersten Männer-Jahr an, nochmals heftig an der Tür zum Profi-Business zu rütteln. Ende Mai gewann er die Königsetappe der renommierten und schweren Baltyk-Karkonosze-Tour in Polen, einem vom Weltverband UCI hoch eingestuften Etappen-Rennen. Erstmals konnte Koch auf großer Bühne so für sich Werbung machen. „Das Ergebnis hat mir gezeigt, dass ich international mithalten kann“, so Koch.

Seit Jahren ist Koch fester Bestandteil der U23-Nationalmannschaft. 2016 war er deutscher Bergmeister in der Klasse U23, im vergangenen Jahr holte er sich das Madison-Meistertrikot auf  der Bahn zusammen mit Richard Banusch, dennoch reichte es bisher nicht, um den gleichen Weg wie Haussler, Kluge & Co. zu gehen. „Radprofi zu werden ist sehr schwer. Die Dichte ist sehr groß. Ich kann es nicht erzwingen. Ein weiterer Sieg wie bei der Baltyk-Tour würde mir natürlich sehr helfen“, sagt Koch.

In den nächsten Wochen bieten sich zwei Top-Chancen für den Cottbuser. Am Mittwoch reiste Koch zu den „European Games“ nach Minsk, gehört dort zur Mannschaft des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) für das Straßen-Rennen an diesem Sonntag, 23. Juni. Am 17. Juli geht es für Koch dann nach Tokio. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Japan steht dort ein Testrennen (21. Juli) auf dem Programm – auch hierfür wurde er von Bundestrainer Ralf Grabsch nominiert. „Ich bin noch nie so hochkarätige Rennen gefahren. Es ist eine gute Gelegenheit, sich zu zeigen und Erfahrungen zu sammeln“, blickt Koch den Aufgaben entgegen.

 Der bald 23-Jährige will sich auf der großen Bühne zeigen.
Der bald 23-Jährige will sich auf der großen Bühne zeigen. FOTO: Thomas Juschus

Koch hat in diesem Jahr vor allem von der Zusammenarbeit bei LKT mit Ex-Profi Paul Voß profitiert. „Dieses Jahr habe ich mich nur auf die Straße konzentriert. 2018 hatte ich zwei Rennprogramme, für Straße und Bahn. Das war ein Spagat mit verschiedenen Höhepunkten“, erklärt Koch, dem die klarere Struktur zu helfen scheint. „Wir kommen sehr gut miteinander klar. Und die Entwicklung meiner Leistungsdaten passt auch“, sagt Koch über das Training des dreimaligen Tour-de-France-Teilnehmers.

Voß ist von der Fähigkeiten Kochs überzeugt. „Er bringt das Talent zum Profi mit. Jeder in der U23-Szene weiß aber auch, dass Christian ein Fahrer ist, der nicht immer sein volles Potenzial ausschöpft“, sagt der Wahl-Potsdamer. Koch kennt auch diese Schwäche. „Ich kann mit Stress nicht so gut umgehen, halte deshalb gern Druck und Erwartungen immer möglichst gering“, erklärt er, der zuvor bei LKT schon mit den Trainern Sebastian Deckert, Michael Max, Jan Schur und Heiko Salzwedel zusammengearbeitet hat. „Paul Voß ist für meine Entwicklung leider ein bisschen zu spät zu LKT gestoßen“, sagt Koch.

Mit bald 23 Jahren – also dem U23-Bereich entwachsen – wird der Sprung zu den Profis ohne herausragende Ergebnisse des „Puncheurs“ – ein Fahrertyp wie Weltmeister Alejandro Valverde, der kurze, knackige Anstiege mag – schwer. Deshalb ist Koch auch zweigleisig gefahren. Seit 2016 gehört das Mitglied von RK  Endspurt 09 Cottbus der Sportfördergruppe der Polizei Brandenburg an – 2021 will er seine Ausbildung als Polizei-Kommissar abschließen. „Die Polizei gibt mir den nötigen Rückhalt und berufliche Absicherung, wenn es mit dem Radsport nicht klappt“, sagt Koch. Noch lieber wäre Christian Koch aber, wenn er bis dahin seinen Traum verwirklicht hätte. Vielleicht kann er bei den  „European Games“ und dem Tokio-Testrennen die Tür ein weiteres Stück öffnen.