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| 21:20 Uhr

Deutsche Zeitfahr-Meisterschaften in Spremberg
Tony Martin holt nächsten Titel in der Lausitzer „Taiga“

 Tony Martin konnte seinen Titel am Freitag in Spremberg verteidigen. Es war sein neunter Sieg in dieser Disziplin.
Tony Martin konnte seinen Titel am Freitag in Spremberg verteidigen. Es war sein neunter Sieg in dieser Disziplin. FOTO: dpa / Jan Woitas
Spremberg. Die Deutschen Zeitfahr-Meisterschaften bringen die Radsport-Elite nach zehn Jahren wieder in die Lausitz – und erstmals nach Spremberg. Von Steven Wiesner

Kurz bevor die erste Fahrerin am Freitagnachmittag gegen 15.30 Uhr auf die Strecke in Spremberg ging und das Rennen gegen die Uhr aufnahm, tönte das Lied „Bye Bye“ von Cro aus den Musikboxen im Startbereich. Unpassender hätte ein Song in diesem Moment wohl kaum sein können. Denn anhand der Tatsache, dass die Deutschen Meisterschaften im Zeitfahren erstmals seit 2009 wieder in der Lausitz stattgefunden haben, wäre ein „Welcome Back“ sehr viel zutreffender gewesen. Die Titelkämpfe in Cottbus vor zehn Jahren waren der bis dato letzte Besuch dieser Veranstaltung in der Region gewesen.

Dass die Radsport-Elite nun in der selbsternannten „Perle der Lausitz“ Station und Spremberg damit zumindest für einen Tag zur „Pedale der Lausitz“ machte, war auch eher Zufall. Denn der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte schlichtweg keinen Organisator für die Meisterschaften finden können. Das Event drohte sogar auszufallen. Denn niemand scheint den Aufwand und die Kosten tragen zu wollen.

Nicht aber Eberhard Pöschke und der RK Endspurt Cottbus. Drei Wochen vor dem Rennen war die 85-jährige Radsport-Legende aus der Lausitz mit dem Dilemma konfrontiert worden – und bot sofort ihre Hilfe an. „Ich wäre mir ziemlich mies vorgekommen, wenn wegen mir keine Meister in den Zeitfahrdisziplinen gekürt worden wären“, hatte Pöschke schon vorab gesagt und scherzte weiter: „Wenn ich dem BDR mit dem RK Endspurt aus der Klemme helfen kann, unterbreche ich gern meine Gartenarbeit.“

 Die 30-Kilometer-Strecke beim Einzelzeitfahren der Frauen führte die Fahrerinnen rund um Spremberg vorbei an Lausitzer Feldern und Wäldern.
Die 30-Kilometer-Strecke beim Einzelzeitfahren der Frauen führte die Fahrerinnen rund um Spremberg vorbei an Lausitzer Feldern und Wäldern. FOTO: dpa / Jan Woitas

Arbeit wartete auch an der Strecke zur Genüge auf den nimmermüden Rentner und sein Team von mehr als 30 Helfern. Denn die mehr oder weniger improvisierte Strecke an der Nordkante vom Tagebau Welzow-Süd musste erstmal hergerichtet und abgesichert werden.

Doch sie ließ letztlich gute Zeiten zu und kam auch im Fahrerfeld gut an. So lobte Tony Martin: „Es war nicht die typisch langweilige Strecke, die man oft bei Deutschen Meisterschaften hat, sondern profiliert und abwechslungsreich.“ Neben ein paar hügeligen Passagen wartete noch das eine oder andere Schlagloch, „wo man auch richtig aufpassen muss als Fahrer“.

 Ohne Eberhard Pöschke und den RK Endspurt Cottbus wären die diesjährigen Meisterschaften höchstwahrscheinlich ausgefallen.
Ohne Eberhard Pöschke und den RK Endspurt Cottbus wären die diesjährigen Meisterschaften höchstwahrscheinlich ausgefallen. FOTO: Hammerschmidt Frank / Frank Hammerschmidt

Zuschauertechnisch konnte die Werbetrommel in dieser knappen Vorbereitungszeit derweil kaum gerührt werden. Ein paar 100 Zuschauer verfolgten die Rennen der Frauen (30km), U 23 und Männer (je 35km) immerhin am Streckenrand. „Wir sind ja hier quasi mitten in der Taiga“, wusste auch Eberhard Pöschke. Doch es ging wohl auch weniger darum, Stadionatmosphäre zu kreieren, sondern vielmehr, einen kompletten Ausfall dieses prestigeträchtigen Wettbewerbs zu verhindern und eine annehmbare Strecke zur Verfügung zu stellen. „Zumal die Fahrer beim Zeitfahren eh keine Zuschauer wahrnehmen“, sagte Steffen Blochwitz vom LKT Team aus Cottbus. „Beim Rennen gegen die Uhr zählt sofort jede Sekunde, da fährt man nicht locker los und schaut noch ins Publikum wie bei manchen Massenetappen.“

Für ihn und sein LKT Team war die erste Zeitfahrmeisterschaft in der Heimat seit zehn Jahren trotzdem mal wieder „eine schöne Sache“. Und erst am späten Abend hieß es dann auch wirklich „Bye Bye“.

ERGEBNISSE: Den Titel bei den Frauen über 30 Kilometer holte sich Lisa Klein aus Erfurt in 38:49 Min. Die männliche U 23-Konkurrenz über 35km gewann Miguel Heidemann aus Trier in 40:40 Min. Bester Lausitzer wurde Richard Banusch aus Vetschau vom LKTTeam Brandenburg auf Rang acht (+ 1:40) vor seinen Teamkollegen Leon Heinschke (Cottbus/+ 1:43) und Paul Taebling (Cottbus/+ 1:58). Bei den Männern verteidigte der gebürtige Cottbuser Tony Martin seinen Titel in 39:11 Min. Es war Martins neunter Sieg bei den Zeitfahr-Meisterschaften. Roger Kluge vom RK Endspurt wurde Roger Kluge Siebter (+ 1:50;).

 Die querschnittsgelähmte Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel (l.), war extra gekommen, um ihre Freundin Lisa Klein anzufreuern.
Die querschnittsgelähmte Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel (l.), war extra gekommen, um ihre Freundin Lisa Klein anzufreuern. FOTO: dpa / Jan Woitas
 Lisa Klein (M.) siegte in Spremberg vor Mieke Kröger (l.) und der großen Favoritin Lisa Brennauer.
Lisa Klein (M.) siegte in Spremberg vor Mieke Kröger (l.) und der großen Favoritin Lisa Brennauer. FOTO: dpa / Jan Woitas