ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:01 Uhr

Fußball am Weltfrauentag
Qualifikation geht vor Quote

 Seit April 2018 FLB-Geschäftsführerin: Anne Engel.
Seit April 2018 FLB-Geschäftsführerin: Anne Engel. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Anne Engel aus Cottbus wurde vor einem Jahr die deutschlandweit erste Geschäftsführerin eines Fußballlandesverbandes. Auch sie hält den Fußball für eine „Männerdomäne“. Traurig macht sie das aber nicht. Von Steven Wiesner

Im Fußball gibt es keine Frauen? Von wegen! Sogar direkt vor der Haustür in der Lausitz sitzt mit Anne Engel eine junge Dame im Cottbuser Haupthaus des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB). Vor knapp einem Jahr, am 1. April 2018,  hat die gebürtige Cottbuserin und frühere Profispielerin in der Dresdener Straße auch nicht irgendeine Stelle, sondern den alleinigen Geschäftsführerposten übernommen – und wurde damit zur ersten Geschäftsführerin eines Landesverbandes auf der deutschen Fußballlandkarte überhaupt.

Der Berliner Fußball-Verband (BFV) führt mit Nadine Fröhnel zumindest eine Frau als Präsidialmitglied und beim Sächsischen Fußball-Verband (SFV) arbeitet mit Stefanie Rau eine Frau als Assistentin der Geschäftsführung. Dennoch hat Anne Engel noch ein Alleinstellungsmerkmal in den Landesverbänden. Als Feministin oder Frauenrechtlerin will sie deswegen aber nicht in Erscheinung treten. Auch nicht am Frauentag. Sie hält überdies nicht viel davon, das Aufkommen von Frauen im Sport mit Quoten zu reglementieren. „Entscheidend sollte doch immer die Qualifikation sein und nicht das Geschlecht“, sagt die 33-Jährige. Es ärgert sie deswegen auch nicht, dass eine Vielzahl von großen Positionen in der Bundesliga nach wie vor von männlichen Kollegen besetzt wird. Man brauche sich auch keine Illusionen zu machen, dass sich das je ändern werde. Engel: „Der Fußball wird eine Männerdomäne bleiben.“

Die  Cottbuserin, die für den 1. FFC Frankfurt und den FSV Frankfurt zwischen 2005 und 2008 insgesamt 20 Spiele in der Frauen-Bundesliga bestritten hat, wirkt auch nicht so, als würde sie das für etwas Ungerechtes oder Unnormales halten. Engel: „Dass mittlerweile auch Männer Elternzeit nehmen, ist die richtige Entwicklung. Trotzdem glaube ich, dass Frauen im Allgemeinen noch immer mehr zu bewältigen haben.“ Der Fußball sei am Ende ein hartes Geschäft, da müsse sich jeder selbst überlegen, ob er das will und aushält. „Aber letztendlich kann sich doch jede Frau bewerben“, sagt Anne Engel. „Ich habe jedenfalls noch keine Ausschreibung für eine Bewerbung gesehen, wo draufstand, dass Männer bevorzugt werden.“