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Prokop beerbt Sigurdsson

Christian Prokop (38) schaffte mit Leipzig den Aufstieg in die Bundesliga und hat sich rasant schnell einen guten Ruf erarbeitet.
Christian Prokop (38) schaffte mit Leipzig den Aufstieg in die Bundesliga und hat sich rasant schnell einen guten Ruf erarbeitet. FOTO: dpa
Leipzig. Jetzt ist es amtlich: Der Coach des Bundesligisten SC DHfK Leipzig wird Trainer der Handball-Nationalmannschaft. Er soll das Team 2020 zu Olympia-Gold führen. Frank Kastner, Nils Bastek und Eric Dobias / dpa/jam

Christian Prokop soll als Nachfolger von Bundestrainer Dagur Sigurdsson die deutschen Handballer 2020 in Tokio zu Olympia-Gold führen. Der Coach des Bundesligisten SC DHfK Leipzig tritt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur das große Erbe des Isländers an. Nach langen und zähen Verhandlungen wollte der Deutsche Handballbund (DHB) den 38-jährigen Prokop am Freitagabend vor dem All Star Game in Leipzig als neuen Trainer der "Bad Boys" präsentieren.

"Er ist mit Sicherheit einer der talentiertesten deutschen Trainer, und ich traue ihm zu, die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich weiterzuführen", sagte der ehemalige Weltklasse-Linksaußen und TV-Experte Stefan Kretzschmar. Der DHfK-Aufsichtsrat betonte aber auch: "Für uns Leipziger ist es natürlich ein Verlust, weil es mehr als eine Arbeitsbeziehung war. Doch wir haben uns zusammengesetzt, weil es sein großer Wunsch war."

Über drei Monate wurde zwischen Verband und dem SC DHfK Leipzig verhandelt. 24 Stunden vor dem All Star Game in Leipzig zwischen der Nationalmannschaft und einer Bundesliga-Auswahl erfolgten die letzten Gespräche mit DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther.

Nach dpa-Informationen kassieren die Leipziger für ihren Coach vom DHB eine Ablöse von einer halben Million Euro, da dieser noch Vertrag bis 2021 besaß. Allerdings lässt der Verband im Gegenzug Leipzigs Wunschkandidaten auf die Prokop-Nachfolge wohl nicht gehen. Michael Biegler erhält vorerst keine Freigabe und wird die "Ladies" wie geplant bei der Heim-WM Ende Dezember in Deutschland als Bundestrainer betreuen. Biegler sollte nach DHfK-Vorstellungen bereits am 1. Juli beim Bundesligisten anfangen und die DHB-Frauen in Doppelfunktion bis Jahresende betreuen. Doch der Verband will beim Prestigeprojekt kein Risiko eingehen, die Verhandlungen laufen noch.

Prokop wird sein Pflichtspieldebüt schon Mitte Juni bei der Europameisterschafts-Qualifikation in Portugal und gegen die Schweiz geben. Noch offen ist, wer Anfang Mai beim Länderspiel-Doppelpack gegen Slowenien an der Seitenlinie steht. Prokops Fünfjahresvertrag beim DHB beginnt offiziell am 1. Juli.

Nach dem EM-Titel und Olympia-Bronze unter Vorgänger Sigurdsson sind die Erwartungen an den vergleichsweise unerfahrenen Prokop enorm hoch. Der Verband strebt neben dem Titel bei der Heim-WM 2019 auch Olympia-Gold 2020 in Tokio an. Der neue Bundestrainer wird aber dank Sigurdsson auf ein breites Repertoire an jungen, hoch qualifizierten Spielern zurückgreifen können.