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| 22:36 Uhr

Piotr Lisek erobert das Lausitzer Wolfsland

Piotr Lisek knackte mit 5,92 Metern den Meeting-Rekord des langjährigen Publikumslieblings Björn Otto.
Piotr Lisek knackte mit 5,92 Metern den Meeting-Rekord des langjährigen Publikumslieblings Björn Otto. FOTO: Beyer
Cottbus. Was für ein tierisch gutes Springermeeting: Der "polnische Bär" Piotr Lisek ist am Mittwochabend zum neuen Meeting-Rekord im Stabhochsprung geflogen. Diese 5,92 Meter waren der Höhepunkt einer äußerst stimmungsvollen Veranstaltung in der Cottbuser Lausitz-Arena. Den Titel im Hochsprung der Damen verteidigte Vorjahressiegerin Airine Palsyte aus Litauen. Jan Lehmann und Mirjam Danke

Ein Furcht einflößender Urschrei ganz hinten in der Hallenecke und dann eine Gefühlsexplosion unter dem Dach der Lausitz-Arena. Mit seinem Rekordsprung über 5,92 Meter hat der Pole Piotr Lisek die Herzen der mehr als 2000 Zuschauer in der ausverkauften Lausitz-Arena im Sturm erobert. Der bisherige Meeting-König Björn Otto war erstmals nicht bei der Traditionsveranstaltung in Cottbus dabei - und schon verlor er seinen Meetingrekord.

Schon beim geglückten Sprung über 5,60 Meter hatte der wortgewaltige Meeting-Moderator Michael Werling dem Kraftpaket Lisek den Spitznamen "Polnischer Bär" verpasst, Wohl in der Vorahnung, dass der 24-Jährige über sich hinauswachsen würde - und das im Lausitzer Wolfsland.

Das Flugwetter war am Mittwochabend so gut, dass Lisek die Latte sogar noch auf die magische Sechs-Meter-Marke legen ließ. "Er ist nicht weit weg davon", konstatierte Meeting-Direktor Ulrich Hobeck, der die Stimmung in der Arena genoss. "Mich begeistert das Publikum immer wieder", so der 69-Jährige.

Dieses Mal schienen die Zuschauer besonders euphorisch zu sein - und zwar schon vom Start weg. Dazu mögen die Trommler der Los Peppinos beigetragen haben, die den Rhythmus dieses Abends vorgaben oder vielleicht auch die Sorge, dass es die letzte Möglichkeit gewesen sein könnte, dieses stimmungsvolle Meeting mitzuerleben. Bekanntlich ist das Fortbestehen des Events nicht sicher, da es immer schwerer wird, es zu finanzieren.

In jedem Fall war es sehr laut. "Aber für uns kann es nie zu laut sein", betonte Jossie Graumann, die am Ende Vierte und damit beste Deutsche wurde. Den Sieg bei den Damen holte sich Airine Palsyte, wie schon im Vorjahr war die Litauerin nicht zu schlagen. Wo Piotr Lisek mit Muckis und Tattoos "bärenstark" rüberkam, ist sie die Gazelle unter den Springerinnen, die sogar Olympiasiegerin Ruth Beitia bezwang.

Zuvor hatten sich alle Athleten per Einspieler auf der großen Videoleinwand vorgestellt, auf Deutsch wohlgemerkt. Mit diesen sympathisch-verschmitzten Statements eroberten die Sportler um "Woorltmeister" Shawn Barber aus Kanada die Herzen der Zuschauer im Sturm.

Dieses Meeting hatte aber auch über die perfekte Stimmung hinaus alles, was man sich nur wünschen konnte zum kleinen Jubiläum, der 15. Auflage: Eine ordentliche Portion Spannung zum Beispiel, als Raphael Holzdeppe, der Weltmeister von 2013, seine Einstiegshöhe von 5,50 Meter nicht zu packen drohte. Zum Glück behielt Moderator Werling Recht, als er versicherte: "Der Raphi rockt das Ding - der ist eine coole Socke." Tatsächlich ging das gut mit den 5,50. Das frühe Aus wäre schade gewesen für den Mann aus Zweibrücken, der nach einem verkorksten Vorjahr mit seinem zweiten Platz in Cottbus gut ins neue Sprungjahr startete.

Einen Schreckmoment hatte das Meeting allerdings auch in petto, als dem Slowenen Robert Renner beim Absprung der Stab brach und krachend wegknallte. Zum Glück konnte der 22-Jährige weitermachen - im Wolfsland Lausitz fürchten man sich halt nicht so schnell. Seit Mittwochabend nicht einmal vor Bären.

Zum Thema:
Das ist Landesrekord, und zwar in Montenegro. Marija Vukovic (25) übersprang 1,89 Meter im dritten Versuch und bekreuzigte sich vor Freude. Halleluja! Was für ein nettes Gastgeschenk! Weltmeister Kostas Filippidis (30) hatte für Meeting-Direktor Ulrich Hobeck eine Flasche Ouzo im Gepäck. Wir tippen mal, dass der Grieche nächstes Jahr auch wieder eingeladen wird. Großer Applaus für eine glatte 1,0. Und zwar für den Diskuswerfer Jan-Vasco Bringmann (18). Der hat diese Abitur-Traumnote am Steenbeck-Gymnasium geschafft. Und der junge Cottbuser macht sich auch Gedanken um seine Sportart: "Die Leichtathletik braucht solche Formate", so Bringmann. Also nächstes Jahr Diskuswerfen in der Lausitz-Arena? Interessante Musikauswahl bei Raphael Holzdeppe (27). Der Mann aus der Pfalz sprang zum Song "I'm sexy and I know it" (zu deutsch: "Ich bin sexy und ich weiß es.") Als Stabhochspringer benötigt man also auch ein höhentaugliches Selbstbewusstsein. Die Cheerleader der Füchse Berlin waren am Mittwochabend auch in der Lausitz-Arena zu Gast. Mit einem tollen Auftritt bewiesen die Berlin Titans, dass Hauptstadt-Handball gar nicht so weit von Lausitzer Leichtathletik entfernt ist. Berlin ist ja sowieso ganz nah. Frank Kowalski, Geschäftsführer der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin, war von der Atmosphäre begeistert. Er versprach dem Publikum: "Wenn ihr wollt, mache ich 2018 im Olympiastadion einen Cottbuser Block auf." Abgemacht, wir kommen!