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| 02:39 Uhr

Perfekte Podolski-Party

Traumtor zum Abschied: In der 69. Minute zimmerte Lukas Podolski den Ball unhaltbar zum 1:0-Sieg in den Winkel.
Traumtor zum Abschied: In der 69. Minute zimmerte Lukas Podolski den Ball unhaltbar zum 1:0-Sieg in den Winkel. FOTO: dpa
Dortmund. Ein Tschö mit Knalleffekt! Lukas Podolski hat seinen emotionalen Abschied mit einem Traumtor gekrönt und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in seinem 130. Länderspiel zum 1:0 (0:0) gegen England geschossen. Arne Richter und Klaus Bergmann

Der Fernschuss-Kracher in der 69. Minute war das 49. Tor und der perfekte Schlusspunkt in der einzigartigen DFB-Karriere des Weltmeisters. Unter tosendem Applaus der 60 901 Zuschauer in Dortmund beendete die Kölner Frohnatur am Mittwochabend 15 Minuten später seine Länderspiellaufbahn mit der schwarz-rot-goldenen Kapitänsbinde am Arm, ging grinsend vom Feld und herzte nach seiner Auswechslung Bundestrainer Joachim Löw.

Das perfekte Drehbuch für den Lieblingsschüler von Löw war lange in Gefahr. England war gegen die ohne mehrere Stammkräfte angetretene DFB-Elf das klar besser Team mit den deutlich besseren Chancen. Mehrfach musste Marc-André ter Stegen in höchster Not retten. Am Ende stand aber nicht nur der erste Heimsieg gegen die Three Lions seit 30 Jahren, sondern auch ein Rekord in der Länderspielgeschichte. Seit 648 Minuten ist Deutschland nun ohne Gegentor. Ohne Podolski reist die DFB-Auswahl am Freitag nach Aserbaidschan, wo am Sonntag die Qualifikation für die WM 2018 fortgesetzt wird.

Erstmals in seiner Karriere führte Podolski das Nationalteam als Kapitän aufs Spielfeld, winkte mit dem DFB-Wimpel ins Publikum und bedankte sich über das Stadionmikro für "13 geile Jahre mit dem Adler auf der Brust": "Danke Dortmund, danke Köln und danke Deutschland!"

Immer wieder feierten die Fans ihren Liebling mit Sprechchören. Mit Treffer 49 sorgte der viertbeste Torschütze der deutschen Länderspiel-Geschichte noch einmal für ein ganz besonderes Highlight. Zunächst blieb Podolski aber glücklos. Bei seiner ersten Chance nach Ballgewinn von Leipzigs Neuling Timo Werner zog der 31-Jährige nach 16 Minuten ab - wurde aber von Michael Keane geblockt. Gut 20 Minuten später strich sein Schuss deutlich über die Latte. Auch in Halbzeit zwei blieb Podolski aktiv, feuerte das Publikum immer wieder an.

Gegen das ungewohnte 5-2-2-1-System der disziplinierten Three Lions tat sich die deutsche Vierer-Offensive lange schwer. Bei nur einer Trainingseinheit fehlte die Abstimmung, im Mittelfeld machte sich das verletzungsbedingte Fehlen mehrerer Stammkräfte wie Mesut Özil, Julian Draxler und Sami Khedira bemerkbar. Dank des Treffers von Podolski gelang doch noch der erste Heimsieg über England seit dem 3:1 in Düsseldorf 1987.

Für die Engländer war das Sportliche aber schon vor dem Anpfiff in den Hintergrund gerückt. Es sei "relativ schnell" klar gewesen, dass bei dem Doppelanschlag von London keine Angehörigen betroffen gewesen seien, berichtete Coach Gareth Southgate. "Wir sind in Gedanken bei den Familien, die Angehörige verloren haben. Da wird Fußball natürlich zur Nebensache."