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Party-Zeit beim Überraschungs-Halbfinale

Geburtstagskind I: Jelena Ostapenko (20) aus Lettland bezwang unerwartet Caroline Wozniacki.
Geburtstagskind I: Jelena Ostapenko (20) aus Lettland bezwang unerwartet Caroline Wozniacki. FOTO: dpa
Paris. Gefeiert wird am Donnerstag auf dem Court Philippe Chatrier auf jeden Fall. Denn wenn im Überraschungs-Halbfinale der French Open die Schweizerin Timea Bacsinszky und Jelena Ostapenko aus Lettland aufeinandertreffen, dann haben beide Grund für eine Party. Lars Reinefeld

Schließlich ist das Duell um den Finaleinzug, auf das im Vorfeld wohl nicht einmal die größten Zocker gewettet hätten, zugleich das Aufeinandertreffen zweier Geburtstagskinder. Bacsinszky wird am Halbfinaltag 28 Jahre alt, Ostapenko feiert ihren 20. Geburtstag.

Im zweiten Halbfinale treffen die Favoritinnen Simona Halep und Karolina Pliskova aufeinander.

Vor allem für die Lettin Ostapenko kommt es komplett unerwartet, dass sie ihren Ehrentag in Paris verbringt. "Um ehrlich zu sein, hätte ich nie damit gerechnet, dass ich zu dem Zeitpunkt noch in Paris bin", sagte die Nummer 47 der Welt, nachdem sie ihre wundersame Reise im Stade Roland Garros mit ihrem Dreisatzsieg gegen die frühere Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki (Dänemark) fortgesetzt hatte. "Als ich hierher gekommen bin, hätte ich absolut nicht erwartet, das Halbfinale zu erreichen."

In Paris warf die Lettin unter anderem bereits Olympiasiegerin Monica Puig, die einmalige Grand-Slam-Turnier-Siegerin Samantha Stosur und nun eben die frühere Nummer eins der Welt Wozniacki aus dem Turnier. "Ich fühle mich einfach gut, habe viel Selbstvertrauen", sagte die stets lächelnde Ostapenko. Die eben noch 19-Jährige redet wie sie spielt. Schnell, ohne Luft zu holen und auf den Punkt.

In ihrer Pressekonferenz nach ihrem Wozniacki-Coup kicherte sie immer wieder wie ein Teenager, der sie nun einmal auch immer noch ist. Auf dem Platz kann sie dagegen gnadenlos sein. Es wird spannend sein, zu sehen, wie Ostapenko mit all den Begleiterscheinungen umgeht. Geburtstag, größtes Match der Karriere und dann mit Bacsinszky eine sehr unangenehme Gegnerin, mit der sie sich abseits des Platzes sehr gut versteht. "Sie ist eine nette Person, wir sind gut befreundet", sagte sie über die Schweizerin, die zum zweiten Mal nach 2015 bei den French Open im Halbfinale steht.

Doch wie selbstverständlich kommt der Siegeszug in der französischen Hauptstadt auch für Bacsinszky nicht. Die Eidgenössin wirkte nach ihrem emotionalen Erfolg gegen Frankreichs Publikumsliebling Kristina Mladenovic völlig aufgewühlt. In der Presserunde redete sie fast eine halbe Stunde, berichtete auch von einem Albtraum in der Nacht vor der Partie und ihrer besonderen Beziehung zu Paris. "Es ist magisch, was hier immer wieder mit mir passiert." Dass sie nun auch noch auf ein anderes Geburtstagskind trifft, mache die Sache "einfach perfekt". "Den Tag werden wir beide nicht vergessen."

Zum Thema:
Mit einer Tennis-Gala der absoluten Extraklasse hat der Österreicher Dominic Thiem bei den French Open Titelverteidiger Novak Djokovic aus dem Turnier geworfen. Der 23-Jährige deklassierte den Serben am Mittwoch im Viertelfinale von Paris mit 7:6 (7:5), 6:3, 6:0 und darf sich jetzt auf ein Halbfinal-Duell mit Topfavorit Rafael Nadal freuen. Der Spanier hatte zuvor in seinem Viertelfinale von der Verletzung seines Landsmannes Pablo Carreno Busta profitiert. Der 25-Jährige musste beim Stand von 6:2, 2:0 aus Sicht von Nadal wegen einer Bauchmuskelzerrung passen. "Es wird nicht leichter für mich", scherzte Thiem nach seiner beeindruckenden Vorstellung. Für ihn war es der erste Sieg gegen Djokovic überhaupt.