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Paddeltour bis zum Schwarzen Meer

Jürgen Peter nach seiner Rückkehr mit Willkommensgeschenken. Der Abteilungsleiter Kanu des Lok RAW Cottbus ist wochenlang täglich rund sechs Stunden gepaddelt.
Jürgen Peter nach seiner Rückkehr mit Willkommensgeschenken. Der Abteilungsleiter Kanu des Lok RAW Cottbus ist wochenlang täglich rund sechs Stunden gepaddelt. FOTO: ski1
Cottbus. Knapp 2500 Kilometer war der Cottbuser Jürgen Peter mit dem Kanu unterwegs. Auch seine Frau hielt durch – sogar mit Armbruch. ski1

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Bärbel und Kanuwanderwart Rolf Sturtz ist der Vizepräsident und Kanu-Abteilungsleiter des ESV Lok RAW Cottbus, Jürgen Peter, in diesem Sommer zu einer ungewöhnlichen Kanu-Fahrt aufgebrochen. Im Rahmen der 62. Tour International Danubien (TID) startete das Cottbuser Trio von Ingolstadt in Richtung Balkan. Während Rolf Sturtz planmäßig im Serbischen Kladovo die Fahrt beendete, paddelten Bärbel und Jürgen Peter die knapp 2500 Kilometer bis zur Schwarzmeer-Mündung in Rumänien. Die RUNDSCHAU sprach mit Kanu-Abteilungsleiter Peter.

Jürgen Peter, die wichtigsten Fragen zuerst: Wie geht es Ihnen? Was tut Ihnen alles weh?
Peter Im Gegensatz zu meiner Frau geht es mir ganz gut. Bärbel war beim Einsteigen in unser Zweier-Faltboot im bulgarischen Silistra an einer schwierigen Stelle abgerutscht und hatte sich ziemlich heftig an Unterarm und Hand verletzt. Da bin ich die folgenden 86 Kilometer nach Seimeni in Rumänien allein gepaddelt, danach hat sie wieder vorsichtig mitgemacht. Nach drei Tagen war sie dann wieder halbwegs schmerzfrei und hat beim Restprogramm von knapp 300 Kilometern wieder voll mitgezogen. Erst daheim bei einer eingehenden Untersuchung wurde festgestellt, dass die Elle gebrochen war. Aber wie sie dennoch tapfer durchgehalten hat, das war einfach überragend!

Sie haben schon zwei Länder genannt. Beschreiben sie doch bitte mal den Weg, den Sie zurückgelegt haben!
Peter Von Ingolstadt ging es am 2. Juli nach Inzell in Österreich. Über die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien und Bulgarien sind wir dann in Richtung Rumänien, wo wir in Sfantu Gheorghe letztmalig übernachtet haben. Bei Ankunft dort war plötzlich der Blick frei. Kein Ufer war mehr zu sehen, nur das weite Schwarze Meer. Das war der schönste Moment der ohnehin erlebnisreichen Reise. Am nächsten Tag war die Wetterlage mit ablandigem Wind sehr günstig und alle konnten auf das Meer hinaus bis an den Strand paddeln.

Sicher auch deshalb, weil in diesem Moment feststand "Wir haben es geschafft", oder?
Peter Klar, war das auch aus eben diesem Grund ein sehr emotionaler Augenblick. Aber ich will gleich anfügen, dass wir an keinem einzigen Tag daran gedacht haben, etwa aufzugeben.

Wir sind täglich rund sechs Stunden gepaddelt und hatten danach stets Zeit, uns ein wenig am Rande der Campingplätze oder den von uns kurzfristig bewohnten Stadtparks umzuschauen, auch mal einkaufen zu gehen oder üblicherweise abends mit den Mitfahrern zusammen zu sitzen. Unterwegs war ja jedes Boot weitgehend allein, denn wir sind wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeiten selten im Pulk gepaddelt.

Wie kann man sich die Übernachtungen vorstellen?

Peter Ganz einfach. Nach dem Anlegen mussten wir das Boot mit den rund 50 Kilo Bagage ausladen. Im und am Boot war ja generell alles Nötige untergebracht. Die Wäsche, Lebensmittel, Getränke, das Zelt, ein kleiner Tisch, Stühle und die Luftmatratzen und Schlafsäcke. Ein Bootswagen wurde zusätzlich außen auf dem Boot angeschnallt, denn das Faltboot musste oft an Land transportiert werden. Dann wurde aufgebaut und am nächsten Morgen alles wieder fein eingeladen und weiter ging es. In Summe haben wir 60 Mal unser Zelt auf- und abgebaut. Gegen Ende der Fahrt haben wir dann langsam mitgezählt, man konnte es kaum fassen: "Noch sechsmal abbauen, noch fünfmal aufbauen …"

Wie haben Sie die körperlichen Anstrengungen verkraftet?

Peter Ganz gut, man musste eben in der Hitze dort unten im Süden unglaublich viel trinken. Und trotz vieler sehr gut gemeinter und auch schmackhafter Bewirtungen durch Einheimische an den Anlegestellen haben wir beide um die sechs Kilo abgenommen.

Sie konnten die recht lange Erlebnisfahrt als Ruheständler starten. Welche bleibenden Erinnerungen haben Sie mitgebracht?

Peter Neben den einmaligen Erfahrungen und Erlebnissen natürlich hunderte Fotos. Dazu gab es in jedem Land Trikots mit den TID-Logos für jeden Teilnehmer. Daheim angekommen haben uns die Nachbarn mit einem Willkommen-Schild begrüßt. Besonders gefreut haben wir uns über ein Geschenk meines Schwagers. Er ist Philatelist und hat ein Heft zusammengestellt mit allen Stationen der Reise mit den dazugehörigen Briefmarken der Länder. So haben wir neben unserem eigenen nun zusätzlich ein ganz besonderes Tagebuch als Andenken zu Hause.

Mit Jürgen Peter

sprach Georg Zielonkowski