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Qualifikation
Niedergeschlagenlande

Arjen Robben & Co. müssen sich jetzt sogar nach eigenen Toren beeilen. Gegen Schweden brauchen sie einen Sieg mit sieben Toren Differenz.
Arjen Robben & Co. müssen sich jetzt sogar nach eigenen Toren beeilen. Gegen Schweden brauchen sie einen Sieg mit sieben Toren Differenz. FOTO: dpa
Düsseldorf. Holland wird wohl einmal mehr ein großes Turnier verpassen. Einer Nation, die früher für begeisternden Offensivfußball stand, mangelt es an Qualität und Köpfen. Stefan Klüttermann

Am Ende war es wohl wieder eine dieser Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Und es war eine, die Dick Advocaat auf die Füße fiel. Ihm und seiner Aussage, die der Trainer der holländischen Nationalmannschaft vor dem Weißrussland-Spiel einem Journalisten engegengeblafft hatte. "Die werden nicht 8:0 gewinnen. Was für eine dumme Frage", hatte Advocaat gepoltert, nachdem er auf einen möglichen Kantersieg des Kontrahenten Schweden gegen Luxemburg angesprochen worden war. Dumm nur, dass die Skandinavier genau 8:0 gewannen und so für eine Vorentscheidung im Kampf um die WM-Playoffs sorgten. Weil die Niederlande in Weißrussland später nur 3:1 siegten, brauchen sie am Dienstag gegen eben jenes Schweden (20.45 Uhr) einen Erfolg mit sieben Toren Vorsprung.

In ganz Europa reiben sich Fußballfans verwundert die Augen, was aus dieser Nationalmannschaft geworden ist. Aus der "Elftal", die über Jahrzehnte mit ihrem "Totaalvoetbal", dem Totalen Fußball, die Gegner auseinanderspielte. Holland stand für offensives Spektakel. Unberechenbar waren sie, schnell, überfallartig, ihrer Zeit voraus.

In Holland, so sah man es neidisch im umliegenden Europa, reihte sich Goldene Generation an Goldene Generation. Johan Cruyff in den 70ern, danach Ruud Gullit und Marco van Basten, es folgten Teams um Denis Bergkamp und Patrick Kluivert, zuletzt Ausnahmetalente wie Wesley Sneijder, Arjen Robben oder Robin van Persie. Doch die letzte Goldene Generation ist in die Jahre gekommen. Nachfolger sind nicht in Sicht.

Es wechseln zwar immer noch Nachwuchskönner für viel Geld in europäische Top-Ligen, aber so wie die Vereine der "Eredivisie" international nur zweitklassig sind, so hat auch die Nationalelf ihren Platz unter den Top-Nationen eingebüßt. Die Zeitung "De Volkskrant" urteilt: "Die Niederlande müssen wieder lernen, Fußball zu spielen." Die Frage ist dabei allerdings: Wer soll der Nationalelf das Fußballspielen beibringen? Denn die Protagonisten im Verband taten sich zuletzt eher durch persönliche Animositäten und Scherereien hervor.

Auch für den erst vor wenigen Monaten als Bondscoach zurückgekehrten Dick Advocaat könnte der Abend von Amsterdam schon wieder der Schlusspunkt sein. Arjen Robben hat jedenfalls den Glauben an ein Wunder aufgegeben. Der frustrierte Kapitän sagte mit Blick auf das Schweden-Spiel: "Ich würde den Rechenschieber mal schön zu Hause lassen."