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Nur Müller-Fans in Löws Nationalteam

Thomas Müller bekommt bei Bundestrainer Joachim Löw jenen Rückhalt, den ihm der Bayern-Coach Carlo Ancelotti derzeit nicht gibt.
Thomas Müller bekommt bei Bundestrainer Joachim Löw jenen Rückhalt, den ihm der Bayern-Coach Carlo Ancelotti derzeit nicht gibt. FOTO: dpa
Prag. Zuspruch und Lob hat Thomas Müller in den Tagen vor Prag reichlich bekommen aus dem Kreis der Nationalmannschaft. Nun will der Fußball-Weltmeister in der tschechischen Hauptstadt neue Taten folgen lassen. Jens Mende und Klaus Bergmann

Schöne Erinnerungen hat der 27-Jährige mit an die Moldau genommen: Beim 3:0 im Hinspiel vor elf Monaten schoss er zwei Tore. "Er ist 90 Minuten da, gibt nie auf, treibt an", sagte Teammanager Oliver Bierhoff über Müller, dessen Name in der Vorbereitung auf das erste Länderspiel der WM-Saison schon inflationär oft fiel.

Der Grund liegt nicht im Binnenklima des DFB-Teams, sondern im wieder einmal heiß diskutierten Innenleben seines Arbeitgebers FC Bayern München. "Ich weiß nicht genau, welche Qualitäten der Trainer sehen will. Aber meine sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt", hatte Müller nach dem jüngsten 2:0-Sieg der Münchner in der Bundesliga bei Werder Bremen spontan geäußert. Der eine Satz reichte für eine große nationale öffentliche Fragerunde: Wie gehen der FC Bayern und ganz speziell Trainer Carlo Ancelotti mit dem Fan-Liebling um?

Bierhoff erinnerte die Bayern öffentlich daran, dass Müller "einfach eine Identifikationsfigur des Vereins" sei. Und eigentlich müssten die Bayern ihm immer einen festen Platz in der Startelf einräumen. So hält es Löw seit Jahren in der Nationalelf. Da ist Müller einer der Dauerbrenner. Und der 27-Jährige zahlt das Vertrauen regelmäßig zurück. In der laufenden WM-Qualifikation hat der 85-malige Nationalspieler fünf von sechs Partien bestritten und dabei als erfolgreichster deutscher Torschütze fünfmal getroffen.

Bei 37 Treffern - zehn davon bei den WM-Endrunden 2010 und 2014 - steht er mittlerweile im Nationaltrikot. Im Eden-Stadion von Prag kann Müller am Freitag (20.45 Uhr/RTL) mit einem weiteren Tor Ex-Kapitän Bierhoff aus den Top Ten der besten deutschen Torjäger überhaupt befördern.

Der ehrgeizige Müller ist angestachelt nach einer persönlich schwachen EM 2016 ohne Torerfolg und einer Bayern-Spielzeit, die ihn ebenfalls nicht glücklich machen konnte. "Ich bin überzeugt, dass er sich bei Bayern durchsetzen wird, das ist gar keine Frage", sagte Bierhoff. Und Löw bemerkte: "Er hat jetzt einmal nicht von Anfang an gespielt, okay. Aber bei uns hat er ja immer seine Leistungen gezeigt. Er hat immer viele Tore erzielt."

Und Müller ist stets ein belebender Faktor, auch außerhalb des Platzes. Das schätzen seine Mitspieler. "Seine Gemütslage ist von Hause aus positiv. Er ist ein lustiger Vogel, hat immer ein Späßchen auf Lager", sagte Nationalmannschafts-Shootingstar und Bayern-Kollege Joshua Kimmich. Das gelte auch, wenn Müller einmal nicht gespielt habe. "Er ist extrem positiv für Bayern. Da gibt es Spieler, die sich ganz anders verhalten", bemerkte Kimmich noch vielsagend.

Müller ist ein Teamplayer. Er hat lange seinen Frust unterdrückt, wenn ihn der Italiener Ancelotti im vergangenen Spieljahr wieder einmal auf die Bank gesetzt hatte. Nach einer guten Saisonvorbereitung war er in Bremen besonders enttäuscht, als der gerade aus dem Krankenstand zurückgekehrte Thiago den Vorzug erhielt.

Das Thema Müller wird weiter heiß diskutiert werden. Denn der neue Bayern-Kolumbianer James Rodríguez, zuletzt noch verletzt, ist Ancelottis Wunschspieler. Und James spielt am liebsten in Müllers Revier, zentral offensiv hinter Torjäger Robert Lewandowski.