| 02:42 Uhr

Nordischer Dominierer

Johannes Rydzek kam auch mit der ungewohnten Verfolgerrolle zurecht und lief von Rang fünf nach dem Springen noch zu WM-Gold.
Johannes Rydzek kam auch mit der ungewohnten Verfolgerrolle zurecht und lief von Rang fünf nach dem Springen noch zu WM-Gold. FOTO: dpa
Lahti. Zum Jubeln fehlte Johannes Rydzek nach seinem historischen Sturmlauf durch den Tiefschnee von Lahti die Kraft. Der neue König der Nordischen Kombinierer reckte kurz die Ski in den Himmel und nahm dann völlig ausgelaugt die Glückwünsche seiner Teamkollegen entgegen. Eric Dobias und Gerald Fritsche

Mit dem dritten Gold in Finnland und dem insgesamt fünften Titel seiner Karriere krönte sich der 25-Jährige am Mittwoch zum erfolgreichsten Winterzweikämpfer der WM-Geschichte.

"Coole Sache", jubelte Rydzek. "Es war eine unglaubliche Woche. Ich kann das noch gar nicht fassen und werde das sicher erst in ein paar Tagen realisieren." Er ist der nordische Dominierer. Drei Starts, drei Siege: Im Eiltempo ist Rydzek an die Spitze der ewigen Bestenliste gestürmt. Mit insgesamt zehn Medaillen (5 Gold/4 Silber/1 Bronze) liegt er nun vor dem Norweger Bjarte Engen Vik (5/3/0) und Jason Lamy Chappuis aus Frankreich (5/0/5). "Klar ist das schön, aber ich mache den Sport nicht für die Statistik, sondern weil es unheimlich viel Spaß macht. Ich genieße jedes Rennen. Was gerade dabei herauskommt, ist einfach nur phänomenal", sagte Rydzek bescheiden.

Nach einem Sprung und dem Zehn-Kilometer-Langlauf verwies er am Mittwoch den Japaner Akito Watabe um 4,8 Sekunden auf Rang zwei. Dritter wurde Francois Braud aus Frankreich. Fabian Rießle wurde Sechster.

Eric Frenzel, der als Siebter seine zwölfte WM-Medaille verpasste, gratulierte dem Triumphator danach aus vollem Herzen. "Das ehrt mich. Es zeichnet ihn aus, dass er sich mit mir freut", erklärte Rydzek.

Bundestrainer Hermann Weinbuch zog den Hut vor dem Weltmeister. "Er entwickelt sich stetig, das ist das Phänomen. Er lernt immer wieder dazu, wird immer entspannter und selbstbewusster. Er hat das hier weltmeisterlich durchgezogen", lobte der Erfolgscoach und frohlockte: "Ich bin sehr zufrieden. Es war ein richtig schweres Rennen. Johannes ist clever gelaufen. Er ist der verdiente Sieger."

Co-Trainer Ronny Ackermann, der mit vier WM-Titeln in den Bestenlisten nun hinter Rydzek liegt, stellte anerkennend fest: "Es war ein taktisch sensibles Meisterstück." Denn nach dem Springen von der Großschanze hatten sich Rydzek und seine Teamkollegen in der ungewohnten Verfolgerrolle befunden. 122 Meter reichten vorerst nur zu Rang fünf. Dennoch legte sich Weinbuch schon vor dem Start des Langlaufs fest: "Ich bin überzeugt, dass er noch Gold holt."

Genau eine Minute musste Rydzek auf den führenden Österreicher Mario Seidl aufholen - und legte entsprechend los. Schon bei der ersten Zwischenzeit nach 1,3 Kilometern hatte der Oberstdorfer 17 Sekunden aufgeholt - und zur ersten Verfolgergruppe aufgeschlossen. Bei Renn-Halbzeit war der Rückstand auf 26 Sekunden geschmolzen. "Es lief super für ihn, denn er konnte sich in der Gruppe immer wieder auch ein wenig ausruhen", analysierte Weinbuch.

Eingangs der Schlussrunde kam es dann zum Zusammenschluss mit Seidl, der wie sein Landsmann Wilhelm Denifl dem Tempo der Konkurrenten bald nicht mehr folgen konnte. Kurz vor der Einfahrt ins Stadion setzte Rydzek dann zur entscheidenden Attacke an. "Ich habe auf meine Stärke hinten raus vertraut und am letzten Berg alles rausgehauen", berichtete er nach Atem ringend. "Es hat weh getan, sich aber ausgezahlt."

Zum Thema:
Iivo Niskanen hat am Mittwoch ganz Finnland in Jubelstimmung versetzt. Der 25 Jahre alte Langläufer holte in Lahti Weltmeisterschafts-Gold im 15-Kilometer-Langlauf im klassischen Stil vor den Norwegern Martin Johnsrud Sundby und Niklas Dyrhaug. Damit revanchierte sich Niskanen für die verlorene Goldmedaille im Teamsprint, als er vom Norweger Emil Iversen in der Zielkurve behindert und zu Sturz gebracht wurde. Mit "Iivo, Iivo"-Rufen wurde der Finne im Lahti Sport Center gefeiert. Bester Deutscher war Jonas Dobler. Er belegte Platz 27. Deutschlands Langläuferinnen wollen an diesem Donnerstag (14 Uhr) bei der letzten Chance auf die erste WM-Medaille seit 2009 auf die nötige Lockerheit setzen. "Wir haben nach dem Teamsprint den Medaillendruck abgelegt. Man hat gesehen, dass es mit der Brechstange nicht funktioniert", sagte Nicole Fessel vor dem Rennen über 4 x 5 Kilometer. "Man darf nicht immer über Medaillen nachdenken und reden. Es passiert dann, wenn man nicht damit rechnet", betonte Fessel.