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Noch keine Zeit für Höhenflüge: SC Cottbus erhält Lehrstunde

Der Cottbuser Christopher Jursch am Sprung.
Der Cottbuser Christopher Jursch am Sprung. FOTO: Steffen Beyer/sby1
Cottbus. Diese Lehrstunde war so erwartet worden – und mehr als 500 Zuschauer wollten in der Lausitz-Arena dabei sein. Die von der RUNDSCHAU angekündigten "kreativen Kerle" sorgten am Samstagabend innerhalb der "Nacht der kreativen Köpfe" in Cottbus für einen einseitigen, aber dennoch sehenswerten Bundesliga-Wettkampf. Jan Lehmann

Der Titelverteidiger der Deutschen Turnliga (DTL) gewann deutlich mit 59:17 und gab dabei auch keinen einzigen Gerätepunkt an die wackeren Gastgeber ab. Karsten Oelsch, sportlicher Leiter beim SC Cottbus, erklärte als Moderator am Hallenmikrofon: "Unsere Jungs können aus diesem Wettkampf viel lernen." Während die Cottbuser, die das jüngste Team der Liga stellen, an einigen Geräten ganz schön improvisieren mussten, um je vier stabile Übungen ans Gerät zu bringen, konnte Straubenhardt aus dem Vollen schöpfen.

So leisteten sich die Baden-Württemberger den Luxus, mit Marcel Nguyen einen der weltbesten Mehrkämpfer - dort holte er 2012 Olympia-Silber - an nur zwei Geräten einzusetzen. Der 29-Jährige hatte am Abend vor dem Wettkampf noch auf seiner Terrasse in Stuttgart mit seinem Cottbuser Kumpel Philipp Boy dessen Sieg in der RTL-Show "Dance, Dance, Dance" (siehe Panorama-Seite) gefeiert, um danach zwei starke Übungen an Ringen und Barren abzuliefern.

Bretschneider ohne Superflieger

Bester Straubenhardter war allerdings Olympia-Teilnehmer Lukas Dauser, der besonders am Barren eine wunderbare Übung zeigte. Der Ex-Cottbuser Andreas Bretschneider hingegen ließ am Reck seinen Superflieger aus und erklärte danach: "Ich bin noch total grau von der anstrengenden Saison und muss zusehen, dass ich überhaupt irgendwie am Reck hängen kann." Der 27-Jährige kündigte allerdings an: "Das wird in den kommenden Wochen mit dem Training aber auch wieder besser werden. Und dann komme ich in diesem Jahr ja noch einmal nach Cottbus. Ich denke, dass ich zum Turnier der Meister eine schwierigere Übung zeigen kann."

Es war eben noch keine Zeit für Höhenflüge, das galt auch für die Cottbuser. "Ich bin trotzdem stolz auf unsere Mannschaft", stellte Christopher Jursch nach der deutlichen Niederlage klar. Er sagte: "Wir haben uns relativ gut präsentiert."

Die beiden Auftaktniederlagen gegen die TG Saar und nun gegen Straubenhardt waren ohnehin einkalkuliert. Erst in den kommenden Wettkämpfen rechnen sich die SC-Verantwortlichen etwas aus - insgeheim schielt man ja sogar auf Platz vier, der zur Teilnahme am kleinen Finale berechtigen würde. Christopher Jursch, der punktbeste Cottbuser, zeigte zum Abschluss am Reck, worauf es in den kommenden Wettkämpfen ankommen wird: Kampfgeist. Der 24-Jährige stürzte erst bei einer Höchstschwierigkeit vom Gerät, um dieses Element danach gleich noch einmal zu turnen - mit Erfolg. Jursch: "Es war wichtig für den Kopf zu zeigen, dass ich das Element kann."

Was seine Mannschaft tatsächlich leisten kann, ließen auch die Youngster wie Leonard Prügel am Reck oder Devin Woitalla am Barren erahnen. Dazu lieferte Marc Krause eine starke Ringe-Übung ab, und Oleksandr Suprun holte mannschaftsdienlich viele Punkte. Weil jetzt noch Gastturner Igor Radivilov dazukommt, rechnen sich die Cottbuser am Samstag in Schwäbisch Gmünd etwas aus. Wenn sie die erhaltene Lehrstunde gut verarbeiten, könnte jetzt ihr Höhenflug in der DTL beginnen.