ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:26 Uhr

Radsport
Nikias Arndt fährt voran

  Team Sunweb
Team Sunweb FOTO: Vincent Riemersma
Berlin/Cottbus. Der Ex-Cottbuser geht beim Radteam Sunweb in seine siebte Saison als Profi. Er soll künftig noch  mehr Verantwortung übernehmen. In der Lausitz hat der Wahl-Kölner jetzt beim Training eine Überraschung erlebt. Von Thomas Juschus

Als für das niederländische Team Sunweb bei der Teampräsentation im Umspannwerk Berlin der Vorhang für die Saison 2019 fiel, stand Nikias Arndt ganz vorn in der ersten Reihe in der Mitte – direkt neben Tom ­Dumoulin, dem Tour- und Giro-Zweiten von 2018 und Aushängeschild des World-Tour-Rennstalls. Der Wahl-Kölner Nikias Arndt genießt trotz einer eher durchwachsenen Saison 2018 weiter großes Vertrauen und geht erneut als sogenannter Road-Kapitän in seine siebte Saison beim deutsch-niederländischen Team.

„Wir haben die ganzen guten Erfahrungen der vergangenen Jahre in meiner Saisonplanung 2019 zusammengebracht. Dies Jahr kann gut funktionieren“, sagte Arndt mit seinem typischen norddeutschen Akzent.

Während der 27-Jährige in den vergangenen Jahren jeweils am Tag der Teampräsentation noch nach Australien zur „Tour Down Under“ reiste, verzichtet Arndt in diesem Jahr auf den strapaziösen Trip. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Die Reise fordert immer sehr viel Energie und Kraft. Im vergangenen Jahr hatte ich zudem danach viele gesundheitliche Probleme“, berichtete Arndt im gleißenden Licht der Scheinwerfer der Berliner Szene-Location. „Deshalb wollen wir die Klassiker auf einem anderen Weg vorbereiten.“

Die ersten Grundlagen hat der frühere Cottbuser, der von 2010 bis 2012 für das LKT Team Brandenburg fuhr, in seiner alten Wahl-Heimat gelegt. „Ich war einige Tage in Cottbus und habe Silvester in Berlin verbracht“, sagte Arndt. In Cottbus standen natürlich auch Besuche bei ehemaligen Weggefährten wie dem zweifachen Steher-Europameister Franz Schiewer oder bei Ex-Sprinter Erik Balzer auf dem Programm. „Ich habe mit beiden immer noch guten Kontakt. Jetzt geht zwar jeder seinen eigenen Weg, aber es ist immer wieder schön, wenn man ein- oder zweimal im Jahr Zeit miteinander verbringen kann“, so Arndt.

In Cottbus ging Arndt auch auf seine alte 120-Kilometer-Runde, die er zu LKT-Zeiten ein ums andere Mal abspulte. „Früher sind wir die immer in vier Stunden gefahren. Ich habe mich deshalb ein bisschen erschrocken, weil ich schon nach dreieinhalb Stunden wieder zurück war. Aber die Leistung, die wir im Grundlagentraining fahren, ist definitiv höher. Und auf so einer flachen Runde ist man dann zwangsläufig auch schneller unterwegs“, so Arndt.

In den nächsten Wochen will der Giro-Etappensieger von 2016 in drei Trainingslagern im spanischen ­Calpe mit dem Team Sunweb weiter behutsam seine Form aufbauen.  „Ich freue mich, dass ich dieses Jahr ein bisschen mehr Zeit habe und Grundlage fahren kann – wie früher“, sagt Arndt, der erst Ende Februar bei der UAE-Tour (ab 24. Februar) in sein Rennprogramm einsteigen wird.

Erster wichtiger Meilenstein ­werden die Frühjahrsklassiker in Belgien und Frankreich. „Mein Höhepunkt wird Paris – Roubaix“, so Arndt. 2018 konnte er bei den Rennen nicht wie erhofft sein Potenzial abrufen, auch aufgrund von Atemwegsbeschwerden. Direkt danach ließ er sich deshalb operativ die Nasenmuscheln öffnen. „Ich habe keinerlei Beschwerden mehr“, so Arndt.

Auf die Tour de France bereitet er sich wie 2017 – damals wurde er Zweiter auf der 19. Etappe – mit einem Höhentrainingslager vor. Im Herbst steht mit der Vuelta eine zweite dreiwöchige Rundfahrt im Programm. Und dann wartet noch die Weltmeisterschaft in Yorkshire: „Ich freue mich darauf und will da auf jeden Fall fahren, gern auch wieder im Zeitfahren. Da muss man aber auch ein bisschen die Entwicklung in Deutschland abwarten. Aber über eine gute Saison kann eine WM ein Selbstläufer werden“, so Arndt.

Neben seiner Erfahrung und Klasse ist Arndt darüber hinaus bei Sunweb immer mehr als Mentor gefordert. Bei der Teampräsentation stand auf der anderen Seite der junge Max Kanter neben ihm. Der 21-Jährige, zweifacher deutscher U-23-Meister auf der Straße, kommt wie Arndt ebenfalls aus der Cottbuser Radsport-Schule und geht in seine erste Saison als Profi. „Ich freue mich natürlich, wenn ein junger Fahrer aus Deutschland dazukommt – und ganz besonders freue ich mich, wenn er aus Cottbus ist“, sagte Arndt. „So langsam werde ich alt und muss die jungen Fahrer ein bisschen an die Hand nehmen und meine Erfahrungen und Wissen, dass ich über die Jahre aufgebaut habe, an die jungen Fahrer weitergeben.“

Vor allem will Arndt aber 2019 wieder selber öfter in der ersten Reihe und im Scheinwerferlicht stehen – mit starken Leistungen auf dem Rad.

 Der Ausblick: Die Frühjahrsklassiker sind 2019 ein Meilenstein.
Der Ausblick: Die Frühjahrsklassiker sind 2019 ein Meilenstein. FOTO: AFP / TOBIAS SCHWARZ